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[Klopstock, Friedrich Gottlieb]: Oden. Hamburg, 1771.

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Der Thorheit Hasser, aber auch Menschenfreund,
Allzeit gerechter Rabner, dein heller Blick
Dein froh und herzenvoll Gesicht ist
Freunden der Tugend, und deinen Freunden
Nur liebenswürdig; aber den Thoren bist
Du furchtbar! Scheuch sie, wenn du noch schweigest, schon
Zurück! Laß selbst ihr kriechend Lächeln
Dich in dem strafenden Zorn nicht stören.
Stolz, und voll Demuth, arten sie niemals aus!
Sey unbekümmert, wenn auch ihr zahllos Heer
Stets wüchs', und wenn in Völkerschaften
Auch Philosophen die Welt umschwärmten!
Wenn du nur Einen jedes Jahrhundert nimmst,
Und ihn der Weisheit Lehrlingen zugesellst;
Wohl dir! Wir wollen deine Siege,
Die in der Fern dich erwarten, singen.
Dem Enkel winkend stell' ich dein heilig Bild
Zu Tiburs Lacher, und zu der Houyhmeß Freund,
Da sollst du einst den Namen (wenig
Führeten ihn) des Gerechten führen!

Drittes Lied.
Lied, werde sanfter, fliesse gelinder fort.
Wie auf die Rosen hell aus des Morgens Hand
Der Thau herabträuft, denn dort kömmt er
Frölicher heut und entwölkt mein Gellert.
Dich

Der Thorheit Haſſer, aber auch Menſchenfreund,
Allzeit gerechter Rabner, dein heller Blick
Dein froh und herzenvoll Geſicht iſt
Freunden der Tugend, und deinen Freunden
Nur liebenswuͤrdig; aber den Thoren biſt
Du furchtbar! Scheuch ſie, wenn du noch ſchweigeſt, ſchon
Zuruͤck! Laß ſelbſt ihr kriechend Laͤcheln
Dich in dem ſtrafenden Zorn nicht ſtoͤren.
Stolz, und voll Demuth, arten ſie niemals aus!
Sey unbekuͤmmert, wenn auch ihr zahllos Heer
Stets wuͤchſ’, und wenn in Voͤlkerſchaften
Auch Philoſophen die Welt umſchwaͤrmten!
Wenn du nur Einen jedes Jahrhundert nimmſt,
Und ihn der Weisheit Lehrlingen zugeſellſt;
Wohl dir! Wir wollen deine Siege,
Die in der Fern dich erwarten, ſingen.
Dem Enkel winkend ſtell’ ich dein heilig Bild
Zu Tiburs Lacher, und zu der Houyhmeß Freund,
Da ſollſt du einſt den Namen (wenig
Fuͤhreten ihn) des Gerechten fuͤhren!

Drittes Lied.
Lied, werde ſanfter, flieſſe gelinder fort.
Wie auf die Roſen hell aus des Morgens Hand
Der Thau herabtraͤuft, denn dort koͤmmt er
Froͤlicher heut und entwoͤlkt mein Gellert.
Dich
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[64/0072] Der Thorheit Haſſer, aber auch Menſchenfreund, Allzeit gerechter Rabner, dein heller Blick Dein froh und herzenvoll Geſicht iſt Freunden der Tugend, und deinen Freunden Nur liebenswuͤrdig; aber den Thoren biſt Du furchtbar! Scheuch ſie, wenn du noch ſchweigeſt, ſchon Zuruͤck! Laß ſelbſt ihr kriechend Laͤcheln Dich in dem ſtrafenden Zorn nicht ſtoͤren. Stolz, und voll Demuth, arten ſie niemals aus! Sey unbekuͤmmert, wenn auch ihr zahllos Heer Stets wuͤchſ’, und wenn in Voͤlkerſchaften Auch Philoſophen die Welt umſchwaͤrmten! Wenn du nur Einen jedes Jahrhundert nimmſt, Und ihn der Weisheit Lehrlingen zugeſellſt; Wohl dir! Wir wollen deine Siege, Die in der Fern dich erwarten, ſingen. Dem Enkel winkend ſtell’ ich dein heilig Bild Zu Tiburs Lacher, und zu der Houyhmeß Freund, Da ſollſt du einſt den Namen (wenig Fuͤhreten ihn) des Gerechten fuͤhren! Drittes Lied. Lied, werde ſanfter, flieſſe gelinder fort. Wie auf die Roſen hell aus des Morgens Hand Der Thau herabtraͤuft, denn dort koͤmmt er Froͤlicher heut und entwoͤlkt mein Gellert. Dich

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Zitationshilfe: [Klopstock, Friedrich Gottlieb]: Oden. Hamburg, 1771, S. 64. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_oden_1771/72>, abgerufen am 14.04.2021.