Kepler, Johannes: Tertius interveniens. Franckfurt am Mäyn, 1610.XX. Anfangs möcht ich zwar mit den jenigen zweyen Stücken/ deren Feselius gesteht/ als nemlich mit der Sternen natürlichen Lauff vnd Liecht zufrieden seyn: doch also/ daß mir vergönnet sey/ dieselbige außzulegen vnd zu erweyttern. Dann wer mir das Liecht zugibet/ der hat mir auch deß Liechts Eygenschafft mit zugeben. Nun ist sein Eygenschafft anfänglich die Wärme/ hernach die vnterschiedliche Farben. Weil dann der Planeten vnd festen Sternen viel seynd/ so wirdt D. Feselius nicht in Abred seyn können/ daß auch jhrer Liechter Eygenschafften in quantitate et qualitate sehr vnterschiedlich seyen. Dann auch der H. Apostel Paulus/ da er die Herrligkeit deß zukünfftigen Lebens gegen der geringen Zierdt des gegenwärtigen vergleichen wil/ Exempels weiß eynführet/ daß ein Stern den andern vbertreffe an der Klarheit. Belangend Quantitatem, ist ein Stern grösser als der ander/ derhalben auch ein Liecht grösser/ vnd in Erwärmung der jrrdischen Cörper kräfftiger als das andere. Vnnd weil dem wunderbarlichen von der Sonnen zu vns herabfliesenden Liecht gebüret quantitas doch sine materia, vnd motus doch sine tempore, wie ich in Opticis erwiesen/ so folgt/ daß auch das Liecht von der Sonnen bey vns jetzt dünner vnd blöder/ bald gedüchter vnd densior werde: nach dem die Sonne höher vnd nidriger steiget. In gleichem/ so muß deß Saturni Liechtlein bey vns viel blöder seyn dann Martis, caeteris paribus, weil jener auch viel höher ist denn dieser. XXI. Vnd wie kein Stern an der Klarheit mit Sonn vnd Mond zu vergleichen/ ja alle miteinander nit das geringe Theil von deß Tagliechtes Klarheit vermögen/ so haben sie auch in erwärmung der natürlichen Dinge gleich so geringe Krafft: vnd folgt derohalben/ daß es bey Nacht/ vnd im Winter/ wann die Sonn nicht vorhanden/ oder nicht gesehen wirdt/ nicht warm/ sondern kalt seyn solle. Cr
XX. Anfangs möcht ich zwar mit den jenigen zweyen Stücken/ deren Feselius gesteht/ als nemlich mit der Sternen natürlichen Lauff vnd Liecht zufrieden seyn: doch also/ daß mir vergönnet sey/ dieselbige außzulegen vnd zu erweyttern. Dann wer mir das Liecht zugibet/ der hat mir auch deß Liechts Eygenschafft mit zugeben. Nun ist sein Eygenschafft anfänglich die Wärme/ hernach die vnterschiedliche Farben. Weil dann der Planeten vnd festen Sternen viel seynd/ so wirdt D. Feselius nicht in Abred seyn können/ daß auch jhrer Liechter Eygenschafften in quantitate et qualitate sehr vnterschiedlich seyen. Dann auch der H. Apostel Paulus/ da er die Herrligkeit deß zukünfftigen Lebens gegen der geringen Zierdt des gegenwärtigen vergleichen wil/ Exempels weiß eynführet/ daß ein Stern den andern vbertreffe an der Klarheit. Belangend Quantitatem, ist ein Stern grösser als der ander/ derhalben auch ein Liecht grösser/ vnd in Erwärmung der jrrdischen Cörper kräfftiger als das andere. Vnnd weil dem wunderbarlichen von der Sonnen zu vns herabfliesenden Liecht gebüret quantitas doch sine materia, vnd motus doch sine tempore, wie ich in Opticis erwiesen/ so folgt/ daß auch das Liecht von der Sonnen bey vns jetzt dünner vnd blöder/ bald gedüchter vnd densior werde: nach dem die Sonne höher vnd nidriger steiget. In gleichem/ so muß deß Saturni Liechtlein bey vns viel blöder seyn dann Martis, caeteris paribus, weil jener auch viel höher ist denn dieser. XXI. Vnd wie kein Stern an der Klarheit mit Sonn vnd Mond zu vergleichen/ ja alle miteinander nit das geringe Theil von deß Tagliechtes Klarheit vermögen/ so haben sie auch in erwärmung der natürlichen Dinge gleich so geringe Krafft: vnd folgt derohalben/ daß es bey Nacht/ vnd im Winter/ wann die Sonn nicht vorhanden/ oder nicht gesehen wirdt/ nicht warm/ sondern kalt seyn solle. Cr
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XX.
Anfangs möcht ich zwar mit den jenigen zweyen Stücken/ deren Feselius gesteht/ als nemlich mit der Sternen natürlichen Lauff vnd Liecht zufrieden seyn: doch also/ daß mir vergönnet sey/ dieselbige außzulegen vnd zu erweyttern.
Dann wer mir das Liecht zugibet/ der hat mir auch deß Liechts Eygenschafft mit zugeben. Nun ist sein Eygenschafft anfänglich die Wärme/ hernach die vnterschiedliche Farben.
Weil dann der Planeten vnd festen Sternen viel seynd/ so wirdt D. Feselius nicht in Abred seyn können/ daß auch jhrer Liechter Eygenschafften in quantitate et qualitate sehr vnterschiedlich seyen.
Dann auch der H. Apostel Paulus/ da er die Herrligkeit deß zukünfftigen Lebens gegen der geringen Zierdt des gegenwärtigen vergleichen wil/ Exempels weiß eynführet/ daß ein Stern den andern vbertreffe an der Klarheit.
Belangend Quantitatem, ist ein Stern grösser als der ander/ derhalben auch ein Liecht grösser/ vnd in Erwärmung der jrrdischen Cörper kräfftiger als das andere.
Vnnd weil dem wunderbarlichen von der Sonnen zu vns herabfliesenden Liecht gebüret quantitas doch sine materia, vnd motus doch sine tempore, wie ich in Opticis erwiesen/ so folgt/ daß auch das Liecht von der Sonnen bey vns jetzt dünner vnd blöder/ bald gedüchter vnd densior werde: nach dem die Sonne höher vnd nidriger steiget.
In gleichem/ so muß deß Saturni Liechtlein bey vns viel blöder seyn dann Martis, caeteris paribus, weil jener auch viel höher ist denn dieser.
XXI.
Vnd wie kein Stern an der Klarheit mit Sonn vnd Mond zu vergleichen/ ja alle miteinander nit das geringe Theil von deß Tagliechtes Klarheit vermögen/ so haben sie auch in erwärmung der natürlichen Dinge gleich so geringe Krafft: vnd folgt derohalben/ daß es bey Nacht/ vnd im Winter/ wann die Sonn nicht vorhanden/ oder nicht gesehen wirdt/ nicht warm/ sondern kalt seyn solle.
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| Zitationshilfe: | Kepler, Johannes: Tertius interveniens. Franckfurt am Mäyn, 1610, S. [Cr]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/keppler_tertius_1610/36>, abgerufen am 06.08.2024. |


