Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Kant, Immanuel: Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels. Königsberg u. a., 1755.

Bild:
<< vorherige Seite


Vorrede.

Jch habe einen Vorwurf ge-
wählet, welcher sowol von
Seiten seiner innern Schwie-
rigkeit, als auch in Ansehung der Religion
einen grossen Theil der Leser gleich anfäng-
lich mit einem nachtheiligen Vorurtheile
einzunehmen vermögend ist. Das syste-
matische, welches die grossen Glieder der
Schöpfung in dem ganzen Umfange der
Unendlichkeit verbindet, zu entdecken, die
Bildung der Weltkörper selber und den
Ursprung ihrer Bewegungen aus dem er-
sten Zustande der Natur durch mechanische
Gesetze herzuleiten: solche Einsichten schei-
nen sehr weit die Kräfte der menschlichen
Vernunft zu überschreiten. Von der an-
dern Seite drohet die Religion mit einer
feyerlichen Anklage über die Verwegen-

heit,
a 5


Vorrede.

Jch habe einen Vorwurf ge-
waͤhlet, welcher ſowol von
Seiten ſeiner innern Schwie-
rigkeit, als auch in Anſehung der Religion
einen groſſen Theil der Leſer gleich anfaͤng-
lich mit einem nachtheiligen Vorurtheile
einzunehmen vermoͤgend iſt. Das ſyſte-
matiſche, welches die groſſen Glieder der
Schoͤpfung in dem ganzen Umfange der
Unendlichkeit verbindet, zu entdecken, die
Bildung der Weltkoͤrper ſelber und den
Urſprung ihrer Bewegungen aus dem er-
ſten Zuſtande der Natur durch mechaniſche
Geſetze herzuleiten: ſolche Einſichten ſchei-
nen ſehr weit die Kraͤfte der menſchlichen
Vernunft zu uͤberſchreiten. Von der an-
dern Seite drohet die Religion mit einer
feyerlichen Anklage uͤber die Verwegen-

heit,
a 5
<TEI>
  <text>
    <front>
      <pb facs="#f0013"/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Vorrede.</hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">J</hi>ch habe einen Vorwurf ge-<lb/>
wa&#x0364;hlet, welcher &#x017F;owol von<lb/>
Seiten &#x017F;einer innern Schwie-<lb/>
rigkeit, als auch in An&#x017F;ehung der Religion<lb/>
einen gro&#x017F;&#x017F;en Theil der Le&#x017F;er gleich anfa&#x0364;ng-<lb/>
lich mit einem nachtheiligen Vorurtheile<lb/>
einzunehmen vermo&#x0364;gend i&#x017F;t. Das &#x017F;y&#x017F;te-<lb/>
mati&#x017F;che, welches die gro&#x017F;&#x017F;en Glieder der<lb/>
Scho&#x0364;pfung in dem ganzen Umfange der<lb/>
Unendlichkeit verbindet, zu entdecken, die<lb/>
Bildung der Weltko&#x0364;rper &#x017F;elber und den<lb/>
Ur&#x017F;prung ihrer Bewegungen aus dem er-<lb/>
&#x017F;ten Zu&#x017F;tande der Natur durch mechani&#x017F;che<lb/>
Ge&#x017F;etze herzuleiten: &#x017F;olche Ein&#x017F;ichten &#x017F;chei-<lb/>
nen &#x017F;ehr weit die Kra&#x0364;fte der men&#x017F;chlichen<lb/>
Vernunft zu u&#x0364;ber&#x017F;chreiten. Von der an-<lb/>
dern Seite drohet die Religion mit einer<lb/>
feyerlichen Anklage u&#x0364;ber die Verwegen-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">a 5</fw><fw place="bottom" type="catch">heit,</fw><lb/></p>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[0013] Vorrede. Jch habe einen Vorwurf ge- waͤhlet, welcher ſowol von Seiten ſeiner innern Schwie- rigkeit, als auch in Anſehung der Religion einen groſſen Theil der Leſer gleich anfaͤng- lich mit einem nachtheiligen Vorurtheile einzunehmen vermoͤgend iſt. Das ſyſte- matiſche, welches die groſſen Glieder der Schoͤpfung in dem ganzen Umfange der Unendlichkeit verbindet, zu entdecken, die Bildung der Weltkoͤrper ſelber und den Urſprung ihrer Bewegungen aus dem er- ſten Zuſtande der Natur durch mechaniſche Geſetze herzuleiten: ſolche Einſichten ſchei- nen ſehr weit die Kraͤfte der menſchlichen Vernunft zu uͤberſchreiten. Von der an- dern Seite drohet die Religion mit einer feyerlichen Anklage uͤber die Verwegen- heit, a 5

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/kant_naturgeschichte_1755
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/kant_naturgeschichte_1755/13
Zitationshilfe: Kant, Immanuel: Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels. Königsberg u. a., 1755, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/kant_naturgeschichte_1755/13>, abgerufen am 29.11.2021.