Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jacobi, Friedrich Heinrich: Eduard Allwills Briefsammlung. Mit einer Zugabe von eigenen Briefen. Königsberg, 1792.

Bild:
<< vorherige Seite
XIII.
Lenore an Sylli.

Du weißt von Amalia, daß wir Deinen
Brief erhalten haben, und mit dem Briefe zu ihr
kommen wollten. Uns hatte dieser Brief trau-
rig gemacht, und ich weiß nicht in was für
eine Bangigkeit versetzt, die wir uns selbst nicht
zu erklären wußten, und wovon wir ganz miß-
müthig waren. Amli schalt uns darüber,
erzählte uns was Sie Dir geschrieben hätte,
hieß uns gutes Muths seyn, und flößte uns
eine solche Zuversicht zu Deinem nahen Kom-
men ein, daß wir heiter, und, am Ende,
lauter Freude mit ihr wurden. Da sie uns wie-
der froh hatte, warnte sie uns hinterher noch
einmal: nicht, sagte sie, vor dem betrübt,
sondern vor dem trübe seyn.

Was Du von Allwill schreibst, war ihr,
wegen Clerdon, sehr willkommen; ob es gleich,

H 4
XIII.
Lenore an Sylli.

Du weißt von Amalia, daß wir Deinen
Brief erhalten haben, und mit dem Briefe zu ihr
kommen wollten. Uns hatte dieſer Brief trau-
rig gemacht, und ich weiß nicht in was fuͤr
eine Bangigkeit verſetzt, die wir uns ſelbſt nicht
zu erklaͤren wußten, und wovon wir ganz miß-
muͤthig waren. Amli ſchalt uns daruͤber,
erzaͤhlte uns was Sie Dir geſchrieben haͤtte,
hieß uns gutes Muths ſeyn, und floͤßte uns
eine ſolche Zuverſicht zu Deinem nahen Kom-
men ein, daß wir heiter, und, am Ende,
lauter Freude mit ihr wurden. Da ſie uns wie-
der froh hatte, warnte ſie uns hinterher noch
einmal: nicht, ſagte ſie, vor dem betruͤbt,
ſondern vor dem truͤbe ſeyn.

Was Du von Allwill ſchreibſt, war ihr,
wegen Clerdon, ſehr willkommen; ob es gleich,

H 4
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0157" n="119"/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">XIII.</hi><lb/>
Lenore an Sylli.</hi> </head><lb/>
          <dateline> <hi rendition="#et"><hi rendition="#g">Heimfeld</hi>, den 22ten Ma&#x0364;rz.</hi> </dateline><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>u weißt von Amalia, daß wir Deinen<lb/>
Brief erhalten haben, und mit dem Briefe zu ihr<lb/>
kommen wollten. Uns hatte die&#x017F;er Brief trau-<lb/>
rig gemacht, und ich weiß nicht in was fu&#x0364;r<lb/>
eine Bangigkeit ver&#x017F;etzt, die wir uns &#x017F;elb&#x017F;t nicht<lb/>
zu erkla&#x0364;ren wußten, und wovon wir ganz miß-<lb/>
mu&#x0364;thig waren. <hi rendition="#g">Amli</hi> &#x017F;chalt uns daru&#x0364;ber,<lb/>
erza&#x0364;hlte uns was Sie Dir ge&#x017F;chrieben ha&#x0364;tte,<lb/>
hieß uns gutes Muths &#x017F;eyn, und flo&#x0364;ßte uns<lb/>
eine &#x017F;olche Zuver&#x017F;icht zu Deinem nahen Kom-<lb/>
men ein, daß wir heiter, und, am Ende,<lb/>
lauter Freude mit ihr wurden. Da &#x017F;ie uns wie-<lb/>
der froh hatte, warnte &#x017F;ie uns hinterher noch<lb/>
einmal: <hi rendition="#g">nicht</hi>, &#x017F;agte &#x017F;ie, vor dem <hi rendition="#g">betru&#x0364;bt</hi>,<lb/>
&#x017F;ondern vor dem <hi rendition="#g">tru&#x0364;be</hi> &#x017F;eyn.</p><lb/>
          <p>Was Du von Allwill &#x017F;chreib&#x017F;t, war ihr,<lb/>
wegen Clerdon, &#x017F;ehr willkommen; ob es gleich,<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">H 4</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[119/0157] XIII. Lenore an Sylli. Heimfeld, den 22ten Maͤrz. Du weißt von Amalia, daß wir Deinen Brief erhalten haben, und mit dem Briefe zu ihr kommen wollten. Uns hatte dieſer Brief trau- rig gemacht, und ich weiß nicht in was fuͤr eine Bangigkeit verſetzt, die wir uns ſelbſt nicht zu erklaͤren wußten, und wovon wir ganz miß- muͤthig waren. Amli ſchalt uns daruͤber, erzaͤhlte uns was Sie Dir geſchrieben haͤtte, hieß uns gutes Muths ſeyn, und floͤßte uns eine ſolche Zuverſicht zu Deinem nahen Kom- men ein, daß wir heiter, und, am Ende, lauter Freude mit ihr wurden. Da ſie uns wie- der froh hatte, warnte ſie uns hinterher noch einmal: nicht, ſagte ſie, vor dem betruͤbt, ſondern vor dem truͤbe ſeyn. Was Du von Allwill ſchreibſt, war ihr, wegen Clerdon, ſehr willkommen; ob es gleich, H 4

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_allwill_1792
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_allwill_1792/157
Zitationshilfe: Jacobi, Friedrich Heinrich: Eduard Allwills Briefsammlung. Mit einer Zugabe von eigenen Briefen. Königsberg, 1792, S. 119. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_allwill_1792/157>, abgerufen am 06.03.2021.