Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hofmannswaldau, Christian Hofmann von: Herrn von Hofmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte. Bd. 6. Leipzig, 1709.

Bild:
<< vorherige Seite

Hochzeit-Getichte.

Wie sah' man doch mit nassen wangen
Uns nach Charlotten offt verlangen!
Charlotte! rieffen gärt' und felder:
Charlotte! rieffen alle wälder:
Charlotte! sprach
Auch echo nach.
Doch alles weh, das uns verletzt,
Wird nun durch neue lust ersetzt:
Wird heute, Sophia! durch dich ersetzt.

ARIA.
Alles zagen, alles klagen
Fällt durch Amors macht dahin.
Amor tödet angst und schmertzen:
Amor heisset wieder schertzen:
Amor ändert hertz und sinn.
Alles zagen, alles klagen
Fällt durch Amors macht dahin.
Der frühling zeiget sich in begleitung der
Flora und Amors in den wolcken.
Der frühling.
NJcht wundre, Flora! dich,
Warum wir vor der zeit erschienen.
Der grosse Friderich,
Dem so viel länder dienen,
Besiegt auch die natur, und stellt, eh noch das jahr,
Das alte jahr, vergangen,
Den frühling und die Flora dar.
Jch seh' mein bild in Friedrich Wilhelm prangen;
Du siehst dich auf Sophiens wangen;
Und zwar wir sehen mehr, als dich und mich.
Denn was ist doch auf unsern auen
Wohl gegen dieser pracht zu schauen?
Selbst Anemonens Angesicht:
Selbst Anemonens purpur-licht,
Das
H 2

Hochzeit-Getichte.

Wie ſah’ man doch mit naſſen wangen
Uns nach Charlotten offt verlangen!
Charlotte! rieffen gaͤrt’ und felder:
Charlotte! rieffen alle waͤlder:
Charlotte! ſprach
Auch echo nach.
Doch alles weh, das uns verletzt,
Wird nun durch neue luſt erſetzt:
Wird heute, Sophia! durch dich erſetzt.

