giebt z. B. Friedrich II) und besonders für die empfindet, welche mit glühendem Stempel ihre Bilder der Aussen-Welt aufprägt. -- Vor- gestern bekam ich Ihre Briefgen. Ich dankte Gott, daß Thieriot nicht auf der Donau ersoffen war. Er sei mit alter und ältester Liebe ge- grüsset; ich versprech' ihm, nächstens einen Brief zu versprechen. --5 Meine ästhetischen Untersuchungen sind schon 25 Drukbogen stark. -- Den Brief der Helmina v. Klenke oder Hastfehr und d[en] Herder- schen erbitte samt sehr alten Ladenhütern baldigst zurük, z. B. Meu- sels Rechnung besonders. -- Die Grosfürstin zieht wirklich nach Fantaisie ein wenig. Auch hätt' ich vorher durch Sie den Kastellan10 befragen müssen, ob es das Getäfel leidet, wenn Emma darauf pisset, oder obs so viel ist, als wenn der Vater auf der Strasse die Polizei anlokt. -- Was macht jezt mein Balbier-Bruder in Bayreuth für Sensazion? Ich hoffe auf dem Kin die kleinste. Ich bin ein ordentlicher Kindernar geworden und finde die Rolle einer Kindermagd blos lieb-15 lich. Aber wie in Ehen über Erziehen gezankt wird, davon haben Sie keinen Begrif, sondern ich. Max sticht in feiner Haut, Grazien- und philanthropischem Lächeln und Gesichts-Adel die Emma aus, auch in Ruhe und Kraft -- kurz es ist ein Man, nämlich ein Mängen. -- Den[316] Verf. der Beilage 17 kenn ich nicht. -- Nächstens send' ich Ihnen20 meine Aequinokzial-Beobachtungen auf das Semester. So weit ich heute bin, geht das Wetter an; nämlich vom 28 März bis 18 April wirds ganz hel, blau, schön, Nächte kalt, 19--22 gestreift, Nächte wärmer, es neigt sich zum folgenden Wetter -- dan vom 23 bis Ende und bis 12 Mai regnerisch. Den 13ten könt' ich erst heute nach 8 Uhr25 weissagen. Ich kan Ihnen nicht beschreiben, wie mich die Bestimtheit erfreuet, womit ich jezt von Monat in Monat hinaussehe, und wärs auch nur, um mich darnach zu richten.
Noch steht das hiesige politische Gewitter fest und stil, ohne Wetterscheide und Ableiter.30
Leben Sie wohl und sorgen Sie ein wenig mehr für Ihre Freude, an die Sie oft gar nicht denken vor fremder.
R.
Der Erbprinz sol eine Art 2ter Minister werden und der 1 bleiben; der jezt dem Stadtrathe unendlich viel nachgiebt, cunctando devic-35 turus.
giebt z. B. Friedrich II) und beſonders für die empfindet, welche mit glühendem Stempel ihre Bilder der Auſſen-Welt aufprägt. — Vor- geſtern bekam ich Ihre Briefgen. Ich dankte Gott, daß Thieriot nicht auf der Donau erſoffen war. Er ſei mit alter und älteſter Liebe ge- grüſſet; ich verſprech’ ihm, nächſtens einen Brief zu verſprechen. —5 Meine äſthetiſchen Unterſuchungen ſind ſchon 25 Drukbogen ſtark. — Den Brief der Helmina v. Klenke oder Hastfehr und d[en] Herder- schen erbitte ſamt ſehr alten Ladenhütern baldigſt zurük, z. B. Meu- sels Rechnung beſonders. — Die Grosfürſtin zieht wirklich nach Fantaisie ein wenig. Auch hätt’ ich vorher durch Sie den Kaſtellan10 befragen müſſen, ob es das Getäfel leidet, wenn Emma darauf piſſet, oder obs ſo viel iſt, als wenn der Vater auf der Straſſe die Polizei anlokt. — Was macht jezt mein Balbier-Bruder in Bayreuth für Senſazion? Ich hoffe auf dem Kin die kleinſte. Ich bin ein ordentlicher Kindernar geworden und finde die Rolle einer Kindermagd blos lieb-15 lich. Aber wie in Ehen über Erziehen gezankt wird, davon haben Sie keinen Begrif, ſondern ich. Max ſticht in feiner Haut, Grazien- und philanthropiſchem Lächeln und Geſichts-Adel die Emma aus, auch in Ruhe und Kraft — kurz es iſt ein Man, nämlich ein Mängen. — Den[316] Verf. der Beilage 17 kenn ich nicht. — Nächſtens ſend’ ich Ihnen20 meine Aequinokzial-Beobachtungen auf das Semeſter. So weit ich heute bin, geht das Wetter an; nämlich vom 28 März bis 18 April wirds ganz hel, blau, ſchön, Nächte kalt, 19—22 geſtreift, Nächte wärmer, es neigt ſich zum folgenden Wetter — dan vom 23 bis Ende und bis 12 Mai regneriſch. Den 13ten könt’ ich erſt heute nach 8 Uhr25 weiſſagen. Ich kan Ihnen nicht beſchreiben, wie mich die Beſtimtheit erfreuet, womit ich jezt von Monat in Monat hinausſehe, und wärs auch nur, um mich darnach zu richten.
