das Vergnügen hatte, schien mir auch geneigt anzunehmen, daß die Temperatur von 52 Grad, der man in Fezzan so oft ausgesetzt ist, großenteils von den Quarzkörnern herrührt, die in der Luft suspendiert sind. Zwischen Pao und dem im Jahre 1749 gegründeten, von 500 Kariben bewohnten Dorfe Santa Cruz de Cachipo1 kamen wir über den westlichen Strich des kleinen Plateau, das unter dem Namen Mesa de Amana bekannt ist. Dieses Plateau bildet die Wasserscheide zwischen dem Orinoko, dem Guarapiche und dem Küstenland von Neu- Andalusien. Die Erhöhung desselben ist so gering, daß es der Schiffbarmachung dieses Strichs der Llanos wenig Hinder- nisse in den Weg legen wird. Indessen konnte der Rio Mamo, der oberhalb des Einflusses des Carony in den Orinoko fällt und den d'Anville (ich weiß nicht, nach wessen Angabe) auf der ersten Ausgabe seiner großen Karte aus dem See von Valencia kommen und die Gewässer des Guayre aufnehmen läßt, nie als natürlicher Kanal zwischen zwei Flußbecken dienen. Es besteht in der Steppe nirgends eine Gabelteilung der Art. Sehr viele Kariben, welche jetzt in den Missionen von Piritu leben, saßen früher nördlich und westlich vom Plateau Amana zwischen Maturin, der Mündung de Rio Areo und dem Guarapiche; die Einfälle Don Josef Carennos, eines der unternehmendsten Statthalter der Provinz Cumana, gaben im Jahr 1720 Anlaß zu einer allgemeinen Wanderung der unabhängigen Kariben an den unteren Orinoko.
Dieser ganze weitgedehnte Landstrich besteht, wie wir schon oben bemerkt, aus sekundären Gebirgsbildungen, die sich gegen Süden unmittelbar an die Granitgebirge am Ori- noko lehnen. Gegen Nordwest trennt sich ein ziemlich schmaler Streif von Uebergangsgebirg von den aus Urgebirg bestehen- den Bergen auf dem Küstenland von Caracas. Dieses ge- waltige Auftreten von sekundären Bildungen, die ohne Unter- brechung einen Flächenraum von 1458000 qkm bedecken (wobei nur der gegen Süden vom Rio Apure, gegen Westen von der Sierra Nevada de Merida und vom Paramo de las Rosas begrenzte Teil der Llanos gerechnet ist), ist in diesen Erd- strichen eine um so merkwürdigere Erscheinung, da in der ganzen Sierra de la Parime, zwischen dem rechten Ufer des Orinoko und dem Rio Negro, gerade wie in Skandinavien, die sekun- dären Bildungen auffallenderweise gänzlich fehlen. Der rote
1 Im Jahre 1754 hatte das Dorf nur 120 Seelen.
das Vergnügen hatte, ſchien mir auch geneigt anzunehmen, daß die Temperatur von 52 Grad, der man in Fezzan ſo oft ausgeſetzt iſt, großenteils von den Quarzkörnern herrührt, die in der Luft ſuſpendiert ſind. Zwiſchen Pao und dem im Jahre 1749 gegründeten, von 500 Kariben bewohnten Dorfe Santa Cruz de Cachipo1 kamen wir über den weſtlichen Strich des kleinen Plateau, das unter dem Namen Meſa de Amana bekannt iſt. Dieſes Plateau bildet die Waſſerſcheide zwiſchen dem Orinoko, dem Guarapiche und dem Küſtenland von Neu- Andaluſien. Die Erhöhung desſelben iſt ſo gering, daß es der Schiffbarmachung dieſes Strichs der Llanos wenig Hinder- niſſe in den Weg legen wird. Indeſſen konnte der Rio Mamo, der oberhalb des Einfluſſes des Carony in den Orinoko fällt und den d’Anville (ich weiß nicht, nach weſſen Angabe) auf der erſten Ausgabe ſeiner großen Karte aus dem See von Valencia kommen und die Gewäſſer des Guayre aufnehmen läßt, nie als natürlicher Kanal zwiſchen zwei Flußbecken dienen. Es beſteht in der Steppe nirgends eine Gabelteilung der Art. Sehr viele Kariben, welche jetzt in den Miſſionen von Piritu leben, ſaßen früher nördlich und weſtlich vom Plateau Amana zwiſchen Maturin, der Mündung de Rio Areo und dem Guarapiche; die Einfälle Don Joſef Careños, eines der unternehmendſten Statthalter der Provinz Cumana, gaben im Jahr 1720 Anlaß zu einer allgemeinen Wanderung der unabhängigen Kariben an den unteren Orinoko.
