Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Huber, Therese: Bemerkungen über Holland aus dem Reisejournal einer deutschen Frau. Leipzig, 1811.

Bild:
<< vorherige Seite

Funfzehnter Abschnitt.


Die Blätter färbten sich, die Sonne sinkt schon
früh in Westen nieder, der weite Weg, der mich
von Euch trennt, scheint mir abschreckend, wenn
ich ihn zu betreten gedenke, und nicht der Aufmerk-
samkeit werth, wenn ich mich erinnere, daß er
mich zu Euch führt, daß ich an den Ufern Eures
stillen Flusses einen Theil meiner langentbehrten
Lieben wieder um mich her versammelt soll sehen.
So schmerzlich es mir denn auch war, * * und
meine liebenswürdigen Gastfreunde zu verlassen,
so trat ich den 19ten Oktober doch freudig meine
Rückreise an. Ich verließ Holland mit einer leb-
haften Empfindung von Theilnahme, Achtung
und Sorge. Die Verhältnisse dieses Volkes kön-
nen nicht bleiben, wie sie sind, und jetzt schon
vergiften sie die Moralität desselben, sie werden


Funfzehnter Abſchnitt.


Die Blaͤtter faͤrbten ſich, die Sonne ſinkt ſchon
fruͤh in Weſten nieder, der weite Weg, der mich
von Euch trennt, ſcheint mir abſchreckend, wenn
ich ihn zu betreten gedenke, und nicht der Aufmerk-
ſamkeit werth, wenn ich mich erinnere, daß er
mich zu Euch fuͤhrt, daß ich an den Ufern Eures
ſtillen Fluſſes einen Theil meiner langentbehrten
Lieben wieder um mich her verſammelt ſoll ſehen.
So ſchmerzlich es mir denn auch war, * * und
meine liebenswuͤrdigen Gaſtfreunde zu verlaſſen,
ſo trat ich den 19ten Oktober doch freudig meine
Ruͤckreiſe an. Ich verließ Holland mit einer leb-
haften Empfindung von Theilnahme, Achtung
und Sorge. Die Verhaͤltniſſe dieſes Volkes koͤn-
nen nicht bleiben, wie ſie ſind, und jetzt ſchon
vergiften ſie die Moralitaͤt deſſelben, ſie werden

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0397" n="383"/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Funfzehnter Ab&#x017F;chnitt</hi>.</hi> </head><lb/>
        <dateline>Auf der Ru&#x0364;ckrei&#x017F;e nach Mainz.<lb/>
Im Oktober.</dateline><lb/>
        <p><hi rendition="#in">D</hi>ie Bla&#x0364;tter fa&#x0364;rbten &#x017F;ich, die Sonne &#x017F;inkt &#x017F;chon<lb/>
fru&#x0364;h in We&#x017F;ten nieder, der weite Weg, der mich<lb/>
von Euch trennt, &#x017F;cheint mir ab&#x017F;chreckend, wenn<lb/>
ich ihn zu betreten gedenke, und nicht der Aufmerk-<lb/>
&#x017F;amkeit werth, wenn ich mich erinnere, daß er<lb/>
mich zu Euch fu&#x0364;hrt, daß ich an den Ufern Eures<lb/>
&#x017F;tillen Flu&#x017F;&#x017F;es einen Theil meiner langentbehrten<lb/>
Lieben wieder um mich her ver&#x017F;ammelt &#x017F;oll &#x017F;ehen.<lb/>
So &#x017F;chmerzlich es mir denn auch war, * * und<lb/>
meine liebenswu&#x0364;rdigen Ga&#x017F;tfreunde zu verla&#x017F;&#x017F;en,<lb/>
&#x017F;o trat ich den 19ten Oktober doch freudig meine<lb/>
Ru&#x0364;ckrei&#x017F;e an. Ich verließ Holland mit einer leb-<lb/>
haften Empfindung von Theilnahme, Achtung<lb/>
und Sorge. Die Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;e die&#x017F;es Volkes ko&#x0364;n-<lb/>
nen nicht bleiben, wie &#x017F;ie &#x017F;ind, und jetzt &#x017F;chon<lb/>
vergiften &#x017F;ie die Moralita&#x0364;t de&#x017F;&#x017F;elben, &#x017F;ie werden<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[383/0397] Funfzehnter Abſchnitt. Auf der Ruͤckreiſe nach Mainz. Im Oktober. Die Blaͤtter faͤrbten ſich, die Sonne ſinkt ſchon fruͤh in Weſten nieder, der weite Weg, der mich von Euch trennt, ſcheint mir abſchreckend, wenn ich ihn zu betreten gedenke, und nicht der Aufmerk- ſamkeit werth, wenn ich mich erinnere, daß er mich zu Euch fuͤhrt, daß ich an den Ufern Eures ſtillen Fluſſes einen Theil meiner langentbehrten Lieben wieder um mich her verſammelt ſoll ſehen. So ſchmerzlich es mir denn auch war, * * und meine liebenswuͤrdigen Gaſtfreunde zu verlaſſen, ſo trat ich den 19ten Oktober doch freudig meine Ruͤckreiſe an. Ich verließ Holland mit einer leb- haften Empfindung von Theilnahme, Achtung und Sorge. Die Verhaͤltniſſe dieſes Volkes koͤn- nen nicht bleiben, wie ſie ſind, und jetzt ſchon vergiften ſie die Moralitaͤt deſſelben, ſie werden

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/huber_reisejournal_1811
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/huber_reisejournal_1811/397
Zitationshilfe: Huber, Therese: Bemerkungen über Holland aus dem Reisejournal einer deutschen Frau. Leipzig, 1811, S. 383. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/huber_reisejournal_1811/397>, abgerufen am 16.08.2022.