Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Kortum, Carl Arnold: Die Jobsiade. Bd. 2. Dortmund, 1799.

Bild:
<< vorherige Seite
4. Uebrigens will man aus Schonung und an-
dern Gründen,
"Ihn von Abbitte und Ehr'nerklärung dis-
mal entbinden;
"Jedoch gibt man die Warnung für künf-
tig ihm mit:
"Wenn er wieder stirbt, den Todtengräber
zu foppen nit.
5. "Denn obgleich Beklagter das Begräbniß
nicht gebilliget,
"Und in dem, was Kläger gethan, nicht einge-
williget,
"So hat doch diese Einwendung nicht,
"Das erforderliche rechtliche Gegengewicht.
6. "Sintemal alle gesittete Völker haben,
"So viel constirt, ihre ehrliche Todten immer
begraben,
"Und man braucht, wenn dieser Actus geschicht
"Dazu den Consens des Verstorbenen nicht.
7. "Auch obgleich er nicht würklich todt gewesen,
"Sondern aus dem Sarge wieder lebendig ge-
nesen,
"So konnte doch der Todtengräber nicht
"Davor, sondern war willig zur Pflicht.
8. Succumbens hat auch damals als Todter
würklich gehandelt,
"Und war still, als man mit ihm zum Kirch-
hofe gewandelt;
"Folg-
4. Uebrigens will man aus Schonung und an-
dern Gruͤnden,
„Ihn von Abbitte und Ehr’nerklaͤrung dis-
mal entbinden;
„Jedoch gibt man die Warnung fuͤr kuͤnf-
tig ihm mit:
„Wenn er wieder ſtirbt, den Todtengraͤber
zu foppen nit.
5. „Denn obgleich Beklagter das Begraͤbniß
nicht gebilliget,
„Und in dem, was Klaͤger gethan, nicht einge-
williget,
„So hat doch dieſe Einwendung nicht,
„Das erforderliche rechtliche Gegengewicht.
6. „Sintemal alle geſittete Voͤlker haben,
„So viel conſtirt, ihre ehrliche Todten immer
begraben,
„Und man braucht, wenn dieſer Actus geſchicht
„Dazu den Conſens des Verſtorbenen nicht.
7. „Auch obgleich er nicht wuͤrklich todt geweſen,
„Sondern aus dem Sarge wieder lebendig ge-
neſen,
„So konnte doch der Todtengraͤber nicht
„Davor, ſondern war willig zur Pflicht.
8. Succumbens hat auch damals als Todter
wuͤrklich gehandelt,
„Und war ſtill, als man mit ihm zum Kirch-
hofe gewandelt;
„Folg-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <lg type="poem">
          <pb facs="#f0078" n="56"/>
          <lg n="4">
            <l>4. Uebrigens will man aus Schonung und an-</l><lb/>
            <l>dern Gru&#x0364;nden,</l><lb/>
            <l>&#x201E;Ihn von Abbitte und Ehr&#x2019;nerkla&#x0364;rung dis-</l><lb/>
            <l>mal entbinden;</l><lb/>
            <l>&#x201E;Jedoch gibt man die Warnung fu&#x0364;r ku&#x0364;nf-</l><lb/>
            <l>tig ihm mit:</l><lb/>
            <l>&#x201E;Wenn er wieder &#x017F;tirbt, den Todtengra&#x0364;ber</l><lb/>
            <l>zu foppen nit.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="5">
            <l>5. &#x201E;Denn obgleich Beklagter das Begra&#x0364;bniß</l><lb/>
            <l>nicht gebilliget,</l><lb/>
            <l>&#x201E;Und in dem, was Kla&#x0364;ger gethan, nicht einge-</l><lb/>
            <l>williget,</l><lb/>
            <l>&#x201E;So hat doch die&#x017F;e Einwendung nicht,</l><lb/>
            <l>&#x201E;Das erforderliche rechtliche Gegengewicht.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="6">
            <l>6. &#x201E;Sintemal alle ge&#x017F;ittete Vo&#x0364;lker haben,</l><lb/>
            <l>&#x201E;So viel con&#x017F;tirt, ihre ehrliche Todten immer</l><lb/>
            <l>begraben,</l><lb/>
            <l>&#x201E;Und man braucht, wenn die&#x017F;er <hi rendition="#aq">Actus</hi> ge&#x017F;chicht</l><lb/>
            <l>&#x201E;Dazu den Con&#x017F;ens des Ver&#x017F;torbenen nicht.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="7">
            <l>7. &#x201E;Auch obgleich er nicht wu&#x0364;rklich todt gewe&#x017F;en,</l><lb/>
            <l>&#x201E;Sondern aus dem Sarge wieder lebendig ge-</l><lb/>
            <l>ne&#x017F;en,</l><lb/>
            <l>&#x201E;So konnte doch der Todtengra&#x0364;ber nicht</l><lb/>
            <l>&#x201E;Davor, &#x017F;ondern war willig zur Pflicht.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="8">
            <l>8. Succumbens hat auch damals als Todter</l><lb/>
            <l>wu&#x0364;rklich gehandelt,</l><lb/>
            <l>&#x201E;Und war &#x017F;till, als man mit ihm zum Kirch-</l><lb/>
            <l>hofe gewandelt;</l><lb/>
            <fw place="bottom" type="catch">&#x201E;Folg-</fw><lb/>
          </lg>
        </lg>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[56/0078] 4. Uebrigens will man aus Schonung und an- dern Gruͤnden, „Ihn von Abbitte und Ehr’nerklaͤrung dis- mal entbinden; „Jedoch gibt man die Warnung fuͤr kuͤnf- tig ihm mit: „Wenn er wieder ſtirbt, den Todtengraͤber zu foppen nit. 5. „Denn obgleich Beklagter das Begraͤbniß nicht gebilliget, „Und in dem, was Klaͤger gethan, nicht einge- williget, „So hat doch dieſe Einwendung nicht, „Das erforderliche rechtliche Gegengewicht. 6. „Sintemal alle geſittete Voͤlker haben, „So viel conſtirt, ihre ehrliche Todten immer begraben, „Und man braucht, wenn dieſer Actus geſchicht „Dazu den Conſens des Verſtorbenen nicht. 7. „Auch obgleich er nicht wuͤrklich todt geweſen, „Sondern aus dem Sarge wieder lebendig ge- neſen, „So konnte doch der Todtengraͤber nicht „Davor, ſondern war willig zur Pflicht. 8. Succumbens hat auch damals als Todter wuͤrklich gehandelt, „Und war ſtill, als man mit ihm zum Kirch- hofe gewandelt; „Folg-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/kortum_jobsiade02_1799
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/kortum_jobsiade02_1799/78
Zitationshilfe: Kortum, Carl Arnold: Die Jobsiade. Bd. 2. Dortmund, 1799, S. 56. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/kortum_jobsiade02_1799/78>, abgerufen am 07.05.2021.