Meine Geschäfte können mein Schweigen nicht ganz entschuldigen. Aber Schreiben wird schwer, wenn es der dürftige Ersatz oder Nach- hall so lebendiger Stunden sein soll, als ich bei Ihnen zu Wasser5 und zu Land durchlebt. Sie ziehen und ziehen an mir, bis sie mich endlich wieder zu dem so liebenden und geliebten Ehepaar werden hingezogen haben -- und darauf bis nach Bingen zu und zuletzt nach Koblenz hin. Hier folgen die Stammbuchblätter, auf denen ich nur schwach ein Paar Tropfen meines übervollen Herzens ausdrücken10 konnte. Möge mir der Himmel das Glück Ihres Wiedersehens gönnen, um Ihnen recht warm für das Glück des ersten Sehens zu danken. Es gehe Ihnen beiden wol! das heißt, Gott erhalte Sie lange neben und für einander!15
335. Ins Stammbuch der Präsidentin Jacobi.
[Kopie][Bayreuth, 13. Okt. 1817]
Ein Herz, das innig und edel liebt, läßt Gott nie verarmen. Wer hat mehr verloren und wer hat mehr gewonnen als die für welche in warmer Erinnerung frommer Stunden dieses schreibt20
J. P.
336. Ins Stammbuch des Präsidenten Jacobi.
[Kopie][Bayreuth, 13. Okt. 1817]
Der rechte Mann gibt wie Vesuv alles, Feuer und Schnee; Lava des Zorns und Thränenchristiwein der Liebe; Fruchtb[arkeit?]25 und Asche; und einen weiten Himmel zur Aussicht, und wenn die Erde bebt, kann er still bleiben und ausruhen.
Kräftiger Jacobi, erkennst du in diesem Bilde den Sohn deines Vaters? --
337. An Hofrat Jung in Mainz.30
[Kopie][Bayreuth, 13. Okt. 1817]
Zum Briefe meiner Frau schreibe [ich] Ihnen nur ein Nach- briefchen, wiewol eigentlich alle Schreiberei nur Postskriptschreiberei
334. An Präſident Jacobi in Mainz.
[Kopie][Bayreuth, 13. Okt. 1817]
Meine Geſchäfte können mein Schweigen nicht ganz entſchuldigen. Aber Schreiben wird ſchwer, wenn es der dürftige Erſatz oder Nach- hall ſo lebendiger Stunden ſein ſoll, als ich bei Ihnen zu Waſſer5 und zu Land durchlebt. Sie ziehen und ziehen an mir, bis ſie mich endlich wieder zu dem ſo liebenden und geliebten Ehepaar werden hingezogen haben — und darauf bis nach Bingen zu und zuletzt nach Koblenz hin. Hier folgen die Stammbuchblätter, auf denen ich nur ſchwach ein Paar Tropfen meines übervollen Herzens ausdrücken10 konnte. Möge mir der Himmel das Glück Ihres Wiederſehens gönnen, um Ihnen recht warm für das Glück des erſten Sehens zu danken. Es gehe Ihnen beiden wol! das heißt, Gott erhalte Sie lange neben und für einander!15
335. Ins Stammbuch der Präſidentin Jacobi.
[Kopie][Bayreuth, 13. Okt. 1817]
Ein Herz, das innig und edel liebt, läßt Gott nie verarmen. Wer hat mehr verloren und wer hat mehr gewonnen als die für welche in warmer Erinnerung frommer Stunden dieſes ſchreibt20
J. P.
336. Ins Stammbuch des Präſidenten Jacobi.
[Kopie][Bayreuth, 13. Okt. 1817]
Der rechte Mann gibt wie Veſuv alles, Feuer und Schnee; Lava des Zorns und Thränenchriſtiwein der Liebe; Fruchtb[arkeit?]25 und Aſche; und einen weiten Himmel zur Ausſicht, und wenn die Erde bebt, kann er ſtill bleiben und ausruhen.
Kräftiger Jacobi, erkennſt du in dieſem Bilde den Sohn deines Vaters? —
337. An Hofrat Jung in Mainz.30
[Kopie][Bayreuth, 13. Okt. 1817]
Zum Briefe meiner Frau ſchreibe [ich] Ihnen nur ein Nach- briefchen, wiewol eigentlich alle Schreiberei nur Poſtſkriptſchreiberei
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334. An Präſident Jacobi in Mainz.
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Meine Geſchäfte können mein Schweigen nicht ganz entſchuldigen.
Aber Schreiben wird ſchwer, wenn es der dürftige Erſatz oder Nach-
hall ſo lebendiger Stunden ſein ſoll, als ich bei Ihnen zu Waſſer 5
und zu Land durchlebt. Sie ziehen und ziehen an mir, bis ſie mich
endlich wieder zu dem ſo liebenden und geliebten Ehepaar werden
hingezogen haben — und darauf bis nach Bingen zu und zuletzt nach
Koblenz hin. Hier folgen die Stammbuchblätter, auf denen ich nur
ſchwach ein Paar Tropfen meines übervollen Herzens ausdrücken 10
konnte. Möge mir der Himmel das Glück Ihres Wiederſehens
gönnen, um Ihnen recht warm für das Glück des erſten Sehens zu
danken. Es gehe Ihnen beiden wol! das heißt, Gott erhalte Sie
lange neben und für einander! 15
335. Ins Stammbuch der Präſidentin Jacobi.
[Bayreuth, 13. Okt. 1817]
Ein Herz, das innig und edel liebt, läßt Gott nie verarmen. Wer
hat mehr verloren und wer hat mehr gewonnen als die
für welche in warmer Erinnerung
frommer Stunden dieſes ſchreibt 20
J. P.
336. Ins Stammbuch des Präſidenten Jacobi.
[Bayreuth, 13. Okt. 1817]
Der rechte Mann gibt wie Veſuv alles, Feuer und Schnee; Lava
des Zorns und Thränenchriſtiwein der Liebe; Fruchtb[arkeit?] 25
und Aſche; und einen weiten Himmel zur Ausſicht, und wenn die
Erde bebt, kann er ſtill bleiben und ausruhen.
Kräftiger Jacobi, erkennſt du in
dieſem Bilde den Sohn deines Vaters? —
337. An Hofrat Jung in Mainz. 30
[Bayreuth, 13. Okt. 1817]
Zum Briefe meiner Frau ſchreibe [ich] Ihnen nur ein Nach-
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
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Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription.
(2016-11-22T15:19:52Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2016-11-22T15:19:52Z)
Weitere Informationen:
Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).
Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 7. Berlin, 1954, S. 151. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe07_1954/158>, abgerufen am 23.09.2024.
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