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Hunold, Christian Friedrich: Die Edle Bemühung müssiger Stunden. Hamburg, 1702.

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Vermischte Gedichte
4.
Ein gantz ergebner Knecht verehrt denn gebückt/
Die Sterne/ so vor jetzt das gantze Land genieset/
Ich weiß/ das weil die Sonn' auf tieffe Thäler blickt/
Daß dero Gütigkeit auf diese Zeilen fliesset.
Mein Geist der wünschet sich bey dero Gnaden-Schein/
Die Sterne mögen auch mein Glücks-Gestirne seyn.
Cantata.
Uberdas unbeständige Glücke
Aria.
Meine Sonn' ist gantz verschwunden/
Und mich martert stete Nacht.
Ach! wie schmertzlich sind die Stunden/
Wo kein Freuden-Morgen lacht!
Ich muß bey den Finsternissen
Schon mein Grab im Leben küssen.
So Glück als Zeit/ ja Sonn- und Monden-Licht/
Und alles ist dem Wechsel untergeben;
Doch nur mein Unglück nicht/
Denn mein betübtes Leben/
Ist immer einerley.
Ach Himmel! Was sprichst du?
Daß ich verstossen sey?
Ja/ Ja/ du schliest dich vor mir zu.
Wenn andre sich im Frühling weiden/
Läßt du mir steten Winter leiden/
Und dein beliebter Schein
Muß mir verschwunden seyn.
Doch
H 4
Vermiſchte Gedichte
4.
Ein gantz ergebner Knecht verehrt denn gebuͤckt/
Die Sterne/ ſo vor jetzt das gantze Land genieſet/
Ich weiß/ das weil die Sonn' auf tieffe Thaͤler blickt/
Daß dero Guͤtigkeit auf dieſe Zeilen flieſſet.
Mein Geiſt der wuͤnſchet ſich bey dero Gnaden-Schein/
Die Sterne moͤgen auch mein Gluͤcks-Geſtirne ſeyn.
Cantata.
Uberdas unbeſtaͤndige Gluͤcke
Aria.
Meine Sonn' iſt gantz verſchwunden/
Und mich martert ſtete Nacht.
Ach! wie ſchmertzlich ſind die Stunden/
Wo kein Freuden-Morgen lacht!
Ich muß bey den Finſterniſſen
Schon mein Grab im Leben kuͤſſen.
So Gluͤck als Zeit/ ja Sonn- und Monden-Licht/
Und alles iſt dem Wechſel untergeben;
Doch nur mein Ungluͤck nicht/
Denn mein betuͤbtes Leben/
Iſt immer einerley.
Ach Himmel! Was ſprichſt du?
Daß ich verſtoſſen ſey?
Ja/ Ja/ du ſchlieſt dich vor mir zu.
Wenn andre ſich im Fruͤhling weiden/
Laͤßt du mir ſteten Winter leiden/
Und dein beliebter Schein
Muß mir verſchwunden ſeyn.
Doch
H 4
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[119/0129] Vermiſchte Gedichte 4. Ein gantz ergebner Knecht verehrt denn gebuͤckt/ Die Sterne/ ſo vor jetzt das gantze Land genieſet/ Ich weiß/ das weil die Sonn' auf tieffe Thaͤler blickt/ Daß dero Guͤtigkeit auf dieſe Zeilen flieſſet. Mein Geiſt der wuͤnſchet ſich bey dero Gnaden-Schein/ Die Sterne moͤgen auch mein Gluͤcks-Geſtirne ſeyn. Cantata. Uberdas unbeſtaͤndige Gluͤcke Aria. Meine Sonn' iſt gantz verſchwunden/ Und mich martert ſtete Nacht. Ach! wie ſchmertzlich ſind die Stunden/ Wo kein Freuden-Morgen lacht! Ich muß bey den Finſterniſſen Schon mein Grab im Leben kuͤſſen. So Gluͤck als Zeit/ ja Sonn- und Monden-Licht/ Und alles iſt dem Wechſel untergeben; Doch nur mein Ungluͤck nicht/ Denn mein betuͤbtes Leben/ Iſt immer einerley. Ach Himmel! Was ſprichſt du? Daß ich verſtoſſen ſey? Ja/ Ja/ du ſchlieſt dich vor mir zu. Wenn andre ſich im Fruͤhling weiden/ Laͤßt du mir ſteten Winter leiden/ Und dein beliebter Schein Muß mir verſchwunden ſeyn. Doch H 4

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Zitationshilfe: Hunold, Christian Friedrich: Die Edle Bemühung müssiger Stunden. Hamburg, 1702, S. 119. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hunold_gedichte_1702/129>, abgerufen am 16.04.2021.