viel Schmerz und Freude aus. Diese hab' ich über Ihr h. Herz und[225] über seine schönen Früchte, die aus den Blüten der Phantasie vor- schimmern. -- Nichts giebt Glük oder Unglük als das Herz, das eigne oder fremde, meistens beide. -- Wie gern nähm' ich, liebe Seele, alle deine Wunden in die meinige! Die Liebe wohnt ja näher am Gottes-5 acker als am Freudensalon. -- Ich wolte Ihnen nur einen grünern Pfad anzeigen, der nicht immer in Grüfte hinab und auf Gräber hinaufgeht. Auch könt' ich nie über das Dasein Ihrer Freundschaft (obwohl über den Grad derselben) irren. -- Sagte mir das das Schiksal gewis voraus, ich würde dich und mich nicht länger quälen,10 sondern Abschied nehmen und auf immer schweigen und das weinende Auge wenn ich könte auch von dem Bild in mir wegziehen. O wie tief greift dieser harte Gedanke schon jezt in mein Herz!
283. An Böttiger.
[Weimar, etwa 20. Juni 1799]15
Hier haben Sie meine Aussaat auf dem ehrwürdigen Grabe der Corday. Ich errieth anfangs nicht, mit welchem Entzücken ich ihre blasse Gestalt wieder vorrufen würde. -- Ich halte mein Wort mit dem Tage; ich weis aber nicht, adressier' ich das Paquet an Vieweg den ältern oder jüngern. Ich schreibe nicht: gute Nacht! weil ich20 nicht weis, ob ich es heute nicht noch sage.
284. An Böttiger.
[Weimar, etwa 20. Juni 1799]
Ich dank' Ihnen recht herzlich; auch für den gegründeten Asteriscus. Um 1 Uhr wil ich alles schicken und schreiben. Hier haben Sie das an25 die Fürstinnen; der Anfang bezieht sich auf den närrischen Zufal, daß ich einmal ein Souper bei Hofe im eigentlichen Sin verschlief.
285. An Böttiger.
[Weimar, etwa 20. Juni 1799]
Das Papierherz hab' ich weggethan. -- Weil Sie es gütig so30 wollen, so übergeb' ichs Ihrer Spedizion. 8 Ld'or verlang' ich, welches[226] hoff' ich da ich 5 für den Titansbogen bekomme, den ich mit geringerer Mühe in dieser Zeit hätte triplieren können als mit der ich diese beiden
viel Schmerz und Freude aus. Dieſe hab’ ich über Ihr h. Herz und[225] über ſeine ſchönen Früchte, die aus den Blüten der Phantaſie vor- ſchimmern. — Nichts giebt Glük oder Unglük als das Herz, das eigne oder fremde, meiſtens beide. — Wie gern nähm’ ich, liebe Seele, alle deine Wunden in die meinige! Die Liebe wohnt ja näher am Gottes-5 acker als am Freudenſalon. — Ich wolte Ihnen nur einen grünern Pfad anzeigen, der nicht immer in Grüfte hinab und auf Gräber hinaufgeht. Auch könt’ ich nie über das Daſein Ihrer Freundſchaft (obwohl über den Grad derſelben) irren. — Sagte mir das das Schikſal gewis voraus, ich würde dich und mich nicht länger quälen,10 ſondern Abſchied nehmen und auf immer ſchweigen und das weinende Auge wenn ich könte auch von dem Bild in mir wegziehen. O wie tief greift dieſer harte Gedanke ſchon jezt in mein Herz!
283. An Böttiger.
[Weimar, etwa 20. Juni 1799]15
Hier haben Sie meine Ausſaat auf dem ehrwürdigen Grabe der Corday. Ich errieth anfangs nicht, mit welchem Entzücken ich ihre blaſſe Geſtalt wieder vorrufen würde. — Ich halte mein Wort mit dem Tage; ich weis aber nicht, adreſſier’ ich das Paquet an Vieweg den ältern oder jüngern. Ich ſchreibe nicht: gute Nacht! weil ich20 nicht weis, ob ich es heute nicht noch ſage.
284. An Böttiger.
[Weimar, etwa 20. Juni 1799]
Ich dank’ Ihnen recht herzlich; auch für den gegründeten Asteriscus. Um 1 Uhr wil ich alles ſchicken und ſchreiben. Hier haben Sie das an25 die Fürſtinnen; der Anfang bezieht ſich auf den närriſchen Zufal, daß ich einmal ein Souper bei Hofe im eigentlichen Sin verſchlief.
285. An Böttiger.
[Weimar, etwa 20. Juni 1799]
Das Papierherz hab’ ich weggethan. — Weil Sie es gütig ſo30 wollen, ſo übergeb’ ichs Ihrer Spedizion. 8 Ld’or verlang’ ich, welches[226] hoff’ ich da ich 5 für den Titansbogen bekomme, den ich mit geringerer Mühe in dieſer Zeit hätte triplieren können als mit der ich dieſe beiden
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viel Schmerz und Freude aus. Dieſe hab’ ich über Ihr h. Herz und
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oder fremde, meiſtens beide. — Wie gern nähm’ ich, liebe Seele, alle
deine Wunden in die meinige! Die Liebe wohnt ja näher am Gottes- 5
acker als am Freudenſalon. — Ich wolte Ihnen nur einen grünern
Pfad anzeigen, der nicht immer in Grüfte hinab und auf Gräber
hinaufgeht. Auch könt’ ich nie über das Daſein Ihrer Freundſchaft
(obwohl über den Grad derſelben) irren. — Sagte mir das das
Schikſal gewis voraus, ich würde dich und mich nicht länger quälen, 10
ſondern Abſchied nehmen und auf immer ſchweigen und das weinende
Auge wenn ich könte auch von dem Bild in mir wegziehen. O wie
tief greift dieſer harte Gedanke ſchon jezt in mein Herz!
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283. An Böttiger.
[Weimar, etwa 20. Juni 1799] 15
Hier haben Sie meine Ausſaat auf dem ehrwürdigen Grabe der
Corday. Ich errieth anfangs nicht, mit welchem Entzücken ich ihre
blaſſe Geſtalt wieder vorrufen würde. — Ich halte mein Wort mit
dem Tage; ich weis aber nicht, adreſſier’ ich das Paquet an Vieweg
den ältern oder jüngern. Ich ſchreibe nicht: gute Nacht! weil ich 20
nicht weis, ob ich es heute nicht noch ſage.
284. An Böttiger.
[Weimar, etwa 20. Juni 1799]
Ich dank’ Ihnen recht herzlich; auch für den gegründeten Asteriscus.
Um 1 Uhr wil ich alles ſchicken und ſchreiben. Hier haben Sie das an 25
die Fürſtinnen; der Anfang bezieht ſich auf den närriſchen Zufal, daß
ich einmal ein Souper bei Hofe im eigentlichen Sin verſchlief.
285. An Böttiger.
[Weimar, etwa 20. Juni 1799]
Das Papierherz hab’ ich weggethan. — Weil Sie es gütig ſo 30
wollen, ſo übergeb’ ichs Ihrer Spedizion. 8 Ld’or verlang’ ich, welches
hoff’ ich da ich 5 für den Titansbogen bekomme, den ich mit geringerer
Mühe in dieſer Zeit hätte triplieren können als mit der ich dieſe beiden
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
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Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription.
(2016-11-22T15:05:42Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2016-11-22T15:05:42Z)
Weitere Informationen:
Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).
Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 3. Berlin, 1959, S. 205. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe03_1959/220>, abgerufen am 25.09.2024.
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