Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Klopstock, Friedrich Gottlieb]: Der Messias. Bd. 2. Halle, 1756.

Bild:
<< vorherige Seite


Der
Messias.
Neunter Gesang.


Jtzo kam Eloa zurück vom Throne des Richters.
Voll von tiefen Gedanken, u. langsamer schwebt' er des Tempels
Zinne vorüber, und trat in der Väter Versammlung und sagte:
Eh ich rede, betet mit mir! Jch will anbeten,
Eh ich rede! Da fielen sie all' aufs Angesicht nieder;
Beteten still den Unendlichen an. Mit eben der Stille
Standen sie auf. Eloa verstummte noch. Endlich redt' er.
O du, welchen Namen nicht nennen, Gedanken nicht denken,
Erster! ... Zu ihm erhub ich mich, wollte, von Antliz zu Antliz,
Sehn, der Weltgericht hält, den Unausgesönten im Dunkeln!
Jn der furchtbaren Herrlichkeit, Gott! Jch kam an die Sonnen;
Und die dämmerten! Kam zu des Himmels Pole; da rangen
Trübe


Der
Meſſias.
Neunter Geſang.


Jtzo kam Eloa zuruͤck vom Throne des Richters.
Voll von tiefẽ Gedankẽ, u. langſamer ſchwebt’ er des Tempels
Zinne voruͤber, und trat in der Vaͤter Verſam̃lung und ſagte:
Eh ich rede, betet mit mir! Jch will anbeten,
Eh ich rede! Da fielen ſie all’ aufs Angeſicht nieder;
Beteten ſtill den Unendlichen an. Mit eben der Stille
Standen ſie auf. Eloa verſtummte noch. Endlich redt’ er.
O du, welchen Namen nicht nennen, Gedanken nicht denken,
Erſter! … Zu ihm erhub ich mich, wollte, von Antliz zu Antliz,
Sehn, der Weltgericht haͤlt, den Unausgeſoͤnten im Dunkeln!
Jn der furchtbaren Herrlichkeit, Gott! Jch kam an die Sonnen;
Und die daͤmmerten! Kam zu des Himmels Pole; da rangen
Truͤbe
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0119" n="[91]"/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          <lg type="poem">
            <head> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#fr">Der<lb/><hi rendition="#g">Me&#x017F;&#x017F;ias.</hi><lb/>
Neunter Ge&#x017F;ang.</hi> </hi> </head><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
            <lg n="1">
              <l><hi rendition="#in">J</hi>tzo kam Eloa zuru&#x0364;ck vom Throne des Richters.</l><lb/>
              <l>Voll von tief&#x1EBD; Gedank&#x1EBD;, u. lang&#x017F;amer &#x017F;chwebt&#x2019; er des Tempels</l><lb/>
              <l>Zinne voru&#x0364;ber, und trat in der Va&#x0364;ter Ver&#x017F;am&#x0303;lung und &#x017F;agte:</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="2">
              <l>Eh ich rede, betet mit mir! Jch will anbeten,</l><lb/>
              <l>Eh ich rede! Da fielen &#x017F;ie all&#x2019; aufs Ange&#x017F;icht nieder;</l><lb/>
              <l>Beteten &#x017F;till den Unendlichen an. Mit eben der Stille</l><lb/>
              <l>Standen &#x017F;ie auf. Eloa ver&#x017F;tummte noch. Endlich redt&#x2019; er.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="3">
              <l>O du, welchen Namen nicht nennen, Gedanken nicht denken,</l><lb/>
              <l>Er&#x017F;ter! &#x2026; Zu ihm erhub ich mich, wollte, von Antliz zu Antliz,</l><lb/>
              <l>Sehn, der Weltgericht ha&#x0364;lt, den Unausge&#x017F;o&#x0364;nten im Dunkeln!</l><lb/>
              <l>Jn der furchtbaren Herrlichkeit, Gott! Jch kam an die Sonnen;</l><lb/>
              <l>Und die da&#x0364;mmerten! Kam zu des Himmels Pole; da rangen<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Tru&#x0364;be</fw><lb/></l>
            </lg>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[91]/0119] Der Meſſias. Neunter Geſang. Jtzo kam Eloa zuruͤck vom Throne des Richters. Voll von tiefẽ Gedankẽ, u. langſamer ſchwebt’ er des Tempels Zinne voruͤber, und trat in der Vaͤter Verſam̃lung und ſagte: Eh ich rede, betet mit mir! Jch will anbeten, Eh ich rede! Da fielen ſie all’ aufs Angeſicht nieder; Beteten ſtill den Unendlichen an. Mit eben der Stille Standen ſie auf. Eloa verſtummte noch. Endlich redt’ er. O du, welchen Namen nicht nennen, Gedanken nicht denken, Erſter! … Zu ihm erhub ich mich, wollte, von Antliz zu Antliz, Sehn, der Weltgericht haͤlt, den Unausgeſoͤnten im Dunkeln! Jn der furchtbaren Herrlichkeit, Gott! Jch kam an die Sonnen; Und die daͤmmerten! Kam zu des Himmels Pole; da rangen Truͤbe

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_messias02_1756
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_messias02_1756/119
Zitationshilfe: [Klopstock, Friedrich Gottlieb]: Der Messias. Bd. 2. Halle, 1756, S. [91]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_messias02_1756/119>, abgerufen am 21.09.2021.