Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Klopstock, Friedrich Gottlieb]: Der Messias. Bd. 3. Halle, 1769.

Bild:
<< vorherige Seite
Elfter Gesang.
Also rief er, und weint', entflammt von Dank und von Wonne.
Jsak kam; und Abraham daucht's, als wäre der Jüngling
Einer der Seraphim! Also war mit dem festlichen Schimmer
Und mit der lächelnden Morgenröthe der Himmelsbewohner
Jsak geschmückt. Und Abraham rief: O sahst du mich werden,
Leuchtender Engel? Er ist für Adams Söhne gestorben!
Er hat meinem verwesten Gebein dieß Leben geboten!
Abraham! ... Vater! du glaubtest zu Gott, ich würd aus der Asche,
Hätte mich nun des prüfenden Altars Flamme geopfert,
Wieder erwachen. Jetzt bin ich erwacht! O bester der Väter,
Wunderbar ist des Versöhnenden Gnade! Sein heiliger Leichnam
Ruht noch am Kreuz, und wir erstehn zu dieser Entzückung!
Wie im Schlummer sank ich dahin, und himmlische Lüfte
Wehten um mich, und ich fand in hellen Wolken mich wieder.
Voller Entzückungen kamen Sara, und Bethuels Tochter
Zu den Geliebten. Auf sie, und gen Himmel, die Augen gerichtet
Standen der Vater, der Sohn, und fühlten die Auferstehung.
Lange standen sie sprachlos; allein in der innersten Seele
Glühten ewiger Dank, und werdende Jubelgesänge.
Jsrael trat in Triumphe daher! und Thränen voll Seele,
Dankende Thränen entstürzten dem Auge des Auferstandnen:
Halleluja dem Ueberwinder des Todes! dem Mittler
Zwischen dem Richter, und mir! du hast geblutet! du hast es
Alles vollendet! du hast aus des Todes Thal mich gerufen!
Und die Seraphim hielten sich nicht, und strömten ihr Loblied
Hin in den Wonnausruf des auferstandnen Gerechten:
Preis
Elfter Geſang.
Alſo rief er, und weint’, entflammt von Dank und von Wonne.
Jſak kam; und Abraham daucht’s, als waͤre der Juͤngling
Einer der Seraphim! Alſo war mit dem feſtlichen Schimmer
Und mit der laͤchelnden Morgenroͤthe der Himmelsbewohner
Jſak geſchmuͤckt. Und Abraham rief: O ſahſt du mich werden,
Leuchtender Engel? Er iſt fuͤr Adams Soͤhne geſtorben!
Er hat meinem verweſten Gebein dieß Leben geboten!
Abraham! … Vater! du glaubteſt zu Gott, ich wuͤrd aus der Aſche,
Haͤtte mich nun des pruͤfenden Altars Flamme geopfert,
Wieder erwachen. Jetzt bin ich erwacht! O beſter der Vaͤter,
Wunderbar iſt des Verſoͤhnenden Gnade! Sein heiliger Leichnam
Ruht noch am Kreuz, und wir erſtehn zu dieſer Entzuͤckung!
Wie im Schlummer ſank ich dahin, und himmliſche Luͤfte
Wehten um mich, und ich fand in hellen Wolken mich wieder.
Voller Entzuͤckungen kamen Sara, und Bethuels Tochter
Zu den Geliebten. Auf ſie, und gen Himmel, die Augen gerichtet
Standen der Vater, der Sohn, und fuͤhlten die Auferſtehung.
Lange ſtanden ſie ſprachlos; allein in der innerſten Seele
Gluͤhten ewiger Dank, und werdende Jubelgeſaͤnge.
Jſrael trat in Triumphe daher! und Thraͤnen voll Seele,
Dankende Thraͤnen entſtuͤrzten dem Auge des Auferſtandnen:
Halleluja dem Ueberwinder des Todes! dem Mittler
Zwiſchen dem Richter, und mir! du haſt geblutet! du haſt es
Alles vollendet! du haſt aus des Todes Thal mich gerufen!
