Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Knigge, Adolph von: Ueber den Umgang mit Menschen. Bd. 2. Hannover, 1788.

Bild:
<< vorherige Seite
3.

Wenden wir uns jetzt zu Kranken und Lei¬
denden! Wer je empfunden hat, welch' ein Lab¬
sal bey Krankheiten und Schmerzen eine gute,
sorgsame, stille und bescheidene Wartung ge¬
währt, der wird es nicht unnütz finden, daß ich
ein Paar Worte hierüber sage. Die Art der
Behandlung und Sorgfalt muß sich aber frey¬
lich nach der Verschiedenheit der Krankheiten
richten, mit welchen der Leidende kämpft, und
ich kann also keine allgemein passende Regeln
vorschlagen; Doch, so viel sich im Ganzen über
diesen Gegenstand sagen lässt, möge hier Platz
finden!

Es giebt Krankheiten, in welchen Aufmun¬
terung des Gemüths, Zerstreuung und ange¬
nehme Unterhaltung sehr viel zur Genehsung
beytragen, und hingegen andre, bey denen Ruhe
und stille Wartung das Einzige sind, wodurch
man dem Leidenden Linderung verschaffen kann.
Man soll daher wohl unterscheiden und beobach¬
ten, welche Art von Behandlung anwendbar
seyn mögte.

Ich
3.

Wenden wir uns jetzt zu Kranken und Lei¬
denden! Wer je empfunden hat, welch' ein Lab¬
ſal bey Krankheiten und Schmerzen eine gute,
ſorgſame, ſtille und beſcheidene Wartung ge¬
waͤhrt, der wird es nicht unnuͤtz finden, daß ich
ein Paar Worte hieruͤber ſage. Die Art der
Behandlung und Sorgfalt muß ſich aber frey¬
lich nach der Verſchiedenheit der Krankheiten
richten, mit welchen der Leidende kaͤmpft, und
ich kann alſo keine allgemein paſſende Regeln
vorſchlagen; Doch, ſo viel ſich im Ganzen uͤber
dieſen Gegenſtand ſagen laͤſſt, moͤge hier Platz
finden!

Es giebt Krankheiten, in welchen Aufmun¬
terung des Gemuͤths, Zerſtreuung und ange¬
nehme Unterhaltung ſehr viel zur Genehſung
beytragen, und hingegen andre, bey denen Ruhe
und ſtille Wartung das Einzige ſind, wodurch
man dem Leidenden Linderung verſchaffen kann.
Man ſoll daher wohl unterſcheiden und beobach¬
ten, welche Art von Behandlung anwendbar
ſeyn moͤgte.

Ich
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0206" n="184"/>
          </div>
          <div n="3">
            <head>3.<lb/></head>
            <p>Wenden wir uns jetzt zu Kranken und Lei¬<lb/>
denden! Wer je empfunden hat, welch' ein Lab¬<lb/>
&#x017F;al bey Krankheiten und Schmerzen eine gute,<lb/>
&#x017F;org&#x017F;ame, &#x017F;tille und be&#x017F;cheidene Wartung ge¬<lb/>
wa&#x0364;hrt, der wird es nicht unnu&#x0364;tz finden, daß ich<lb/>
ein Paar Worte hieru&#x0364;ber &#x017F;age. Die Art der<lb/>
Behandlung und Sorgfalt muß &#x017F;ich aber frey¬<lb/>
lich nach der Ver&#x017F;chiedenheit der Krankheiten<lb/>
richten, mit welchen der Leidende ka&#x0364;mpft, und<lb/>
ich kann al&#x017F;o keine allgemein pa&#x017F;&#x017F;ende Regeln<lb/>
vor&#x017F;chlagen; Doch, &#x017F;o viel &#x017F;ich im Ganzen u&#x0364;ber<lb/>
die&#x017F;en Gegen&#x017F;tand &#x017F;agen la&#x0364;&#x017F;&#x017F;t, mo&#x0364;ge hier Platz<lb/>
finden!</p><lb/>
            <p>Es giebt Krankheiten, in welchen Aufmun¬<lb/>
terung des Gemu&#x0364;ths, Zer&#x017F;treuung und ange¬<lb/>
nehme Unterhaltung &#x017F;ehr viel zur Geneh&#x017F;ung<lb/>
beytragen, und hingegen andre, bey denen Ruhe<lb/>
und &#x017F;tille Wartung das Einzige &#x017F;ind, wodurch<lb/>
man dem Leidenden Linderung ver&#x017F;chaffen kann.<lb/>
Man &#x017F;oll daher wohl unter&#x017F;cheiden und beobach¬<lb/>
ten, welche Art von Behandlung anwendbar<lb/>
&#x017F;eyn mo&#x0364;gte.</p><lb/>
            <fw place="bottom" type="catch">Ich<lb/></fw>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[184/0206] 3. Wenden wir uns jetzt zu Kranken und Lei¬ denden! Wer je empfunden hat, welch' ein Lab¬ ſal bey Krankheiten und Schmerzen eine gute, ſorgſame, ſtille und beſcheidene Wartung ge¬ waͤhrt, der wird es nicht unnuͤtz finden, daß ich ein Paar Worte hieruͤber ſage. Die Art der Behandlung und Sorgfalt muß ſich aber frey¬ lich nach der Verſchiedenheit der Krankheiten richten, mit welchen der Leidende kaͤmpft, und ich kann alſo keine allgemein paſſende Regeln vorſchlagen; Doch, ſo viel ſich im Ganzen uͤber dieſen Gegenſtand ſagen laͤſſt, moͤge hier Platz finden! Es giebt Krankheiten, in welchen Aufmun¬ terung des Gemuͤths, Zerſtreuung und ange¬ nehme Unterhaltung ſehr viel zur Genehſung beytragen, und hingegen andre, bey denen Ruhe und ſtille Wartung das Einzige ſind, wodurch man dem Leidenden Linderung verſchaffen kann. Man ſoll daher wohl unterſcheiden und beobach¬ ten, welche Art von Behandlung anwendbar ſeyn moͤgte. Ich

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/knigge_umgang02_1788
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/knigge_umgang02_1788/206
Zitationshilfe: Knigge, Adolph von: Ueber den Umgang mit Menschen. Bd. 2. Hannover, 1788, S. 184. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/knigge_umgang02_1788/206>, abgerufen am 30.11.2023.