das nicht thut, der gleicht einem Räuber, der sich der Güter des Herrn gewaltsamer Weise bemäch- tigt*). Dies ist sehr fromm und gut, nur muß das Lob Gottes nicht in einem eintönigen, gedan- kenlosen Geplärr bestehen, denn das ist noch schlim- mer, als gar nichts.
Der Gott Jsraels hält sehr auf den Anstand und auf das Etikette. Man höre:
Wenn das Obst, welches du einsegnetest, dir aus der Hand zur Erde fällt, sollst du also spre- chen: "Gelobet sey der Name der Herrlichkeit sei- nes Königreichs von nun an bis in Ewigkeit!" denn du hast eine große Sünde begangen, weil du den Namen Gottes umsonst anriefst, und das Obst fal- len ließest. Entfällt dir aber der Apfel, ehe du den Segen vollendet hast, dann sprich: Herr, lehre mich deine Gebote halten.
Wenn Du, ohne vorher zu beten, Getränk oder Speise in den Mund nahmst, so sollst du das Getränk niederschlucken und gleich nachher beten; die Speise aber, wenn du sie schon gekauet hast, sollst du auf der einen Seite im Munde behalten, und erst, wenn du dein Gebet gesprochen, sie nie- derschlucken. Hast du das Essen noch nicht gekauet, so sollst du es mit den Fingern deiner rechten Hand aus dem Munde nehmen, und zuvor beten, ehe
*) Sanhedrin Fol. 102. 1. Berachos Fol. 35. 2.
das nicht thut, der gleicht einem Raͤuber, der ſich der Guͤter des Herrn gewaltſamer Weiſe bemaͤch- tigt*). Dies iſt ſehr fromm und gut, nur muß das Lob Gottes nicht in einem eintoͤnigen, gedan- kenloſen Geplaͤrr beſtehen, denn das iſt noch ſchlim- mer, als gar nichts.
Der Gott Jſraels haͤlt ſehr auf den Anſtand und auf das Etikette. Man hoͤre:
Wenn das Obſt, welches du einſegneteſt, dir aus der Hand zur Erde faͤllt, ſollſt du alſo ſpre- chen: »Gelobet ſey der Name der Herrlichkeit ſei- nes Koͤnigreichs von nun an bis in Ewigkeit!« denn du haſt eine große Suͤnde begangen, weil du den Namen Gottes umſonſt anriefſt, und das Obſt fal- len ließeſt. Entfaͤllt dir aber der Apfel, ehe du den Segen vollendet haſt, dann ſprich: Herr, lehre mich deine Gebote halten.
Wenn Du, ohne vorher zu beten, Getraͤnk oder Speiſe in den Mund nahmſt, ſo ſollſt du das Getraͤnk niederſchlucken und gleich nachher beten; die Speiſe aber, wenn du ſie ſchon gekauet haſt, ſollſt du auf der einen Seite im Munde behalten, und erſt, wenn du dein Gebet geſprochen, ſie nie- derſchlucken. Haſt du das Eſſen noch nicht gekauet, ſo ſollſt du es mit den Fingern deiner rechten Hand aus dem Munde nehmen, und zuvor beten, ehe
*) Sanhedrin Fol. 102. 1. Berachos Fol. 35. 2.
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das nicht thut, der gleicht einem Raͤuber, der ſich
der Guͤter des Herrn gewaltſamer Weiſe bemaͤch-
tigt *). Dies iſt ſehr fromm und gut, nur muß
das Lob Gottes nicht in einem eintoͤnigen, gedan-
kenloſen Geplaͤrr beſtehen, denn das iſt noch ſchlim-
mer, als gar nichts.
Der Gott Jſraels haͤlt ſehr auf den Anſtand
und auf das Etikette. Man hoͤre:
Wenn das Obſt, welches du einſegneteſt, dir
aus der Hand zur Erde faͤllt, ſollſt du alſo ſpre-
chen: »Gelobet ſey der Name der Herrlichkeit ſei-
nes Koͤnigreichs von nun an bis in Ewigkeit!« denn
du haſt eine große Suͤnde begangen, weil du den
Namen Gottes umſonſt anriefſt, und das Obſt fal-
len ließeſt. Entfaͤllt dir aber der Apfel, ehe du
den Segen vollendet haſt, dann ſprich: Herr, lehre
mich deine Gebote halten.
Wenn Du, ohne vorher zu beten, Getraͤnk
oder Speiſe in den Mund nahmſt, ſo ſollſt du das
Getraͤnk niederſchlucken und gleich nachher beten;
die Speiſe aber, wenn du ſie ſchon gekauet haſt,
ſollſt du auf der einen Seite im Munde behalten,
und erſt, wenn du dein Gebet geſprochen, ſie nie-
derſchlucken. Haſt du das Eſſen noch nicht gekauet,
ſo ſollſt du es mit den Fingern deiner rechten Hand
aus dem Munde nehmen, und zuvor beten, ehe
*) Sanhedrin Fol. 102. 1. Berachos Fol. 35. 2.
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Hundt-Radowsky, Hartwig: Die Judenschule, oder gründliche Anleitung, in kurzer Zeit ein vollkommener schwarzer oder weißer Jude zu werden. Bd. 2. Jerusalem [i. e. Aarau], 1822, S. 159. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hundtradowsky_judenschule02_1822/159>, abgerufen am 23.09.2024.
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