Frau Hella Flesch in Frankfurt a. M. war es, der wir zur Milderung solcher Uebelstände Jdee und Ausführung des ersten Hauspflegevereins verdanken: Eine als zuverlässig bekannte Frau wird auf Vereins- kosten tage- oder stundenweise als Hilfe gesandt, der kranken Frau Handreichungen zu leisten, für die Familie zu kochen, zu waschen, die Wohnung zu reinigen, die Kinder zu versorgen.
So bleibt der Hausstand erhalten und mit verhältnismäßig geringen Mitteln wird einer Verwahrlosung der Familie vor- gebeugt. Durch Jeanette Schwerin ist die Hauspflege auch in Berlin eingeführt worden, dann in Charlottenburg und zahlreichen anderen Städten und überall ist sie von segens- reichster Wirkung gewesen.
Von Vorstandsmitgliedern des Hauspflegevereins angeregt, wurde in Frankfurt a. M. auch der Stadtbund der Vereine für Armenpflege und Wohltätigkeit begründet, dem jetzt 41 Vereine angehören, vorbildlich waren für seine Arbeit neben den Charity Organisation Societies in England und Amerika, die Auskunftsstelle der Gesellschaft für ethische Kultur (begründet von Frau Schwerin) und die Zentralstation der Wohlfahrts- einrichtungen (Begründerin Sophie Susman, Berlin).
Dieser Stadtbund gemeinnütziger Vereine will, wie Frau Edinger im Centralblatt des Bundes s. Z. mitteilte,
1. ein Mittelpunkt sein für alle Bestrebungen auf dem Ge- biete der Armenpflege und Wohltätigkeit in Frankfurt a. M., er will in allen gemeinnützigen Vereinen den Gedanken wach- halten, daß sie eine gemeinsame Aufgabe haben, und diese, wenn auch jeder auf seine Weise, doch nur in steter Füh- lung mit einander wirksam fördern können; 2. die Erfahrungen der Vereine nutzbar machen, und zwar soll dies geschehen:
Frau Hella Flesch in Frankfurt a. M. war es, der wir zur Milderung solcher Uebelstände Jdee und Ausführung des ersten Hauspflegevereins verdanken: Eine als zuverlässig bekannte Frau wird auf Vereins- kosten tage- oder stundenweise als Hilfe gesandt, der kranken Frau Handreichungen zu leisten, für die Familie zu kochen, zu waschen, die Wohnung zu reinigen, die Kinder zu versorgen.
So bleibt der Hausstand erhalten und mit verhältnismäßig geringen Mitteln wird einer Verwahrlosung der Familie vor- gebeugt. Durch Jeanette Schwerin ist die Hauspflege auch in Berlin eingeführt worden, dann in Charlottenburg und zahlreichen anderen Städten und überall ist sie von segens- reichster Wirkung gewesen.
Von Vorstandsmitgliedern des Hauspflegevereins angeregt, wurde in Frankfurt a. M. auch der Stadtbund der Vereine für Armenpflege und Wohltätigkeit begründet, dem jetzt 41 Vereine angehören, vorbildlich waren für seine Arbeit neben den Charity Organisation Societies in England und Amerika, die Auskunftsstelle der Gesellschaft für ethische Kultur (begründet von Frau Schwerin) und die Zentralstation der Wohlfahrts- einrichtungen (Begründerin Sophie Susman, Berlin).
Dieser Stadtbund gemeinnütziger Vereine will, wie Frau Edinger im Centralblatt des Bundes s. Z. mitteilte,
1. ein Mittelpunkt sein für alle Bestrebungen auf dem Ge- biete der Armenpflege und Wohltätigkeit in Frankfurt a. M., er will in allen gemeinnützigen Vereinen den Gedanken wach- halten, daß sie eine gemeinsame Aufgabe haben, und diese, wenn auch jeder auf seine Weise, doch nur in steter Füh- lung mit einander wirksam fördern können; 2. die Erfahrungen der Vereine nutzbar machen, und zwar soll dies geschehen:
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Frau Hella Flesch in Frankfurt a. M. war es, der wir
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ersten Hauspflegevereins verdanken:
Eine als zuverlässig bekannte Frau wird auf Vereins-
kosten tage- oder stundenweise als Hilfe gesandt, der kranken
Frau Handreichungen zu leisten, für die Familie zu kochen,
zu waschen, die Wohnung zu reinigen, die Kinder zu versorgen.
So bleibt der Hausstand erhalten und mit verhältnismäßig
geringen Mitteln wird einer Verwahrlosung der Familie vor-
gebeugt. Durch Jeanette Schwerin ist die Hauspflege auch
in Berlin eingeführt worden, dann in Charlottenburg und
zahlreichen anderen Städten und überall ist sie von segens-
reichster Wirkung gewesen.
Von Vorstandsmitgliedern des Hauspflegevereins angeregt,
wurde in Frankfurt a. M. auch der Stadtbund der Vereine
für Armenpflege und Wohltätigkeit begründet, dem jetzt 41
Vereine angehören, vorbildlich waren für seine Arbeit neben
den Charity Organisation Societies in England und Amerika,
die Auskunftsstelle der Gesellschaft für ethische Kultur (begründet
von Frau Schwerin) und die Zentralstation der Wohlfahrts-
einrichtungen (Begründerin Sophie Susman, Berlin).
Dieser Stadtbund gemeinnütziger Vereine will, wie Frau
Edinger im Centralblatt des Bundes s. Z. mitteilte, 1. ein Mittelpunkt sein für alle Bestrebungen auf dem Ge-
biete der Armenpflege und Wohltätigkeit in Frankfurt a. M.,
er will in allen gemeinnützigen Vereinen den Gedanken wach-
halten, daß sie eine gemeinsame Aufgabe haben, und diese,
wenn auch jeder auf seine Weise, doch nur in steter Füh-
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Krukenberg, Elsbeth: Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung. Tübingen, 1905, S. 120. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/krukenberg_frauenbewegung_1905/130>, abgerufen am 11.09.2024.
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