Dieſer ganze weitgedehnte Landſtrich beſteht, wie wir ſchon oben bemerkt, aus ſekundären Gebirgsbildungen, die ſich gegen Süden unmittelbar an die Granitgebirge am Ori- noko lehnen. Gegen Nordweſt trennt ſich ein ziemlich ſchmaler Streif von Uebergangsgebirg von den aus Urgebirg beſtehen- den Bergen auf dem Küſtenland von Caracas. Dieſes ge- waltige Auftreten von ſekundären Bildungen, die ohne Unter- brechung einen Flächenraum von 1458000 qkm bedecken (wobei nur der gegen Süden vom Rio Apure, gegen Weſten von der Sierra Nevada de Merida und vom Paramo de las Roſas begrenzte Teil der Llanos gerechnet iſt), iſt in dieſen Erd- ſtrichen eine um ſo merkwürdigere Erſcheinung, da in der ganzen Sierra de la Parime, zwiſchen dem rechten Ufer des Orinoko und dem Rio Negro, gerade wie in Skandinavien, die ſekun- dären Bildungen auffallenderweiſe gänzlich fehlen. Der rote
1 Im Jahre 1754 hatte das Dorf nur 120 Seelen.
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das Vergnügen hatte, ſchien mir auch geneigt anzunehmen,
daß die Temperatur von 52 Grad, der man in Fezzan ſo
oft ausgeſetzt iſt, großenteils von den Quarzkörnern herrührt,
die in der Luft ſuſpendiert ſind. Zwiſchen Pao und dem im
Jahre 1749 gegründeten, von 500 Kariben bewohnten Dorfe
Santa Cruz de Cachipo 1 kamen wir über den weſtlichen Strich
des kleinen Plateau, das unter dem Namen Meſa de Amana
bekannt iſt. Dieſes Plateau bildet die Waſſerſcheide zwiſchen
dem Orinoko, dem Guarapiche und dem Küſtenland von Neu-
Andaluſien. Die Erhöhung desſelben iſt ſo gering, daß es
der Schiffbarmachung dieſes Strichs der Llanos wenig Hinder-
niſſe in den Weg legen wird. Indeſſen konnte der Rio Mamo,
der oberhalb des Einfluſſes des Carony in den Orinoko fällt
und den d’Anville (ich weiß nicht, nach weſſen Angabe) auf
der erſten Ausgabe ſeiner großen Karte aus dem See von
Valencia kommen und die Gewäſſer des Guayre aufnehmen
läßt, nie als natürlicher Kanal zwiſchen zwei Flußbecken
dienen. Es beſteht in der Steppe nirgends eine Gabelteilung
der Art. Sehr viele Kariben, welche jetzt in den Miſſionen
von Piritu leben, ſaßen früher nördlich und weſtlich vom
Plateau Amana zwiſchen Maturin, der Mündung de Rio
Areo und dem Guarapiche; die Einfälle Don Joſef Careños,
eines der unternehmendſten Statthalter der Provinz Cumana,
gaben im Jahr 1720 Anlaß zu einer allgemeinen Wanderung
der unabhängigen Kariben an den unteren Orinoko.
Dieſer ganze weitgedehnte Landſtrich beſteht, wie wir
ſchon oben bemerkt, aus ſekundären Gebirgsbildungen, die
ſich gegen Süden unmittelbar an die Granitgebirge am Ori-
noko lehnen. Gegen Nordweſt trennt ſich ein ziemlich ſchmaler
Streif von Uebergangsgebirg von den aus Urgebirg beſtehen-
den Bergen auf dem Küſtenland von Caracas. Dieſes ge-
waltige Auftreten von ſekundären Bildungen, die ohne Unter-
brechung einen Flächenraum von 1458000 qkm bedecken (wobei
nur der gegen Süden vom Rio Apure, gegen Weſten von der
Sierra Nevada de Merida und vom Paramo de las Roſas
begrenzte Teil der Llanos gerechnet iſt), iſt in dieſen Erd-
ſtrichen eine um ſo merkwürdigere Erſcheinung, da in der ganzen
Sierra de la Parime, zwiſchen dem rechten Ufer des Orinoko
und dem Rio Negro, gerade wie in Skandinavien, die ſekun-
dären Bildungen auffallenderweiſe gänzlich fehlen. Der rote
1 Im Jahre 1754 hatte das Dorf nur 120 Seelen.
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Humboldt, Alexander von: Reise in die Aequinoktial-Gegenden des neuen Kontinents. Bd. 4. Übers. v. Hermann Hauff. Stuttgart, 1860, S. 251. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_aequinoktial04_1859/259>, abgerufen am 25.09.2024.
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