wird ihnen damit genommen. Erlahmt der Unternehmergeist wegen immer steigender Ansprüche der Arbeiter, so finden nicht mehr, wie bisher, immer neue Hände Arbeit und Ver- dienst. Da wir aber als Außenstehende die jeweiligen Verhält- nisse nur schwer überschauen können, so ist ein darauflos Agi- tieren eine zu gewagte Sache. Wir können damit oft mehr Schaden bringen als Nutzen.
Ein anderes ist es - und dieser Weg scheint mir der einzig gegebene -, wenn wir zum ersten: die Arbeiterinnen an Eigen-Organisationnicht hindern, ihren Versuchen nach dieser Richtung hin vielmehr Jnteresse und Förderung er- zeigen, wo wir irgend können, ihnen unsere Sympathien auch öffentlich entgegenbringen, wenn wir, aber nur sofern wir orientiert und fachkundig sind, nach bestem Wissen zur Schaffung von Organisationen selbst mit Hand anlegen. Zum an- deren aber ist es Pflicht der Besitzenden,an das Gewissen ihrer eigenen Kreise zu rühren, Männer und Frauen zu veranlassen, freiwillig alles zu tun, was in ihren Kräften steht, um den Unterschied in Besitz und Bildung auszugleichen, auf gesetzlichen Arbeiterinnenschutz hinzuwirken, die Macht der Konsumenten zum Wohle der Arbeitenden zu nutzen. Wer Reich- tum nur als ein Pfund ansieht, mit dem er auch zu anderer Besten zu wuchern hat, ererbtes Gut als eine Gabe, die ihm nicht allein verliehen, sondern mit für andere anvertraut wurde, wer sich den Pflichten des Reichtums stets bewußt ist, der wird nicht auf Staatszwang warten müssen, um für seine arbeitenden Brü- der einzutreten. Tatchristentum kann man das nennen, aber auch in hohem Maße Jnteressenpolitik. Denn nur durch solche Ge- sinnung wird der Zwiespalt zwischen Oben und Unten überwun- den. Und nur wenn diese Gesinnung sich ausdehnt, werden wir auch Gesetze bekommen, die die Lasten in gerechterer Weise
Krukenberg, Frauenbewegung. 17
wird ihnen damit genommen. Erlahmt der Unternehmergeist wegen immer steigender Ansprüche der Arbeiter, so finden nicht mehr, wie bisher, immer neue Hände Arbeit und Ver- dienst. Da wir aber als Außenstehende die jeweiligen Verhält- nisse nur schwer überschauen können, so ist ein darauflos Agi- tieren eine zu gewagte Sache. Wir können damit oft mehr Schaden bringen als Nutzen.
Ein anderes ist es – und dieser Weg scheint mir der einzig gegebene –, wenn wir zum ersten: die Arbeiterinnen an Eigen-Organisationnicht hindern, ihren Versuchen nach dieser Richtung hin vielmehr Jnteresse und Förderung er- zeigen, wo wir irgend können, ihnen unsere Sympathien auch öffentlich entgegenbringen, wenn wir, aber nur sofern wir orientiert und fachkundig sind, nach bestem Wissen zur Schaffung von Organisationen selbst mit Hand anlegen. Zum an- deren aber ist es Pflicht der Besitzenden,an das Gewissen ihrer eigenen Kreise zu rühren, Männer und Frauen zu veranlassen, freiwillig alles zu tun, was in ihren Kräften steht, um den Unterschied in Besitz und Bildung auszugleichen, auf gesetzlichen Arbeiterinnenschutz hinzuwirken, die Macht der Konsumenten zum Wohle der Arbeitenden zu nutzen. Wer Reich- tum nur als ein Pfund ansieht, mit dem er auch zu anderer Besten zu wuchern hat, ererbtes Gut als eine Gabe, die ihm nicht allein verliehen, sondern mit für andere anvertraut wurde, wer sich den Pflichten des Reichtums stets bewußt ist, der wird nicht auf Staatszwang warten müssen, um für seine arbeitenden Brü- der einzutreten. Tatchristentum kann man das nennen, aber auch in hohem Maße Jnteressenpolitik. Denn nur durch solche Ge- sinnung wird der Zwiespalt zwischen Oben und Unten überwun- den. Und nur wenn diese Gesinnung sich ausdehnt, werden wir auch Gesetze bekommen, die die Lasten in gerechterer Weise
Krukenberg, Frauenbewegung. 17
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wird ihnen damit genommen. Erlahmt der Unternehmergeist
wegen immer steigender Ansprüche der Arbeiter, so finden
nicht mehr, wie bisher, immer neue Hände Arbeit und Ver-
dienst. Da wir aber als Außenstehende die jeweiligen Verhält-
nisse nur schwer überschauen können, so ist ein darauflos Agi-
tieren eine zu gewagte Sache. Wir können damit oft mehr
Schaden bringen als Nutzen.
Ein anderes ist es – und dieser Weg scheint mir der
einzig gegebene –, wenn wir zum ersten: die Arbeiterinnen
an Eigen-Organisationnicht hindern, ihren Versuchen
nach dieser Richtung hin vielmehr Jnteresse und Förderung er-
zeigen, wo wir irgend können, ihnen unsere Sympathien auch
öffentlich entgegenbringen, wenn wir, aber nur sofern wir
orientiert und fachkundig sind, nach bestem Wissen zur Schaffung
von Organisationen selbst mit Hand anlegen. Zum an-
deren aber ist es Pflicht der Besitzenden,an das Gewissen
ihrer eigenen Kreise zu rühren, Männer und Frauen
zu veranlassen, freiwillig alles zu tun, was in ihren Kräften
steht, um den Unterschied in Besitz und Bildung auszugleichen,
auf gesetzlichen Arbeiterinnenschutz hinzuwirken, die Macht der
Konsumenten zum Wohle der Arbeitenden zu nutzen. Wer Reich-
tum nur als ein Pfund ansieht, mit dem er auch zu anderer
Besten zu wuchern hat, ererbtes Gut als eine Gabe, die ihm nicht
allein verliehen, sondern mit für andere anvertraut wurde, wer
sich den Pflichten des Reichtums stets bewußt ist, der wird nicht
auf Staatszwang warten müssen, um für seine arbeitenden Brü-
der einzutreten. Tatchristentum kann man das nennen, aber auch
in hohem Maße Jnteressenpolitik. Denn nur durch solche Ge-
sinnung wird der Zwiespalt zwischen Oben und Unten überwun-
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Texte der ersten Frauenbewegung, betreut von Anna Pfundt und Thomas Gloning, JLU Gießen: Bereitstellung der Texttranskription.
(2017-11-13T13:59:15Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Anna Pfundt: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2015-08-20T13:59:15Z)
Anna Pfundt: Konvertierung nach DTA-Basisformat.
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Krukenberg, Elsbeth: Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung. Tübingen, 1905, S. 257. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/krukenberg_frauenbewegung_1905/267>, abgerufen am 11.09.2024.
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