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[Klopstock, Friedrich Gottlieb]: Oden. Hamburg, 1771.

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Der Rheinwein.
[Abbildung]
Odu, der Traube Sohn, der im Golde blinkt,
Den Freund, sonst Niemand, lad' in die Kühlung ein.
Wir drey sind unser werth, und jener
Deutscheren Zeit, da du, edler Alter,
Noch ungekeltert, aber schon feuriger
Dem Rheine zuhingst, der dich mit auferzog,
Und deiner heissen Berge Füsse
Sorgsam mit grünlicher Woge kühlte.
Jetzt, da dein Rücken bald ein Jahrhundert trägt,
Verdienest du es, daß man den hohen Geist
In dir verstehen lern', und Catons
Ernstere Tugend von dir entglühe.
Der Schule Lehrer kennet des Thiers um ihn,
Kennt aller Pflanzen Seele. Der Dichter weiß
So viel nicht; aber seiner Rose
Weibliche Seele, des Weines stärkre,
Den jene kränzt, der flötenden Nachtigall
Erfindungsvolle Seele, die seinen Wein
Mit ihm besingt, die kennt er besser,
Als der Erweis, der von Folgen triefet.
Rhein-
Der Rheinwein.
[Abbildung]
Odu, der Traube Sohn, der im Golde blinkt,
Den Freund, ſonſt Niemand, lad’ in die Kuͤhlung ein.
Wir drey ſind unſer werth, und jener
Deutſcheren Zeit, da du, edler Alter,
Noch ungekeltert, aber ſchon feuriger
Dem Rheine zuhingſt, der dich mit auferzog,
Und deiner heiſſen Berge Fuͤſſe
Sorgſam mit gruͤnlicher Woge kuͤhlte.
Jetzt, da dein Ruͤcken bald ein Jahrhundert traͤgt,
Verdieneſt du es, daß man den hohen Geiſt
In dir verſtehen lern’, und Catons
Ernſtere Tugend von dir entgluͤhe.
Der Schule Lehrer kennet des Thiers um ihn,
Kennt aller Pflanzen Seele. Der Dichter weiß
So viel nicht; aber ſeiner Roſe
Weibliche Seele, des Weines ſtaͤrkre,
Den jene kraͤnzt, der floͤtenden Nachtigall
Erfindungsvolle Seele, die ſeinen Wein
Mit ihm beſingt, die kennt er beſſer,
Als der Erweis, der von Folgen triefet.
Rhein-
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[125/0133] Der Rheinwein. [Abbildung] Odu, der Traube Sohn, der im Golde blinkt, Den Freund, ſonſt Niemand, lad’ in die Kuͤhlung ein. Wir drey ſind unſer werth, und jener Deutſcheren Zeit, da du, edler Alter, Noch ungekeltert, aber ſchon feuriger Dem Rheine zuhingſt, der dich mit auferzog, Und deiner heiſſen Berge Fuͤſſe Sorgſam mit gruͤnlicher Woge kuͤhlte. Jetzt, da dein Ruͤcken bald ein Jahrhundert traͤgt, Verdieneſt du es, daß man den hohen Geiſt In dir verſtehen lern’, und Catons Ernſtere Tugend von dir entgluͤhe. Der Schule Lehrer kennet des Thiers um ihn, Kennt aller Pflanzen Seele. Der Dichter weiß So viel nicht; aber ſeiner Roſe Weibliche Seele, des Weines ſtaͤrkre, Den jene kraͤnzt, der floͤtenden Nachtigall Erfindungsvolle Seele, die ſeinen Wein Mit ihm beſingt, die kennt er beſſer, Als der Erweis, der von Folgen triefet. Rhein-

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Zitationshilfe: [Klopstock, Friedrich Gottlieb]: Oden. Hamburg, 1771, S. 125. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_oden_1771/133>, abgerufen am 17.04.2021.