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[Klopstock, Friedrich Gottlieb]: Der Messias. Bd. 2. Halle, 1756.

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Zehnter Gesang.

Christen, die aus den heiligen Chören der feyernden Brüder,
Wenn sie dazu der Wille des Angebeteten winkte,
Schnellgetödtet, ins höhere Chor der Vollendeten, giengen.

Phöbe verließ die Schranken, in die ihr Geschlecht sie einschloß.
Feurig, Gutes zu thun, und Seelen Gott zu gewinnen,
Weiht sie sich einer ganzen Gemeine: Zu lindern des Armen
Elend! zu helfen dem Kranken! den Sterbenden anfzurichten!
Liebevoll that sies, von wenigen Frommen gekannt, und von Engeln.
Jedem täuschenden Zweifel der falschen Weisheit entriß sich
Endlich Herodion; kam zu dem göttlichsten unter den Lehrern;
Und erkannte, daß der, nicht mehr durch Wunder erhaben,
Als durch Wahrheit, den Willen des ewigen Vaters der Wesen
Ganz, und rein, den sterblichen Söhnen der Todten eröfne!
Und daß, diesen wissen, und thun, zum Ewigen führe!
Wie viel krummen Wegen des dornichten Grübelns entklomm er,
Eh er zum Lichte, das ihn von Gott umleuchtet', emporflog!
Wie vergebens, wie ängstlich, wie tief in der Seele verwundet,
Sann er, eh er die Wagschal des menschlichen Wissens zu leicht fand;
Und, die furchtbare Schwere der andern Wagschal, erblickte!
Epaphras ward ein mächtiger Beter. Mit Paulo gewürdigt,
Um des Gekreuzigten willen, im Kerker des Wütrichs zu liegen,
Rang er für die Gemeinen im heissen Gebete. Der Segen
Seines Gebets ergoß sich vor Allen, auf die zu Colossen,
Seine Geliebten. Und war er bey ihnen, so wacht' er, und kämpfte,
Und ermüdete nicht. Gott lohnt's dem Treuen. Sie trugen
Früchte der Heiligung. Auch zu Laodicea erhielten
Epaphras brennender Eifer, und seine Gebete noch lange
Einige
J 3

Zehnter Geſang.

Chriſten, die aus den heiligen Choͤren der feyernden Bruͤder,
Wenn ſie dazu der Wille des Angebeteten winkte,
Schnellgetoͤdtet, ins hoͤhere Chor der Vollendeten, giengen.

Phoͤbe verließ die Schranken, in die ihr Geſchlecht ſie einſchloß.
Feurig, Gutes zu thun, und Seelen Gott zu gewinnen,
Weiht ſie ſich einer ganzen Gemeine: Zu lindern des Armen
Elend! zu helfen dem Kranken! den Sterbenden anfzurichten!
Liebevoll that ſies, von wenigen Frommen gekannt, und von Engeln.
Jedem taͤuſchenden Zweifel der falſchen Weisheit entriß ſich
Endlich Herodion; kam zu dem goͤttlichſten unter den Lehrern;
Und erkannte, daß der, nicht mehr durch Wunder erhaben,
Als durch Wahrheit, den Willen des ewigen Vaters der Weſen
Ganz, und rein, den ſterblichen Soͤhnen der Todten eroͤfne!
Und daß, dieſen wiſſen, und thun, zum Ewigen fuͤhre!
Wie viel krummen Wegen des dornichten Gruͤbelns entklomm er,
Eh er zum Lichte, das ihn von Gott umleuchtet’, emporflog!
Wie vergebens, wie aͤngſtlich, wie tief in der Seele verwundet,
Sann er, eh er die Wagſchal des menſchlichen Wiſſens zu leicht fand;
Und, die furchtbare Schwere der andern Wagſchal, erblickte!
Epaphras ward ein maͤchtiger Beter. Mit Paulo gewuͤrdigt,
Um des Gekreuzigten willen, im Kerker des Wuͤtrichs zu liegen,
Rang er fuͤr die Gemeinen im heiſſen Gebete. Der Segen
Seines Gebets ergoß ſich vor Allen, auf die zu Coloſſen,
Seine Geliebten. Und war er bey ihnen, ſo wacht’ er, und kaͤmpfte,
Und ermuͤdete nicht. Gott lohnt’s dem Treuen. Sie trugen
Fruͤchte der Heiligung. Auch zu Laodicea erhielten
Epaphras brennender Eifer, und ſeine Gebete noch lange
Einige
J 3
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[133/0163] Zehnter Geſang. Chriſten, die aus den heiligen Choͤren der feyernden Bruͤder, Wenn ſie dazu der Wille des Angebeteten winkte, Schnellgetoͤdtet, ins hoͤhere Chor der Vollendeten, giengen. Phoͤbe verließ die Schranken, in die ihr Geſchlecht ſie einſchloß. Feurig, Gutes zu thun, und Seelen Gott zu gewinnen, Weiht ſie ſich einer ganzen Gemeine: Zu lindern des Armen Elend! zu helfen dem Kranken! den Sterbenden anfzurichten! Liebevoll that ſies, von wenigen Frommen gekannt, und von Engeln. Jedem taͤuſchenden Zweifel der falſchen Weisheit entriß ſich Endlich Herodion; kam zu dem goͤttlichſten unter den Lehrern; Und erkannte, daß der, nicht mehr durch Wunder erhaben, Als durch Wahrheit, den Willen des ewigen Vaters der Weſen Ganz, und rein, den ſterblichen Soͤhnen der Todten eroͤfne! Und daß, dieſen wiſſen, und thun, zum Ewigen fuͤhre! Wie viel krummen Wegen des dornichten Gruͤbelns entklomm er, Eh er zum Lichte, das ihn von Gott umleuchtet’, emporflog! Wie vergebens, wie aͤngſtlich, wie tief in der Seele verwundet, Sann er, eh er die Wagſchal des menſchlichen Wiſſens zu leicht fand; Und, die furchtbare Schwere der andern Wagſchal, erblickte! Epaphras ward ein maͤchtiger Beter. Mit Paulo gewuͤrdigt, Um des Gekreuzigten willen, im Kerker des Wuͤtrichs zu liegen, Rang er fuͤr die Gemeinen im heiſſen Gebete. Der Segen Seines Gebets ergoß ſich vor Allen, auf die zu Coloſſen, Seine Geliebten. Und war er bey ihnen, ſo wacht’ er, und kaͤmpfte, Und ermuͤdete nicht. Gott lohnt’s dem Treuen. Sie trugen Fruͤchte der Heiligung. Auch zu Laodicea erhielten Epaphras brennender Eifer, und ſeine Gebete noch lange Einige J 3

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Zitationshilfe: [Klopstock, Friedrich Gottlieb]: Der Messias. Bd. 2. Halle, 1756, S. 133. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_messias02_1756/163>, abgerufen am 17.04.2021.