ARIA.
Alles zagen, alles klagen
Faͤllt durch Amors macht dahin.
Amor toͤdet angſt und ſchmertzen:
Amor heiſſet wieder ſchertzen:
Amor aͤndert hertz und ſinn.
Alles zagen, alles klagen
Faͤllt durch Amors macht dahin.
Der fruͤhling zeiget ſich in begleitung der
Flora und Amors in den wolcken.
Der fruͤhling.
NJcht wundre, Flora! dich,
Warum wir vor der zeit erſchienen.
Der groſſe Friderich,
Dem ſo viel laͤnder dienen,
Beſiegt auch die natur, und ſtellt, eh noch das jahr,
Das alte jahr, vergangen,
Den fruͤhling und die Flora dar.
Jch ſeh’ mein bild in Friedrich Wilhelm prangen;
Du ſiehſt dich auf Sophiens wangen;
Und zwar wir ſehen mehr, als dich und mich.
Denn was iſt doch auf unſern auen
Wohl gegen dieſer pracht zu ſchauen?
Selbſt Anemonens Angeſicht:
Selbſt Anemonens purpur-licht,
Das
H 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg n="1">
            <l>
              <pb facs="#f0139" n="115"/>
              <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Hochzeit-Getichte.</hi> </fw>
            </l><lb/>
            <l>Wie &#x017F;ah&#x2019; man doch mit na&#x017F;&#x017F;en wangen</l><lb/>
            <l>Uns nach Charlotten offt verlangen!</l><lb/>
            <l>Charlotte! rieffen ga&#x0364;rt&#x2019; und felder:</l><lb/>
            <l>Charlotte! rieffen alle wa&#x0364;lder:</l><lb/>
            <l>Charlotte! &#x017F;prach</l><lb/>
            <l>Auch echo nach.</l><lb/>
            <l>Doch alles weh, das uns verletzt,</l><lb/>
            <l>Wird nun durch neue lu&#x017F;t er&#x017F;etzt:</l><lb/>
            <l>Wird heute, Sophia! durch dich er&#x017F;etzt.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="2">
            <head> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#i"> <hi rendition="#g">ARIA.</hi> </hi> </hi> </head><lb/>
            <l>Alles zagen, alles klagen</l><lb/>
            <l>Fa&#x0364;llt durch Amors macht dahin.</l><lb/>
            <l>Amor to&#x0364;det ang&#x017F;t und &#x017F;chmertzen:</l><lb/>
            <l>Amor hei&#x017F;&#x017F;et wieder &#x017F;chertzen:</l><lb/>
            <l>Amor a&#x0364;ndert hertz und &#x017F;inn.</l><lb/>
            <l>Alles zagen, alles klagen</l><lb/>
            <l>Fa&#x0364;llt durch Amors macht dahin.</l>
          </lg><lb/>
          <stage> <hi rendition="#fr">Der fru&#x0364;hling zeiget &#x017F;ich in begleitung der<lb/>
Flora und Amors in den wolcken.</hi> </stage><lb/>
          <sp xml:id="FRU">
            <speaker> <hi rendition="#fr">Der fru&#x0364;hling.</hi> </speaker><lb/>
            <lg n="3">
              <l><hi rendition="#in">N</hi>Jcht wundre, Flora! dich,</l><lb/>
              <l>Warum wir vor der zeit er&#x017F;chienen.</l><lb/>
              <l>Der gro&#x017F;&#x017F;e Friderich,</l><lb/>
              <l>Dem &#x017F;o viel la&#x0364;nder dienen,</l><lb/>
              <l>Be&#x017F;iegt auch die natur, und &#x017F;tellt, eh noch das jahr,</l><lb/>
              <l>Das alte jahr, vergangen,</l><lb/>
              <l>Den fru&#x0364;hling und die Flora dar.</l><lb/>
              <l>Jch &#x017F;eh&#x2019; mein bild in Friedrich Wilhelm prangen;</l><lb/>
              <l>Du &#x017F;ieh&#x017F;t dich auf Sophiens wangen;</l><lb/>
              <l>Und zwar wir &#x017F;ehen mehr, als dich und mich.</l><lb/>
              <l>Denn was i&#x017F;t doch auf un&#x017F;ern auen</l><lb/>
              <l>Wohl gegen die&#x017F;er pracht zu &#x017F;chauen?</l><lb/>
              <l>Selb&#x017F;t Anemonens Ange&#x017F;icht:</l><lb/>
              <l>Selb&#x017F;t Anemonens purpur-licht,<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">H 2</fw><fw place="bottom" type="catch">Das</fw><lb/></l>
            </lg>
          </sp>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[115/0139] Hochzeit-Getichte. Wie ſah’ man doch mit naſſen wangen Uns nach Charlotten offt verlangen! Charlotte! rieffen gaͤrt’ und felder: Charlotte! rieffen alle waͤlder: Charlotte! ſprach Auch echo nach. Doch alles weh, das uns verletzt, Wird nun durch neue luſt erſetzt: Wird heute, Sophia! durch dich erſetzt. ARIA. Alles zagen, alles klagen Faͤllt durch Amors macht dahin. Amor toͤdet angſt und ſchmertzen: Amor heiſſet wieder ſchertzen: Amor aͤndert hertz und ſinn. Alles zagen, alles klagen Faͤllt durch Amors macht dahin. Der fruͤhling zeiget ſich in begleitung der Flora und Amors in den wolcken. Der fruͤhling. NJcht wundre, Flora! dich, Warum wir vor der zeit erſchienen. Der groſſe Friderich, Dem ſo viel laͤnder dienen, Beſiegt auch die natur, und ſtellt, eh noch das jahr, Das alte jahr, vergangen, Den fruͤhling und die Flora dar. Jch ſeh’ mein bild in Friedrich Wilhelm prangen; Du ſiehſt dich auf Sophiens wangen; Und zwar wir ſehen mehr, als dich und mich. Denn was iſt doch auf unſern auen Wohl gegen dieſer pracht zu ſchauen? Selbſt Anemonens Angeſicht: Selbſt Anemonens purpur-licht, Das H 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/hoffmannswaldau_gedichte06_1709
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/hoffmannswaldau_gedichte06_1709/139
Zitationshilfe: Hofmannswaldau, Christian Hofmann von: Herrn von Hofmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte. Bd. 6. Leipzig, 1709, S. 115. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hoffmannswaldau_gedichte06_1709/139>, abgerufen am 10.05.2021.