Was nicht zu der gewöhnlichen Vollkommenheit seines Glei- chen gelanget, und zu den ge- wöhnlichen Würckungen sei- nes Gleichen kommet, dasselbe erreichet den Endzweck des Schöpfers nicht.
Viele Dinge, z. E. manches Ey, die Geburths-Glieder von Menschen und Thieren, so jung umkommen, gelangen nicht zu der Vollkommenheit und zu den gewöhnlichen Würckungen ihres Gleichen;
Derowegen erreichen viele Dinge den Endzweck ihres Schöp- fers nicht.
Der erste Satz hat wieder einen neuen Beweiß nöthig. Wer ist aber im Stan- de, selbigen zu geben? Es muß bewiesen werden, daß der Schöpfer bey allen Din- gen, die in der ersten Unvollkommenheit bleiben und umkommen, die Absicht geheget, die er bey denen hat, die zu einer grössern Vollkommenheit gelangen? Wie? wenn diese Dinge nur Hülfs-Mittel wären, die andern, bey welchen eine weitere Absicht
errei-
Jacobi Betr. 2. Band. S
Was nicht zu der gewoͤhnlichen Vollkommenheit ſeines Glei- chen gelanget, und zu den ge- woͤhnlichen Wuͤrckungen ſei- nes Gleichen kommet, daſſelbe erreichet den Endzweck des Schoͤpfers nicht.
Viele Dinge, z. E. manches Ey, die Geburths-Glieder von Menſchen und Thieren, ſo jung umkommen, gelangen nicht zu der Vollkommenheit und zu den gewoͤhnlichen Wuͤrckungen ihres Gleichen;
Derowegen erreichen viele Dinge den Endzweck ihres Schoͤp- fers nicht.
Der erſte Satz hat wieder einen neuen Beweiß noͤthig. Wer iſt aber im Stan- de, ſelbigen zu geben? Es muß bewieſen werden, daß der Schoͤpfer bey allen Din- gen, die in der erſten Unvollkommenheit bleiben und umkommen, die Abſicht geheget, die er bey denen hat, die zu einer groͤſſern Vollkommenheit gelangen? Wie? wenn dieſe Dinge nur Huͤlfs-Mittel waͤren, die andern, bey welchen eine weitere Abſicht
errei-
Jacobi Betr. 2. Band. S
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><pbfacs="#f0291"n="273"/><milestonerendition="#hr"unit="section"/><lb/><list><item><hirendition="#fr">Was nicht zu der gewoͤhnlichen<lb/>
Vollkommenheit ſeines Glei-<lb/>
chen gelanget, und zu den ge-<lb/>
woͤhnlichen Wuͤrckungen ſei-<lb/>
nes Gleichen kommet, daſſelbe<lb/>
erreichet den Endzweck des<lb/>
Schoͤpfers nicht.</hi></item><lb/><item><hirendition="#fr">Viele Dinge, z. E. manches Ey,<lb/>
die Geburths-Glieder von<lb/>
Menſchen und Thieren, ſo jung<lb/>
umkommen, gelangen nicht zu<lb/>
der Vollkommenheit und zu<lb/>
den gewoͤhnlichen Wuͤrckungen<lb/>
ihres Gleichen;</hi></item><lb/><item><hirendition="#fr">Derowegen erreichen viele Dinge<lb/>
den Endzweck ihres Schoͤp-<lb/>
fers nicht.</hi></item></list><lb/><p>Der erſte Satz hat wieder einen neuen<lb/>
Beweiß noͤthig. Wer iſt aber im Stan-<lb/>
de, ſelbigen zu geben? Es muß bewieſen<lb/>
werden, daß der Schoͤpfer bey allen Din-<lb/>
gen, die in der erſten Unvollkommenheit<lb/>
bleiben und umkommen, die Abſicht geheget,<lb/>
die er bey denen hat, die zu einer groͤſſern<lb/>
Vollkommenheit gelangen? Wie? wenn<lb/>
dieſe Dinge nur Huͤlfs-Mittel waͤren, die<lb/>
andern, bey welchen eine weitere Abſicht<lb/><fwplace="bottom"type="sig">Jacobi Betr. 2. Band. S</fw><fwplace="bottom"type="catch">errei-</fw><lb/></p></div></div></body></text></TEI>
[273/0291]
Was nicht zu der gewoͤhnlichen
Vollkommenheit ſeines Glei-
chen gelanget, und zu den ge-
woͤhnlichen Wuͤrckungen ſei-
nes Gleichen kommet, daſſelbe
erreichet den Endzweck des
Schoͤpfers nicht.
Viele Dinge, z. E. manches Ey,
die Geburths-Glieder von
Menſchen und Thieren, ſo jung
umkommen, gelangen nicht zu
der Vollkommenheit und zu
den gewoͤhnlichen Wuͤrckungen
ihres Gleichen;
Derowegen erreichen viele Dinge
den Endzweck ihres Schoͤp-
fers nicht.
Der erſte Satz hat wieder einen neuen
Beweiß noͤthig. Wer iſt aber im Stan-
de, ſelbigen zu geben? Es muß bewieſen
werden, daß der Schoͤpfer bey allen Din-
gen, die in der erſten Unvollkommenheit
bleiben und umkommen, die Abſicht geheget,
die er bey denen hat, die zu einer groͤſſern
Vollkommenheit gelangen? Wie? wenn
dieſe Dinge nur Huͤlfs-Mittel waͤren, die
andern, bey welchen eine weitere Abſicht
errei-
Jacobi Betr. 2. Band. S
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Jacobi, Johann Friedrich: Betrachtungen über die Weisen Absichten Gottes, bey denen Dingen, die wir in der menschlichen Gesellschaft und der Offenbahrung antreffen. Bd. 2. Göttingen, 1745, S. 273. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_betrachtungen02_1745/291>, abgerufen am 25.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.