berufes einem anderen Berufe zu Liebe, soweit nicht die Not oder eine Ausnahmebegabung zwingend einwirkt, wird er sich wenden. Der Beruf der Gattin und Mutter verlangt volle Hingabe. Würde - wie gelegentlich des internationalen Frauenkongresses in einer von Volksschullehrerinnen berufenen Versammlung gefor- dert wurde - z. B. Lehrerinnenberuf und Mutterberuf zu ver- einigen versucht werden, so würde ganz einfach der wenig erfreu- liche Zustand der verheirateten Fabrikarbeiterinnen auf die Lehrerinnen übertragen werden. Sie würden überlastet, gehetzt und Mann und Kind und fraglos auch der Beruf hätte mit darunter zu leiden.
Ehe und Mutterschaft und Hausfrauenpflichten vereinigt, bedeuten ein vollgerüttelt Maß von Arbeit und Verantwortung. Frauen, die da meinen, dem Manne eine rechte Gefährtin sein zu können, die ihren Kindern nicht nur das Leben geben, sondern sie auch zu erziehen versuchen, die da meinen, ihrem Heim einen charakteristischen Stempel aufprägen und für körper- liches und geistiges Wohl ihrer Angehörigen sorgen zu können und die daneben noch einen Beruf übernehmen wollen, der für sich allein eine ganze Kraft beansprucht, solche Frauen überschätzen ihr Können. Sie glauben, wie Ellen Key sehr richtig sagt, tatsächlich nicht an die Gleichheit der Ge- schlechter. Sie glauben an die absolute Ueberlegenheit der Frau.
Adele Gerhard und Helene Simon haben über dieses Gebiet interessante Enqueten veröffentlicht1). Sie fanden, daß fast überall, wo Frauen, Gattinnen und Mütter gewor- den, trotzdem von ihrem Beruf nicht lassen konnten - Schau- spielerinnen, Sängerinnen z. B. - sie selbst, und wohl auch
1) Adele Gerhard und Helene Simon. Mutterschaft und geistige Arbeit.
berufes einem anderen Berufe zu Liebe, soweit nicht die Not oder eine Ausnahmebegabung zwingend einwirkt, wird er sich wenden. Der Beruf der Gattin und Mutter verlangt volle Hingabe. Würde – wie gelegentlich des internationalen Frauenkongresses in einer von Volksschullehrerinnen berufenen Versammlung gefor- dert wurde – z. B. Lehrerinnenberuf und Mutterberuf zu ver- einigen versucht werden, so würde ganz einfach der wenig erfreu- liche Zustand der verheirateten Fabrikarbeiterinnen auf die Lehrerinnen übertragen werden. Sie würden überlastet, gehetzt und Mann und Kind und fraglos auch der Beruf hätte mit darunter zu leiden.
Ehe und Mutterschaft und Hausfrauenpflichten vereinigt, bedeuten ein vollgerüttelt Maß von Arbeit und Verantwortung. Frauen, die da meinen, dem Manne eine rechte Gefährtin sein zu können, die ihren Kindern nicht nur das Leben geben, sondern sie auch zu erziehen versuchen, die da meinen, ihrem Heim einen charakteristischen Stempel aufprägen und für körper- liches und geistiges Wohl ihrer Angehörigen sorgen zu können und die daneben noch einen Beruf übernehmen wollen, der für sich allein eine ganze Kraft beansprucht, solche Frauen überschätzen ihr Können. Sie glauben, wie Ellen Key sehr richtig sagt, tatsächlich nicht an die Gleichheit der Ge- schlechter. Sie glauben an die absolute Ueberlegenheit der Frau.
Adele Gerhard und Helene Simon haben über dieses Gebiet interessante Enquêten veröffentlicht1). Sie fanden, daß fast überall, wo Frauen, Gattinnen und Mütter gewor- den, trotzdem von ihrem Beruf nicht lassen konnten – Schau- spielerinnen, Sängerinnen z. B. – sie selbst, und wohl auch
1) Adele Gerhard und Helene Simon. Mutterschaft und geistige Arbeit.
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berufes einem anderen Berufe zu Liebe, soweit nicht die Not oder
eine Ausnahmebegabung zwingend einwirkt, wird er sich wenden.
Der Beruf der Gattin und Mutter verlangt volle Hingabe. Würde
– wie gelegentlich des internationalen Frauenkongresses in
einer von Volksschullehrerinnen berufenen Versammlung gefor-
dert wurde – z. B. Lehrerinnenberuf und Mutterberuf zu ver-
einigen versucht werden, so würde ganz einfach der wenig erfreu-
liche Zustand der verheirateten Fabrikarbeiterinnen auf die
Lehrerinnen übertragen werden. Sie würden überlastet, gehetzt
und Mann und Kind und fraglos auch der Beruf hätte mit
darunter zu leiden.
Ehe und Mutterschaft und Hausfrauenpflichten vereinigt,
bedeuten ein vollgerüttelt Maß von Arbeit und Verantwortung.
Frauen, die da meinen, dem Manne eine rechte Gefährtin sein zu
können, die ihren Kindern nicht nur das Leben geben, sondern
sie auch zu erziehen versuchen, die da meinen, ihrem Heim
einen charakteristischen Stempel aufprägen und für körper-
liches und geistiges Wohl ihrer Angehörigen sorgen zu können
und die daneben noch einen Beruf übernehmen wollen, der
für sich allein eine ganze Kraft beansprucht, solche Frauen
überschätzen ihr Können. Sie glauben, wie Ellen Key sehr
richtig sagt, tatsächlich nicht an die Gleichheit der Ge-
schlechter. Sie glauben an die absolute Ueberlegenheit der
Frau.
Adele Gerhard und Helene Simon haben über dieses
Gebiet interessante Enquêten veröffentlicht 1). Sie fanden,
daß fast überall, wo Frauen, Gattinnen und Mütter gewor-
den, trotzdem von ihrem Beruf nicht lassen konnten – Schau-
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1) Adele Gerhard und Helene Simon. Mutterschaft und geistige
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(2017-11-13T13:59:15Z)
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Anna Pfundt: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2015-08-20T13:59:15Z)
Anna Pfundt: Konvertierung nach DTA-Basisformat.
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Krukenberg, Elsbeth: Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung. Tübingen, 1905, S. 215. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/krukenberg_frauenbewegung_1905/225>, abgerufen am 11.09.2024.
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