Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jacobi, Friedrich Heinrich: Eduard Allwills Briefsammlung. Mit einer Zugabe von eigenen Briefen. Königsberg, 1792.

Bild:
<< vorherige Seite
VII.
Amalia an Sylli.

Gestern Nachmittag kamen Eduard, der
Herr von Kambeck und ein Offizier, den Du
nicht kennst, und entführten meinen Clerdon
nach Born, wohin diesen Morgen eine Kuppel
Englischer Pferde kommt. Dem guten Cler-
don war es gar nicht darum zu thun; aber
Du weißt, wie er sich beschwatzen läßt. --
Also bin ich jetzt allein mit meinem Caffee,
und in der betrübten Lage, alles Fette der
Milch in meine eigene Tasse schöpfen zu müs-
sen. Ich fieng an zu lesen; aber schon auf
der zweyten Seite gieng mir dies und jenes
durch den Kopf, das mit Dir zu schaffen hatte;
ich konnte der Zerstreuung nicht wehren, und
legte das Buch weg. Liebe Sylli! der Him-
mel ist nicht heiter, und dies ist Schuld, daß
mein Cabinet weniger schön ist. Ich habe ein

VII.
Amalia an Sylli.

Geſtern Nachmittag kamen Eduard, der
Herr von Kambeck und ein Offizier, den Du
nicht kennſt, und entfuͤhrten meinen Clerdon
nach Born, wohin dieſen Morgen eine Kuppel
Engliſcher Pferde kommt. Dem guten Cler-
don war es gar nicht darum zu thun; aber
Du weißt, wie er ſich beſchwatzen laͤßt. —
Alſo bin ich jetzt allein mit meinem Caffee,
und in der betruͤbten Lage, alles Fette der
Milch in meine eigene Taſſe ſchoͤpfen zu muͤſ-
ſen. Ich fieng an zu leſen; aber ſchon auf
der zweyten Seite gieng mir dies und jenes
durch den Kopf, das mit Dir zu ſchaffen hatte;
ich konnte der Zerſtreuung nicht wehren, und
legte das Buch weg. Liebe Sylli! der Him-
mel iſt nicht heiter, und dies iſt Schuld, daß
mein Cabinet weniger ſchoͤn iſt. Ich habe ein

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0084" n="46"/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">VII.</hi><lb/>
Amalia an Sylli.</hi> </head><lb/>
          <div>
            <dateline> <hi rendition="#et">Sonnabend, den 11ten Ma&#x0364;rz,<lb/>
Morgens um halb &#x017F;ieben.</hi> </dateline><lb/>
            <p><hi rendition="#in">G</hi>e&#x017F;tern Nachmittag kamen Eduard, der<lb/>
Herr von Kambeck und ein Offizier, den Du<lb/>
nicht kenn&#x017F;t, und entfu&#x0364;hrten meinen Clerdon<lb/>
nach Born, wohin die&#x017F;en Morgen eine Kuppel<lb/>
Engli&#x017F;cher Pferde kommt. Dem guten Cler-<lb/>
don war es gar nicht darum zu thun; aber<lb/>
Du weißt, wie er &#x017F;ich be&#x017F;chwatzen la&#x0364;ßt. &#x2014;<lb/>
Al&#x017F;o bin ich jetzt allein mit meinem Caffee,<lb/>
und in der betru&#x0364;bten Lage, alles Fette der<lb/>
Milch in meine eigene Ta&#x017F;&#x017F;e &#x017F;cho&#x0364;pfen zu mu&#x0364;&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en. Ich fieng an zu le&#x017F;en; aber &#x017F;chon auf<lb/>
der zweyten Seite gieng mir dies und jenes<lb/>
durch den Kopf, das mit Dir zu &#x017F;chaffen hatte;<lb/>
ich konnte der Zer&#x017F;treuung nicht wehren, und<lb/>
legte das Buch weg. Liebe Sylli! der Him-<lb/>
mel i&#x017F;t nicht heiter, und dies i&#x017F;t Schuld, daß<lb/>
mein Cabinet weniger &#x017F;cho&#x0364;n i&#x017F;t. Ich habe ein<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[46/0084] VII. Amalia an Sylli. Sonnabend, den 11ten Maͤrz, Morgens um halb ſieben. Geſtern Nachmittag kamen Eduard, der Herr von Kambeck und ein Offizier, den Du nicht kennſt, und entfuͤhrten meinen Clerdon nach Born, wohin dieſen Morgen eine Kuppel Engliſcher Pferde kommt. Dem guten Cler- don war es gar nicht darum zu thun; aber Du weißt, wie er ſich beſchwatzen laͤßt. — Alſo bin ich jetzt allein mit meinem Caffee, und in der betruͤbten Lage, alles Fette der Milch in meine eigene Taſſe ſchoͤpfen zu muͤſ- ſen. Ich fieng an zu leſen; aber ſchon auf der zweyten Seite gieng mir dies und jenes durch den Kopf, das mit Dir zu ſchaffen hatte; ich konnte der Zerſtreuung nicht wehren, und legte das Buch weg. Liebe Sylli! der Him- mel iſt nicht heiter, und dies iſt Schuld, daß mein Cabinet weniger ſchoͤn iſt. Ich habe ein

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_allwill_1792
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_allwill_1792/84
Zitationshilfe: Jacobi, Friedrich Heinrich: Eduard Allwills Briefsammlung. Mit einer Zugabe von eigenen Briefen. Königsberg, 1792, S. 46. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_allwill_1792/84>, abgerufen am 06.03.2021.