die Möglichkeit, in zwangloser Art mit Menschen anzuknüpfen, neue Bekannte zu finden.
Frauenklubs bestehen in Berlin (zwei), in Hannover, Wiesbaden und Düsseldorf. Sie verdienten weit größere Ver- breitung. Auch für die arbeitenden Klassen würden sie segens- reich wirken. Aber bei allem warmen Empfinden für die unteren Klassen die Zahl der alleinstehenden Frauen ist fraglos in den gebildeten Ständen noch größer, und die Schran- ken der Sitte und Konvention engen diese Frauen noch mehr ein als die Arbeiterinnen. Darum sind Klubs für gebildete Frauen besonders am Platze.
Sie geben zugleich - und dasselbe gilt von der Vereins- arbeit -, falls sie nicht zu exklusiv gestaltet sind, Gelegenheit, die Standesunterschiede zu verwischen, Frauen verschieden- artigster Berufe und Gesellschaftsklassen zusammen zu bringen. Es ist ein erfreuliches Zeichen von der Reinheit der Motive der in der Frauenbewegung stehenden Frauen, daß bei ihnen das Liebäugeln nach Rang und Titeln, das Sich-Beugen vor Namen und Stand so gut wie gar keine Rolle spielt. Die Persönlichkeit, der Mensch allein hat Bedeutung, gleich- viel welchen Schichten des Volkes diese Persönlichkeit ent- wachsen ist. Auch weniger gebildeten Frauen gegenüber ver- stehen es viele der Frauenrechtlerinnen, einfach und natür- lich zu bleiben, als Mensch zum Menschen zu sprechen, wahr- haft Herz zum Herzen zu schaffen.
Aehnliches wie ein Klub, nur in beschränkter Weise, bedeutet vielen Frauen die von Vereinen - übrigens auch in Klubs - regelmäßig eingerichteten Vereinsabende. Referat und Diskussion, daran anschließend geselliges Zusammensein, pflegen dabei gegeben zu werden. Wohl auch musikalisch- deklamatorische Leistungen. Und wo nicht Ueberfütterung
die Möglichkeit, in zwangloser Art mit Menschen anzuknüpfen, neue Bekannte zu finden.
Frauenklubs bestehen in Berlin (zwei), in Hannover, Wiesbaden und Düsseldorf. Sie verdienten weit größere Ver- breitung. Auch für die arbeitenden Klassen würden sie segens- reich wirken. Aber bei allem warmen Empfinden für die unteren Klassen die Zahl der alleinstehenden Frauen ist fraglos in den gebildeten Ständen noch größer, und die Schran- ken der Sitte und Konvention engen diese Frauen noch mehr ein als die Arbeiterinnen. Darum sind Klubs für gebildete Frauen besonders am Platze.
Sie geben zugleich – und dasselbe gilt von der Vereins- arbeit –, falls sie nicht zu exklusiv gestaltet sind, Gelegenheit, die Standesunterschiede zu verwischen, Frauen verschieden- artigster Berufe und Gesellschaftsklassen zusammen zu bringen. Es ist ein erfreuliches Zeichen von der Reinheit der Motive der in der Frauenbewegung stehenden Frauen, daß bei ihnen das Liebäugeln nach Rang und Titeln, das Sich-Beugen vor Namen und Stand so gut wie gar keine Rolle spielt. Die Persönlichkeit, der Mensch allein hat Bedeutung, gleich- viel welchen Schichten des Volkes diese Persönlichkeit ent- wachsen ist. Auch weniger gebildeten Frauen gegenüber ver- stehen es viele der Frauenrechtlerinnen, einfach und natür- lich zu bleiben, als Mensch zum Menschen zu sprechen, wahr- haft Herz zum Herzen zu schaffen.
Aehnliches wie ein Klub, nur in beschränkter Weise, bedeutet vielen Frauen die von Vereinen – übrigens auch in Klubs – regelmäßig eingerichteten Vereinsabende. Referat und Diskussion, daran anschließend geselliges Zusammensein, pflegen dabei gegeben zu werden. Wohl auch musikalisch- deklamatorische Leistungen. Und wo nicht Ueberfütterung
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die Möglichkeit, in zwangloser Art mit Menschen anzuknüpfen,
neue Bekannte zu finden.
Frauenklubs bestehen in Berlin (zwei), in Hannover,
Wiesbaden und Düsseldorf. Sie verdienten weit größere Ver-
breitung. Auch für die arbeitenden Klassen würden sie segens-
reich wirken. Aber bei allem warmen Empfinden für die
unteren Klassen die Zahl der alleinstehenden Frauen ist
fraglos in den gebildeten Ständen noch größer, und die Schran-
ken der Sitte und Konvention engen diese Frauen noch mehr
ein als die Arbeiterinnen. Darum sind Klubs für gebildete
Frauen besonders am Platze.
Sie geben zugleich – und dasselbe gilt von der Vereins-
arbeit –, falls sie nicht zu exklusiv gestaltet sind, Gelegenheit,
die Standesunterschiede zu verwischen, Frauen verschieden-
artigster Berufe und Gesellschaftsklassen zusammen zu bringen.
Es ist ein erfreuliches Zeichen von der Reinheit der Motive
der in der Frauenbewegung stehenden Frauen, daß bei ihnen
das Liebäugeln nach Rang und Titeln, das Sich-Beugen vor
Namen und Stand so gut wie gar keine Rolle spielt.
Die Persönlichkeit, der Mensch allein hat Bedeutung, gleich-
viel welchen Schichten des Volkes diese Persönlichkeit ent-
wachsen ist. Auch weniger gebildeten Frauen gegenüber ver-
stehen es viele der Frauenrechtlerinnen, einfach und natür-
lich zu bleiben, als Mensch zum Menschen zu sprechen, wahr-
haft Herz zum Herzen zu schaffen.
Aehnliches wie ein Klub, nur in beschränkter Weise,
bedeutet vielen Frauen die von Vereinen – übrigens auch
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Krukenberg, Elsbeth: Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung. Tübingen, 1905, S. 239. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/krukenberg_frauenbewegung_1905/249>, abgerufen am 11.09.2024.
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