und dazugehörig und ihnen nützlich und angenehm in der Welt ansehen. Der Gedanke, daß mit ihrem willkürlichen Sich-Gehen-Lassen jemals aufgeräumt werden könne, ist vielen Männern unbehaglich und störend. Sie wollen die Frauen nicht, wollen sie um so weniger, als es ja gerade Frauen sind, die sie sich als gute, weil hilflose Beute erküren.
Weil der Mann der Frauen Jnteressen nicht wahrt, dar- um müssen auch die Frauen, denen an formaler Gleichbe- rechtigung nichts liegt, das Wahlrecht verlangen. Schritt für Schritt sehen wir denn auch die Frauen sich diesem Ziele nähern.
Für das kirchliche Wahlrecht der Frauen tritt mit besonderem Nachdruck der deutsch-evangelische Frauen- bund ein. Seine Vorsitzende,Paula Müller, hat in muti- gen Worten öffentlich solches Recht für die Frauen gefordert, alle Gegeneinwendungen in klarer, sachlicher Weise wider- legend. Eine interessante Enquete "Wie urteilen Theologen über das kirchliche Stimmrecht der Frauen" hat der Verein für Frauenstimmrecht durch Martha Zietz veröffentlichen lassen. Auch auf der Versammlung der Freunde der Christ- lichen Welt (Basel 1904) gelangte das kirchliche Wahlrecht der Frau zur Besprechung. Pfarrer Güder, der Referent, trat warm dafür ein. Er widerlegt in seiner Schrift mit großem Geschick alles, was man gegen das kirchliche Wahlrecht der Frauen im speziellen, gegen das Frauenstimmrecht im allge- meinen einwenden kann. Daß die Frauen nur dann Beachtung ihrer Wünsche sich erzwingen werden, wenn sie auch das Wahl- recht besitzen, steht ihm fest. Für hochwichtige, ethisch-soziale Probleme, Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs, der Prostitution und dergl. wünscht er geradezu den Einfluß der Frau. Daß in einer auf Jesu Lehre gegründeten Gemeinde kein Unter- schied gemacht werden dürfte zwischen Mann und Weib, hält
und dazugehörig und ihnen nützlich und angenehm in der Welt ansehen. Der Gedanke, daß mit ihrem willkürlichen Sich-Gehen-Lassen jemals aufgeräumt werden könne, ist vielen Männern unbehaglich und störend. Sie wollen die Frauen nicht, wollen sie um so weniger, als es ja gerade Frauen sind, die sie sich als gute, weil hilflose Beute erküren.
Weil der Mann der Frauen Jnteressen nicht wahrt, dar- um müssen auch die Frauen, denen an formaler Gleichbe- rechtigung nichts liegt, das Wahlrecht verlangen. Schritt für Schritt sehen wir denn auch die Frauen sich diesem Ziele nähern.
Für das kirchliche Wahlrecht der Frauen tritt mit besonderem Nachdruck der deutsch-evangelische Frauen- bund ein. Seine Vorsitzende,Paula Müller, hat in muti- gen Worten öffentlich solches Recht für die Frauen gefordert, alle Gegeneinwendungen in klarer, sachlicher Weise wider- legend. Eine interessante Enquête „Wie urteilen Theologen über das kirchliche Stimmrecht der Frauen“ hat der Verein für Frauenstimmrecht durch Martha Zietz veröffentlichen lassen. Auch auf der Versammlung der Freunde der Christ- lichen Welt (Basel 1904) gelangte das kirchliche Wahlrecht der Frau zur Besprechung. Pfarrer Güder, der Referent, trat warm dafür ein. Er widerlegt in seiner Schrift mit großem Geschick alles, was man gegen das kirchliche Wahlrecht der Frauen im speziellen, gegen das Frauenstimmrecht im allge- meinen einwenden kann. Daß die Frauen nur dann Beachtung ihrer Wünsche sich erzwingen werden, wenn sie auch das Wahl- recht besitzen, steht ihm fest. Für hochwichtige, ethisch-soziale Probleme, Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs, der Prostitution und dergl. wünscht er geradezu den Einfluß der Frau. Daß in einer auf Jesu Lehre gegründeten Gemeinde kein Unter- schied gemacht werden dürfte zwischen Mann und Weib, hält
