Blumen -- und den übrigen lieben Wesen für das, was ich ihnen unter dem Tanze gestohlen. Du kannst sogar dieses Brief-Winkel- chen für die Freundlichen herausschneiden, wenn du Freude damit zu machen glaubst.
Dein am Sonnabend abgegangner Brief kam schon am Mittwoch5 an. -- Dem vortrefflichen Dittmar sage, daß ich die zweite Büste an ihn abzugehen hindere, weil ich sein eignes Abreisen fürchte und daß ich also auf seine nähern Worte warten lasse. -- Bemerke, jeder Gedankenstrich bedeutet in meinen Briefen einen Gedanken-Absprung. -- Vor den Paulus halte ihr monatliches Schweigen bei ein Paar10 Besuchen zusammen mit deinem Fortschreiben bei deinen Dekanaten, Professuren, Übersetzungen und 32 Kompaßbriefschreibereien und sage Sophien, es habe mir nicht sonderlich wol gethan, sondern vielmehr weh. Dem dienstfreundlichen Wilhelm bringe einen Gruß, den ich neulich vergessen. -- Meine Dioskuren-Herzen, Otto und15 Emanuel, lieben dich unendlich voraus, so wie meine Caroline, deren Handschrift sogar deiner ähnlicht. -- Stuttgart hol' ich im künftigen Frühling gewis ein, oder mich der Tod. -- Und so lebe denn wol, du ächter biederer Mensch!
Richter
20
332. In ein Stammbuch.
Wer auf jede Feder acht't, nie das Bette fertig macht.
Diese Zeilen mögen Sie erinnern
Baireut d. 1 Oct. 1817.
an Ihren Dr. Jean Paul Fr. Richter
25
333. An Emanuel.
[Bayreuth, 10. Okt. 1817]
Hier, mein Alter, die Scheine! Meinem bisherigen armen Leben von Dukaten helfen die Thaler recht schön ab. -- Könnten Sie doch [den] trefflichen General Krauseneck sehen! Leider wieder glückliche30 Reise!
Blumen — und den übrigen lieben Weſen für das, was ich ihnen unter dem Tanze geſtohlen. Du kannſt ſogar dieſes Brief-Winkel- chen für die Freundlichen herausſchneiden, wenn du Freude damit zu machen glaubſt.
Dein am Sonnabend abgegangner Brief kam ſchon am Mittwoch5 an. — Dem vortrefflichen Dittmar ſage, daß ich die zweite Büſte an ihn abzugehen hindere, weil ich ſein eignes Abreiſen fürchte und daß ich alſo auf ſeine nähern Worte warten laſſe. — Bemerke, jeder Gedankenſtrich bedeutet in meinen Briefen einen Gedanken-Abſprung. — Vor den Paulus halte ihr monatliches Schweigen bei ein Paar10 Beſuchen zuſammen mit deinem Fortſchreiben bei deinen Dekanaten, Profeſſuren, Überſetzungen und 32 Kompaßbriefſchreibereien und ſage Sophien, es habe mir nicht ſonderlich wol gethan, ſondern vielmehr weh. Dem dienſtfreundlichen Wilhelm bringe einen Gruß, den ich neulich vergeſſen. — Meine Dioſkuren-Herzen, Otto und15 Emanuel, lieben dich unendlich voraus, ſo wie meine Caroline, deren Handſchrift ſogar deiner ähnlicht. — Stuttgart hol’ ich im künftigen Frühling gewis ein, oder mich der Tod. — Und ſo lebe denn wol, du ächter biederer Menſch!
Richter
20
332. In ein Stammbuch.
Wer auf jede Feder acht’t, nie das Bette fertig macht.
Dieſe Zeilen mögen Sie erinnern
Baireut d. 1 Oct. 1817.
an Ihren Dr. Jean Paul Fr. Richter
25
333. An Emanuel.
[Bayreuth, 10. Okt. 1817]
Hier, mein Alter, die Scheine! Meinem bisherigen armen Leben von Dukaten helfen die Thaler recht ſchön ab. — Könnten Sie doch [den] trefflichen General Krauſeneck ſehen! Leider wieder glückliche30 Reiſe!
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Blumen — und den übrigen lieben Weſen für das, was ich ihnen
unter dem Tanze geſtohlen. Du kannſt ſogar dieſes Brief-Winkel-
chen für die Freundlichen herausſchneiden, wenn du Freude damit zu
machen glaubſt.
Dein am Sonnabend abgegangner Brief kam ſchon am Mittwoch 5
an. — Dem vortrefflichen Dittmar ſage, daß ich die zweite Büſte
an ihn abzugehen hindere, weil ich ſein eignes Abreiſen fürchte und
daß ich alſo auf ſeine nähern Worte warten laſſe. — Bemerke, jeder
Gedankenſtrich bedeutet in meinen Briefen einen Gedanken-Abſprung.
— Vor den Paulus halte ihr monatliches Schweigen bei ein Paar 10
Beſuchen zuſammen mit deinem Fortſchreiben bei deinen Dekanaten,
Profeſſuren, Überſetzungen und 32 Kompaßbriefſchreibereien und
ſage Sophien, es habe mir nicht ſonderlich wol gethan, ſondern
vielmehr weh. Dem dienſtfreundlichen Wilhelm bringe einen Gruß,
den ich neulich vergeſſen. — Meine Dioſkuren-Herzen, Otto und 15
Emanuel, lieben dich unendlich voraus, ſo wie meine Caroline,
deren Handſchrift ſogar deiner ähnlicht. — Stuttgart hol’ ich im
künftigen Frühling gewis ein, oder mich der Tod. — Und ſo lebe
denn wol, du ächter biederer Menſch!
Richter 20
332. In ein Stammbuch.
Wer auf jede Feder acht’t, nie das Bette fertig macht.
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Baireut d. 1 Oct. 1817.
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Dr. Jean Paul Fr. Richter 25
333. An Emanuel.
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
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Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription.
(2016-11-22T15:19:52Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2016-11-22T15:19:52Z)
Weitere Informationen:
Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).
Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 7. Berlin, 1954, S. 150. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe07_1954/157>, abgerufen am 23.09.2024.
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