Mir sind nur 3 Werke von Ihnen bekannt -- über Reformazion, Universitäten, Lübek --; in diesen erquickt den Leser neben dem hellen, freien, vielsichtigen Geiste noch besonders das Herz, das warm schlägt und warm das fremde Eis zerstört.
Eine besondere Veranlassung dieses Briefs -- ohne welche ich5 Sie nicht mit meiner Vertraulichkeit, weder von Ihrer noch von meiner Seite, hier so plötzlich durch einen Briefträger überfallen durfte -- war eine Stelle von Ihnen im Conservateur. Wiewol Sie mich darin mit 3 Helden vergleichen, und folglich mich um Drei-Drittel zu viel loben: so gefällt mir Ihr Lob doch recht sehr;10 Ihre Nazion rechnet ohnehin mehr als Zwei-Drittel ab; folglich wird einige Wahrheit durch Sie zu ihr gelangen. -- Gebe Ihnen der Himmel die Zeit, Ihr Versprechen zu erfüllen, mich den tapfern Franzosen (die wir Deutsche mehr achten als man aussagt) be- kannt zu machen! -- Sie gehören in die deutsche Geschichte, und15 hätten Sie nichts geschrieben als die Reformazion und Lübeks Einnahme.
Jean Paul Fr. Richter
618. An Emanuel.
[Bayreuth, 27. Dez. 1808]
Guten Morgen, mein Emanuel! Es wundert mich die Hofman-20 nische Bekehrung und Einsicht. Aber anno 1800 oder gar 1809 ist sich über nichts mehr zu verwundern, sogar über das Gute nicht.
R.
619. An Emanuel.
[Bayreuth, 28. Dez. 1808]
Guten Morgen, bester Neujahrs Gratulant! Denn etwas Besseres25 gibts nicht am dunkelbehangnen Thore des Jahrs. Ich verschreibe mir das lateinische Buch sogleich. -- Evas Briefe an Sie sind wunderschön, obwol schmerzlich.
N. S. Nur Eine Schwierigkeit ist zu wissen, daß der, mit welchemprobiert wird, rein gesund sei.30
620. An Vieweg.
[Kopie]
[Bayreuth, 31. Dez. 1808]
Summa 238 rtl. säch[sisch] am 16 Jenner zahlbar -- ohne auf Nachsicht Rücksicht zu nehmen -- Ld. 36 --
Mir ſind nur 3 Werke von Ihnen bekannt — über Reformazion, Univerſitäten, Lübek —; in dieſen erquickt den Leſer neben dem hellen, freien, vielſichtigen Geiſte noch beſonders das Herz, das warm ſchlägt und warm das fremde Eis zerſtört.
Eine beſondere Veranlaſſung dieſes Briefs — ohne welche ich5 Sie nicht mit meiner Vertraulichkeit, weder von Ihrer noch von meiner Seite, hier ſo plötzlich durch einen Briefträger überfallen durfte — war eine Stelle von Ihnen im Conservateur. Wiewol Sie mich darin mit 3 Helden vergleichen, und folglich mich um Drei-Drittel zu viel loben: ſo gefällt mir Ihr Lob doch recht ſehr;10 Ihre Nazion rechnet ohnehin mehr als Zwei-Drittel ab; folglich wird einige Wahrheit durch Sie zu ihr gelangen. — Gebe Ihnen der Himmel die Zeit, Ihr Verſprechen zu erfüllen, mich den tapfern Franzoſen (die wir Deutſche mehr achten als man ausſagt) be- kannt zu machen! — Sie gehören in die deutſche Geſchichte, und15 hätten Sie nichts geſchrieben als die Reformazion und Lübeks Einnahme.
Jean Paul Fr. Richter
618. An Emanuel.
[Bayreuth, 27. Dez. 1808]
Guten Morgen, mein Emanuel! Es wundert mich die Hofman-20 niſche Bekehrung und Einſicht. Aber anno 1800 oder gar 1809 iſt ſich über nichts mehr zu verwundern, ſogar über das Gute nicht.
R.
619. An Emanuel.
[Bayreuth, 28. Dez. 1808]
Guten Morgen, beſter Neujahrs Gratulant! Denn etwas Beſſeres25 gibts nicht am dunkelbehangnen Thore des Jahrs. Ich verſchreibe mir das lateiniſche Buch ſogleich. — Evas Briefe an Sie ſind wunderſchön, obwol ſchmerzlich.
N. S. Nur Eine Schwierigkeit iſt zu wiſſen, daß der, mit welchemprobiert wird, rein geſund ſei.30
620. An Vieweg.
[Kopie]
[Bayreuth, 31. Dez. 1808]
Summa 238 rtl. ſäch[ſiſch] am 16 Jenner zahlbar — ohne auf Nachſicht Rückſicht zu nehmen — Ld. 36 —
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und warm das fremde Eis zerſtört.
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Sie nicht mit meiner Vertraulichkeit, weder von Ihrer noch von
meiner Seite, hier ſo plötzlich durch einen Briefträger überfallen
durfte — war eine Stelle von Ihnen im Conservateur. Wiewol
Sie mich darin mit 3 Helden vergleichen, und folglich mich um
Drei-Drittel zu viel loben: ſo gefällt mir Ihr Lob doch recht ſehr; 10
Ihre Nazion rechnet ohnehin mehr als Zwei-Drittel ab; folglich
wird einige Wahrheit durch Sie zu ihr gelangen. — Gebe Ihnen der
Himmel die Zeit, Ihr Verſprechen zu erfüllen, mich den tapfern
Franzoſen (die wir Deutſche mehr achten als man ausſagt) be-
kannt zu machen! — Sie gehören in die deutſche Geſchichte, und 15
hätten Sie nichts geſchrieben als die Reformazion und Lübeks
Einnahme.
Jean Paul Fr. Richter
618. An Emanuel.
[Bayreuth, 27. Dez. 1808]
Guten Morgen, mein Emanuel! Es wundert mich die Hofman- 20
niſche Bekehrung und Einſicht. Aber anno 1800 oder gar 1809 iſt ſich
über nichts mehr zu verwundern, ſogar über das Gute nicht.
R.
619. An Emanuel.
[Bayreuth, 28. Dez. 1808]
Guten Morgen, beſter Neujahrs Gratulant! Denn etwas Beſſeres 25
gibts nicht am dunkelbehangnen Thore des Jahrs. Ich verſchreibe
mir das lateiniſche Buch ſogleich. — Evas Briefe an Sie ſind
wunderſchön, obwol ſchmerzlich.
N. S. Nur Eine Schwierigkeit iſt zu wiſſen, daß der, mit welchemprobiert wird, rein geſund ſei. 30
620. An Vieweg.
[Kopie][Bayreuth, 31. Dez. 1808]
Summa 238 rtl. ſäch[ſiſch] am 16 Jenner zahlbar — ohne auf
Nachſicht Rückſicht zu nehmen — Ld. 36 —
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
Weitere Informationen …
Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription.
(2016-11-22T15:13:57Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2016-11-22T15:13:57Z)
Weitere Informationen:
Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).
Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 5. Berlin, 1961, S. 254. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe05_1961/271>, abgerufen am 23.09.2024.
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