Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Kortum, Carl Arnold: Die Jobsiade. Bd. 2. Dortmund, 1799.

Bild:
<< vorherige Seite
5. Er hatte erst kaum 4 oder 5 Jahre
Lang, genossen die Ohnwitzer Pfarre
Und diese schlug bei dem lieben Mann,
Ratione seiner Gesundheit, trefflich an;
6. Um so mehr da er vorher auf dem Lande
Lange in einer schmächtigen Pfarre stande,
Dabei blieb dann sein Bauch und Kinn,
Wie leicht zu schliessen ist, mager und dünn.
7. Aber so bald er nach Ohnwitz gekommen
Hat er augenscheinlich zugenommen,
Und die Nase, vorher blaß und spitz,
Ward bald roth und rund zu Ohnewitz.
8. Schade also, daß so schnell und behende
Der Tod mit ihm machte ein Ende
Und ihn aus diesem Jammerthal
Transportirte in den Freudensaal!
9. Die gnädige Herrschaft lag noch im tiefen
Schlafe,
Als diese Nachricht im Schlosse eintrafe,
Denn es war noch früh und höchstens nur
Des Morgens um 9 oder 10 Uhr.
10. Doch der junge Herr und Hieronimus waren
schon lange
Auf einem unterhaltenden Spaziergange;
Denn sie glaubten dem Sprüchwort fest:
Aurora musis amica est.
11 Sie,
5. Er hatte erſt kaum 4 oder 5 Jahre
Lang, genoſſen die Ohnwitzer Pfarre
Und dieſe ſchlug bei dem lieben Mann,
Ratione ſeiner Geſundheit, trefflich an;
6. Um ſo mehr da er vorher auf dem Lande
Lange in einer ſchmaͤchtigen Pfarre ſtande,
Dabei blieb dann ſein Bauch und Kinn,
Wie leicht zu ſchlieſſen iſt, mager und duͤnn.
7. Aber ſo bald er nach Ohnwitz gekommen
Hat er augenſcheinlich zugenommen,
Und die Naſe, vorher blaß und ſpitz,
Ward bald roth und rund zu Ohnewitz.
8. Schade alſo, daß ſo ſchnell und behende
Der Tod mit ihm machte ein Ende
Und ihn aus dieſem Jammerthal
Transportirte in den Freudenſaal!
9. Die gnaͤdige Herrſchaft lag noch im tiefen
Schlafe,
Als dieſe Nachricht im Schloſſe eintrafe,
Denn es war noch fruͤh und hoͤchſtens nur
Des Morgens um 9 oder 10 Uhr.
10. Doch der junge Herr und Hieronimus waren
ſchon lange
Auf einem unterhaltenden Spaziergange;
Denn ſie glaubten dem Spruͤchwort feſt:
Aurora muſis amica est.
11 Sie,
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <lg type="poem">
          <pb facs="#f0159" n="137"/>
          <lg n="5">
            <l>5. Er hatte er&#x017F;t kaum 4 oder 5 Jahre</l><lb/>
            <l>Lang, geno&#x017F;&#x017F;en die Ohnwitzer Pfarre</l><lb/>
            <l>Und die&#x017F;e &#x017F;chlug bei dem lieben Mann,</l><lb/>
            <l>Ratione &#x017F;einer Ge&#x017F;undheit, trefflich an;</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="6">
            <l>6. Um &#x017F;o mehr da er vorher auf dem Lande</l><lb/>
            <l>Lange in einer &#x017F;chma&#x0364;chtigen Pfarre &#x017F;tande,</l><lb/>
            <l>Dabei blieb dann &#x017F;ein Bauch und Kinn,</l><lb/>
            <l>Wie leicht zu &#x017F;chlie&#x017F;&#x017F;en i&#x017F;t, mager und du&#x0364;nn.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="7">
            <l>7. Aber &#x017F;o bald er nach Ohnwitz gekommen</l><lb/>
            <l>Hat er augen&#x017F;cheinlich zugenommen,</l><lb/>
            <l>Und die Na&#x017F;e, vorher blaß und &#x017F;pitz,</l><lb/>
            <l>Ward bald roth und rund zu Ohnewitz.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="8">
            <l>8. Schade al&#x017F;o, daß &#x017F;o &#x017F;chnell und behende</l><lb/>
            <l>Der Tod mit ihm machte ein Ende</l><lb/>
            <l>Und ihn aus die&#x017F;em Jammerthal</l><lb/>
            <l>Transportirte in den Freuden&#x017F;aal!</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="9">
            <l>9. Die gna&#x0364;dige Herr&#x017F;chaft lag noch im tiefen</l><lb/>
            <l>Schlafe,</l><lb/>
            <l>Als die&#x017F;e Nachricht im Schlo&#x017F;&#x017F;e eintrafe,</l><lb/>
            <l>Denn es war noch fru&#x0364;h und ho&#x0364;ch&#x017F;tens nur</l><lb/>
            <l>Des Morgens um 9 oder 10 Uhr.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="10">
            <l>10. Doch der junge Herr und Hieronimus waren</l><lb/>
            <l>&#x017F;chon lange</l><lb/>
            <l>Auf einem unterhaltenden Spaziergange;</l><lb/>
            <l>Denn &#x017F;ie glaubten dem Spru&#x0364;chwort fe&#x017F;t:</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#aq">Aurora mu&#x017F;is amica est.</hi> </l>
          </lg><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">11 Sie,</fw><lb/>
        </lg>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[137/0159] 5. Er hatte erſt kaum 4 oder 5 Jahre Lang, genoſſen die Ohnwitzer Pfarre Und dieſe ſchlug bei dem lieben Mann, Ratione ſeiner Geſundheit, trefflich an; 6. Um ſo mehr da er vorher auf dem Lande Lange in einer ſchmaͤchtigen Pfarre ſtande, Dabei blieb dann ſein Bauch und Kinn, Wie leicht zu ſchlieſſen iſt, mager und duͤnn. 7. Aber ſo bald er nach Ohnwitz gekommen Hat er augenſcheinlich zugenommen, Und die Naſe, vorher blaß und ſpitz, Ward bald roth und rund zu Ohnewitz. 8. Schade alſo, daß ſo ſchnell und behende Der Tod mit ihm machte ein Ende Und ihn aus dieſem Jammerthal Transportirte in den Freudenſaal! 9. Die gnaͤdige Herrſchaft lag noch im tiefen Schlafe, Als dieſe Nachricht im Schloſſe eintrafe, Denn es war noch fruͤh und hoͤchſtens nur Des Morgens um 9 oder 10 Uhr. 10. Doch der junge Herr und Hieronimus waren ſchon lange Auf einem unterhaltenden Spaziergange; Denn ſie glaubten dem Spruͤchwort feſt: Aurora muſis amica est. 11 Sie,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/kortum_jobsiade02_1799
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/kortum_jobsiade02_1799/159
Zitationshilfe: Kortum, Carl Arnold: Die Jobsiade. Bd. 2. Dortmund, 1799, S. 137. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/kortum_jobsiade02_1799/159>, abgerufen am 08.05.2021.