Und die Seraphim hielten ſich nicht, und ſtroͤmten ihr Loblied
Hin in den Wonnausruf des auferſtandnen Gerechten:
Preis
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <lg type="poem">
          <pb facs="#f0031" n="15"/>
          <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Elfter Ge&#x017F;ang.</hi> </fw><lb/>
          <lg n="28">
            <l>Al&#x017F;o rief er, und weint&#x2019;, entflammt von Dank und von Wonne.</l><lb/>
            <l>J&#x017F;ak kam; und Abraham daucht&#x2019;s, als wa&#x0364;re der Ju&#x0364;ngling</l><lb/>
            <l>Einer der Seraphim! Al&#x017F;o war mit dem fe&#x017F;tlichen Schimmer</l><lb/>
            <l>Und mit der la&#x0364;chelnden Morgenro&#x0364;the der Himmelsbewohner</l><lb/>
            <l>J&#x017F;ak ge&#x017F;chmu&#x0364;ckt. Und Abraham rief: O &#x017F;ah&#x017F;t du mich werden,</l><lb/>
            <l>Leuchtender Engel? Er i&#x017F;t fu&#x0364;r Adams So&#x0364;hne ge&#x017F;torben!</l><lb/>
            <l>Er hat meinem verwe&#x017F;ten Gebein dieß Leben geboten!</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="29">
            <l>Abraham! &#x2026; Vater! du glaubte&#x017F;t zu Gott, ich wu&#x0364;rd aus der A&#x017F;che,</l><lb/>
            <l>Ha&#x0364;tte mich nun des pru&#x0364;fenden Altars Flamme geopfert,</l><lb/>
            <l>Wieder erwachen. Jetzt bin ich erwacht! O be&#x017F;ter der Va&#x0364;ter,</l><lb/>
            <l>Wunderbar i&#x017F;t des Ver&#x017F;o&#x0364;hnenden Gnade! Sein heiliger Leichnam</l><lb/>
            <l>Ruht noch am Kreuz, und wir er&#x017F;tehn zu die&#x017F;er Entzu&#x0364;ckung!</l><lb/>
            <l>Wie im Schlummer &#x017F;ank ich dahin, und himmli&#x017F;che Lu&#x0364;fte</l><lb/>
            <l>Wehten um mich, und ich fand in hellen Wolken mich wieder.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="30">
            <l>Voller Entzu&#x0364;ckungen kamen Sara, und Bethuels Tochter</l><lb/>
            <l>Zu den Geliebten. Auf &#x017F;ie, und gen Himmel, die Augen gerichtet</l><lb/>
            <l>Standen der Vater, der Sohn, und fu&#x0364;hlten die Aufer&#x017F;tehung.</l><lb/>
            <l>Lange &#x017F;tanden &#x017F;ie &#x017F;prachlos; allein in der inner&#x017F;ten Seele</l><lb/>
            <l>Glu&#x0364;hten ewiger Dank, und werdende Jubelge&#x017F;a&#x0364;nge.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="31">
            <l>J&#x017F;rael trat in Triumphe daher! und Thra&#x0364;nen voll Seele,</l><lb/>
            <l>Dankende Thra&#x0364;nen ent&#x017F;tu&#x0364;rzten dem Auge des Aufer&#x017F;tandnen:</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="32">
            <l>Halleluja dem Ueberwinder des Todes! dem Mittler</l><lb/>
            <l>Zwi&#x017F;chen dem Richter, und mir! du ha&#x017F;t geblutet! du ha&#x017F;t es</l><lb/>
            <l>Alles vollendet! du ha&#x017F;t aus des Todes Thal mich gerufen!</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="33">
            <l>Und die Seraphim hielten &#x017F;ich nicht, und &#x017F;tro&#x0364;mten ihr Loblied</l><lb/>
            <l>Hin in den Wonnausruf des aufer&#x017F;tandnen Gerechten:</l>
          </lg><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">Preis</fw><lb/>
        </lg>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[15/0031] Elfter Geſang. Alſo rief er, und weint’, entflammt von Dank und von Wonne. Jſak kam; und Abraham daucht’s, als waͤre der Juͤngling Einer der Seraphim! Alſo war mit dem feſtlichen Schimmer Und mit der laͤchelnden Morgenroͤthe der Himmelsbewohner Jſak geſchmuͤckt. Und Abraham rief: O ſahſt du mich werden, Leuchtender Engel? Er iſt fuͤr Adams Soͤhne geſtorben! Er hat meinem verweſten Gebein dieß Leben geboten! Abraham! … Vater! du glaubteſt zu Gott, ich wuͤrd aus der Aſche, Haͤtte mich nun des pruͤfenden Altars Flamme geopfert, Wieder erwachen. Jetzt bin ich erwacht! O beſter der Vaͤter, Wunderbar iſt des Verſoͤhnenden Gnade! Sein heiliger Leichnam Ruht noch am Kreuz, und wir erſtehn zu dieſer Entzuͤckung! Wie im Schlummer ſank ich dahin, und himmliſche Luͤfte Wehten um mich, und ich fand in hellen Wolken mich wieder. Voller Entzuͤckungen kamen Sara, und Bethuels Tochter Zu den Geliebten. Auf ſie, und gen Himmel, die Augen gerichtet Standen der Vater, der Sohn, und fuͤhlten die Auferſtehung. Lange ſtanden ſie ſprachlos; allein in der innerſten Seele Gluͤhten ewiger Dank, und werdende Jubelgeſaͤnge. Jſrael trat in Triumphe daher! und Thraͤnen voll Seele, Dankende Thraͤnen entſtuͤrzten dem Auge des Auferſtandnen: Halleluja dem Ueberwinder des Todes! dem Mittler Zwiſchen dem Richter, und mir! du haſt geblutet! du haſt es Alles vollendet! du haſt aus des Todes Thal mich gerufen! Und die Seraphim hielten ſich nicht, und ſtroͤmten ihr Loblied Hin in den Wonnausruf des auferſtandnen Gerechten: Preis

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_messias03_1769
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_messias03_1769/31
Zitationshilfe: [Klopstock, Friedrich Gottlieb]: Der Messias. Bd. 3. Halle, 1769, S. 15. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_messias03_1769/31>, abgerufen am 13.06.2021.