sen verzehrt hatten, mußte es freilich anfangs hart dünken, ihre Lieblingskost nicht einmal berühren zu sollen, ohne sich dadurch zu verunreinigen; allein nach und nach gewöhnten sie sich daran, zumal da sie durch die Befolgung dieser außerwesentlichen Vorschriften sich von der Beobachtung des bessern mosaischen Sittengesetzes zu entbinden glaubten.
Uebrigens denke man wegen jener Menge von Reinigungs- und Waschgesetzen ja nicht, daß Jsraels Kinder die wirkliche Reinlichkeit lieben. Alles be- steht nur in Förmlichkeiten; der Schmutz wird blos angefeuchtet, und das Einzige, was man in Folge der gedachten Vorschriften zu meiden sucht, ist der Genuß und die Berührung todter Thiere und an- derer von Moses als abscheulich geschilderter Dinge. Hierin geht man denn, wie manchmal der Gesetzgeber selbst, hin und wieder bis zum Lächer- lichen *).
Es würde überflüßig seyn, die sämmtlichen mosaischen Reinigungsvorschriften anführen zu wol- len, da sie Jeder in den Büchern Moses nachlesen kann.
Am schlimmsten sind die armen Frauen und Jungfrauen daran, denn wegen der kleinen Unpäß- lichkeiten, denen sie häufig unterworfen sind, befin- den sie sich alle vier bis fünf Wochen in einem
*) M. s. 3 B. Mos. Kap. 11 und Kap. 15.
ſen verzehrt hatten, mußte es freilich anfangs hart duͤnken, ihre Lieblingskoſt nicht einmal beruͤhren zu ſollen, ohne ſich dadurch zu verunreinigen; allein nach und nach gewoͤhnten ſie ſich daran, zumal da ſie durch die Befolgung dieſer außerweſentlichen Vorſchriften ſich von der Beobachtung des beſſern moſaiſchen Sittengeſetzes zu entbinden glaubten.
Uebrigens denke man wegen jener Menge von Reinigungs- und Waſchgeſetzen ja nicht, daß Jſraels Kinder die wirkliche Reinlichkeit lieben. Alles be- ſteht nur in Foͤrmlichkeiten; der Schmutz wird blos angefeuchtet, und das Einzige, was man in Folge der gedachten Vorſchriften zu meiden ſucht, iſt der Genuß und die Beruͤhrung todter Thiere und an- derer von Moſes als abſcheulich geſchilderter Dinge. Hierin geht man denn, wie manchmal der Geſetzgeber ſelbſt, hin und wieder bis zum Laͤcher- lichen *).
Es wuͤrde uͤberfluͤßig ſeyn, die ſaͤmmtlichen moſaiſchen Reinigungsvorſchriften anfuͤhren zu wol- len, da ſie Jeder in den Buͤchern Moſes nachleſen kann.
Am ſchlimmſten ſind die armen Frauen und Jungfrauen daran, denn wegen der kleinen Unpaͤß- lichkeiten, denen ſie haͤufig unterworfen ſind, befin- den ſie ſich alle vier bis fuͤnf Wochen in einem
*) M. ſ. 3 B. Moſ. Kap. 11 und Kap. 15.
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ſen verzehrt hatten, mußte es freilich anfangs hart
duͤnken, ihre Lieblingskoſt nicht einmal beruͤhren zu
ſollen, ohne ſich dadurch zu verunreinigen; allein
nach und nach gewoͤhnten ſie ſich daran, zumal da
ſie durch die Befolgung dieſer außerweſentlichen
Vorſchriften ſich von der Beobachtung des beſſern
moſaiſchen Sittengeſetzes zu entbinden glaubten.
Uebrigens denke man wegen jener Menge von
Reinigungs- und Waſchgeſetzen ja nicht, daß Jſraels
Kinder die wirkliche Reinlichkeit lieben. Alles be-
ſteht nur in Foͤrmlichkeiten; der Schmutz wird blos
angefeuchtet, und das Einzige, was man in Folge
der gedachten Vorſchriften zu meiden ſucht, iſt der
Genuß und die Beruͤhrung todter Thiere und an-
derer von Moſes als abſcheulich geſchilderter
Dinge. Hierin geht man denn, wie manchmal der
Geſetzgeber ſelbſt, hin und wieder bis zum Laͤcher-
lichen *).
Es wuͤrde uͤberfluͤßig ſeyn, die ſaͤmmtlichen
moſaiſchen Reinigungsvorſchriften anfuͤhren zu wol-
len, da ſie Jeder in den Buͤchern Moſes nachleſen
kann.
Am ſchlimmſten ſind die armen Frauen und
Jungfrauen daran, denn wegen der kleinen Unpaͤß-
lichkeiten, denen ſie haͤufig unterworfen ſind, befin-
den ſie ſich alle vier bis fuͤnf Wochen in einem
*) M. ſ. 3 B. Moſ. Kap. 11 und Kap. 15.
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Hundt-Radowsky, Hartwig: Die Judenschule, oder gründliche Anleitung, in kurzer Zeit ein vollkommener schwarzer oder weißer Jude zu werden. Bd. 2. Jerusalem [i. e. Aarau], 1822, S. 196. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hundtradowsky_judenschule02_1822/196>, abgerufen am 23.09.2024.
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