peln, Tücher und Silberplatten zum Einwickeln. Hierauf stürzt alles Jung und Alt, mit Ausschluß der Weiber herbei, um das Etzchajim (das Holz des Lebens) zu küssen. Wer von den Uebrigen zu- rück gedrängt wird, berührt es wenigstens mit zwei Fingern, und legt diese auf die Augen, denn dies soll gegen geistliche und leibliche Blindheit, gegen Gicht, Flüsse und andere Krankheiten sehr heilsam seyn.
Während man das Gesetzbuch wieder in die Arche legt, singt der Chasan: Rühmet den Namen Gottes, denn sein Name allein ist stark. Die Ge- meine antwortet: "Sein Ruhm ist im Himmel und auf Erden. Er hat das Horn seines Volks erhöhet zum Lob aller Heiligen, nemlich das Volk Jsrael, das ihm am nächsten ist! Lobet Gott!"
Beim Verschließen der Arche singt man: wann sie (die Bundeslade) ruhete, sprach Moses: Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausenden von Jsrael!
Endlich wird der Gottesdienst, gleich der ge- wöhnlichen Morgenandacht geschlossen, und Jeder geht mit den Worten: "Herr, leite mich in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen! Richte dei- nen Weg vor mir her! Der Herr segne meinen Ausgang und Eingang!" zu Hause, um zu wuchern, zu gaunern und zu schachern, so gut er vermag.
peln, Tuͤcher und Silberplatten zum Einwickeln. Hierauf ſtuͤrzt alles Jung und Alt, mit Ausſchluß der Weiber herbei, um das Etzchajim (das Holz des Lebens) zu kuͤſſen. Wer von den Uebrigen zu- ruͤck gedraͤngt wird, beruͤhrt es wenigſtens mit zwei Fingern, und legt dieſe auf die Augen, denn dies ſoll gegen geiſtliche und leibliche Blindheit, gegen Gicht, Fluͤſſe und andere Krankheiten ſehr heilſam ſeyn.
Waͤhrend man das Geſetzbuch wieder in die Arche legt, ſingt der Chaſan: Ruͤhmet den Namen Gottes, denn ſein Name allein iſt ſtark. Die Ge- meine antwortet: »Sein Ruhm iſt im Himmel und auf Erden. Er hat das Horn ſeines Volks erhoͤhet zum Lob aller Heiligen, nemlich das Volk Jſrael, das ihm am naͤchſten iſt! Lobet Gott!«
Beim Verſchließen der Arche ſingt man: wann ſie (die Bundeslade) ruhete, ſprach Moſes: Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tauſenden von Jſrael!
Endlich wird der Gottesdienſt, gleich der ge- woͤhnlichen Morgenandacht geſchloſſen, und Jeder geht mit den Worten: »Herr, leite mich in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen! Richte dei- nen Weg vor mir her! Der Herr ſegne meinen Ausgang und Eingang!« zu Hauſe, um zu wuchern, zu gaunern und zu ſchachern, ſo gut er vermag.
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peln, Tuͤcher und Silberplatten zum Einwickeln.
Hierauf ſtuͤrzt alles Jung und Alt, mit Ausſchluß
der Weiber herbei, um das Etzchajim (das Holz
des Lebens) zu kuͤſſen. Wer von den Uebrigen zu-
ruͤck gedraͤngt wird, beruͤhrt es wenigſtens mit zwei
Fingern, und legt dieſe auf die Augen, denn dies
ſoll gegen geiſtliche und leibliche Blindheit, gegen
Gicht, Fluͤſſe und andere Krankheiten ſehr heilſam
ſeyn.
Waͤhrend man das Geſetzbuch wieder in die
Arche legt, ſingt der Chaſan: Ruͤhmet den Namen
Gottes, denn ſein Name allein iſt ſtark. Die Ge-
meine antwortet: »Sein Ruhm iſt im Himmel und
auf Erden. Er hat das Horn ſeines Volks erhoͤhet
zum Lob aller Heiligen, nemlich das Volk
Jſrael, das ihm am naͤchſten iſt! Lobet
Gott!«
Beim Verſchließen der Arche ſingt man: wann
ſie (die Bundeslade) ruhete, ſprach Moſes: Komm
wieder, Herr, zu der Menge der Tauſenden von
Jſrael!
Endlich wird der Gottesdienſt, gleich der ge-
woͤhnlichen Morgenandacht geſchloſſen, und Jeder
geht mit den Worten: »Herr, leite mich in deiner
Gerechtigkeit um meiner Feinde willen! Richte dei-
nen Weg vor mir her! Der Herr ſegne meinen
Ausgang und Eingang!« zu Hauſe, um zu wuchern,
zu gaunern und zu ſchachern, ſo gut er vermag.
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Hundt-Radowsky, Hartwig: Die Judenschule, oder gründliche Anleitung, in kurzer Zeit ein vollkommener schwarzer oder weißer Jude zu werden. Bd. 2. Jerusalem [i. e. Aarau], 1822, S. 230. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hundtradowsky_judenschule02_1822/230>, abgerufen am 23.09.2024.
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