Noch ſteht das hieſige politiſche Gewitter feſt und ſtil, ohne Wetterſcheide und Ableiter.30
Leben Sie wohl und ſorgen Sie ein wenig mehr für Ihre Freude, an die Sie oft gar nicht denken vor fremder.
R.
Der Erbprinz ſol eine Art 2ter Miniſter werden und der 1 bleiben; der jezt dem Stadtrathe unendlich viel nachgiebt, cunctando devic-35 turus.
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giebt z. B. Friedrich II) und beſonders für die empfindet, welche mit
glühendem Stempel ihre Bilder der Auſſen-Welt aufprägt. — Vor-
geſtern bekam ich Ihre Briefgen. Ich dankte Gott, daß Thieriot nicht
auf der Donau erſoffen war. Er ſei mit alter und älteſter Liebe ge-
grüſſet; ich verſprech’ ihm, nächſtens einen Brief zu verſprechen. — 5
Meine äſthetiſchen Unterſuchungen ſind ſchon 25 Drukbogen ſtark. —
Den Brief der Helmina v. Klenke oder Hastfehr und d[en] Herder-
schen erbitte ſamt ſehr alten Ladenhütern baldigſt zurük, z. B. Meu-
sels Rechnung beſonders. — Die Grosfürſtin zieht wirklich nach
Fantaisie ein wenig. Auch hätt’ ich vorher durch Sie den Kaſtellan 10
befragen müſſen, ob es das Getäfel leidet, wenn Emma darauf piſſet,
oder obs ſo viel iſt, als wenn der Vater auf der Straſſe die Polizei
anlokt. — Was macht jezt mein Balbier-Bruder in Bayreuth für
Senſazion? Ich hoffe auf dem Kin die kleinſte. Ich bin ein ordentlicher
Kindernar geworden und finde die Rolle einer Kindermagd blos lieb- 15
lich. Aber wie in Ehen über Erziehen gezankt wird, davon haben Sie
keinen Begrif, ſondern ich. Max ſticht in feiner Haut, Grazien- und
philanthropiſchem Lächeln und Geſichts-Adel die Emma aus, auch in
Ruhe und Kraft — kurz es iſt ein Man, nämlich ein Mängen. — Den
Verf. der Beilage 17 kenn ich nicht. — Nächſtens ſend’ ich Ihnen 20
meine Aequinokzial-Beobachtungen auf das Semeſter. So weit ich
heute bin, geht das Wetter an; nämlich vom 28 März bis 18 April
wirds ganz hel, blau, ſchön, Nächte kalt, 19—22 geſtreift, Nächte
wärmer, es neigt ſich zum folgenden Wetter — dan vom 23 bis Ende
und bis 12 Mai regneriſch. Den 13ten könt’ ich erſt heute nach 8 Uhr 25
weiſſagen. Ich kan Ihnen nicht beſchreiben, wie mich die Beſtimtheit
erfreuet, womit ich jezt von Monat in Monat hinausſehe, und wärs
auch nur, um mich darnach zu richten.
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Noch ſteht das hieſige politiſche Gewitter feſt und ſtil, ohne
Wetterſcheide und Ableiter. 30
Leben Sie wohl und ſorgen Sie ein wenig mehr für Ihre Freude,
an die Sie oft gar nicht denken vor fremder.
R.
Der Erbprinz ſol eine Art 2ter Miniſter werden und der 1 bleiben;
der jezt dem Stadtrathe unendlich viel nachgiebt, cunctando devic- 35
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
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Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription.
(2016-11-22T15:08:29Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2016-11-22T15:08:29Z)
Weitere Informationen:
Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).
Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 4. Berlin, 1960, S. 283. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe04_1960/295>, abgerufen am 26.09.2024.
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