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0286"n="276"/>
und dazugehörig und ihnen nützlich und angenehm in der<lb/>
Welt ansehen. Der Gedanke, daß mit ihrem willkürlichen<lb/>
Sich-Gehen-Lassen jemals aufgeräumt werden könne, ist vielen<lb/>
Männern unbehaglich und störend. Sie wollen die Frauen<lb/>
nicht, wollen sie um so weniger, als es ja gerade <hirendition="#g">Frauen</hi><lb/>
sind, die sie sich als gute, weil hilflose Beute erküren.</p><lb/><p>Weil der Mann der Frauen Jnteressen nicht wahrt, dar-<lb/>
um müssen auch <hirendition="#g">die</hi> Frauen, denen an formaler Gleichbe-<lb/>
rechtigung nichts liegt, das Wahlrecht verlangen. Schritt für<lb/>
Schritt sehen wir denn auch die Frauen sich diesem Ziele nähern.</p><lb/><p>Für das <hirendition="#g">kirchliche Wahlrecht</hi> der Frauen tritt mit<lb/>
besonderem Nachdruck der <hirendition="#g">deutsch-evangelische Frauen-<lb/>
bund</hi> ein. Seine Vorsitzende,<hirendition="#g">Paula Müller</hi>, hat in muti-<lb/>
gen Worten öffentlich solches Recht für die Frauen gefordert,<lb/>
alle Gegeneinwendungen in klarer, sachlicher Weise wider-<lb/>
legend. Eine interessante Enqu<hirendition="#aq">ê</hi>te „Wie urteilen Theologen<lb/>
über das kirchliche Stimmrecht der Frauen“ hat der <hirendition="#g">Verein<lb/>
für Frauenstimmrecht</hi> durch <hirendition="#g">Martha Zietz</hi> veröffentlichen<lb/>
lassen. Auch auf der Versammlung der Freunde der Christ-<lb/>
lichen Welt (Basel 1904) gelangte das kirchliche Wahlrecht der<lb/>
Frau zur Besprechung. Pfarrer <hirendition="#g">Güder</hi>, der Referent, trat<lb/>
warm dafür ein. Er widerlegt in seiner Schrift mit großem<lb/>
Geschick alles, was man gegen das kirchliche Wahlrecht der<lb/>
Frauen im speziellen, gegen das Frauenstimmrecht im allge-<lb/>
meinen einwenden kann. Daß die Frauen nur dann Beachtung<lb/>
ihrer Wünsche sich erzwingen werden, wenn sie auch das Wahl-<lb/>
recht besitzen, steht ihm fest. Für hochwichtige, ethisch-soziale<lb/>
Probleme, Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs, der Prostitution<lb/>
und dergl. wünscht er geradezu den Einfluß der Frau. Daß<lb/>
in einer auf Jesu Lehre gegründeten Gemeinde kein Unter-<lb/>
schied gemacht werden dürfte zwischen Mann und Weib, hält<lb/></p></div></body></text></TEI>
[276/0286]
und dazugehörig und ihnen nützlich und angenehm in der
Welt ansehen. Der Gedanke, daß mit ihrem willkürlichen
Sich-Gehen-Lassen jemals aufgeräumt werden könne, ist vielen
Männern unbehaglich und störend. Sie wollen die Frauen
nicht, wollen sie um so weniger, als es ja gerade Frauen
sind, die sie sich als gute, weil hilflose Beute erküren.
Weil der Mann der Frauen Jnteressen nicht wahrt, dar-
um müssen auch die Frauen, denen an formaler Gleichbe-
rechtigung nichts liegt, das Wahlrecht verlangen. Schritt für
Schritt sehen wir denn auch die Frauen sich diesem Ziele nähern.
Für das kirchliche Wahlrecht der Frauen tritt mit
besonderem Nachdruck der deutsch-evangelische Frauen-
bund ein. Seine Vorsitzende,Paula Müller, hat in muti-
gen Worten öffentlich solches Recht für die Frauen gefordert,
alle Gegeneinwendungen in klarer, sachlicher Weise wider-
legend. Eine interessante Enquête „Wie urteilen Theologen
über das kirchliche Stimmrecht der Frauen“ hat der Verein
für Frauenstimmrecht durch Martha Zietz veröffentlichen
lassen. Auch auf der Versammlung der Freunde der Christ-
lichen Welt (Basel 1904) gelangte das kirchliche Wahlrecht der
Frau zur Besprechung. Pfarrer Güder, der Referent, trat
warm dafür ein. Er widerlegt in seiner Schrift mit großem
Geschick alles, was man gegen das kirchliche Wahlrecht der
Frauen im speziellen, gegen das Frauenstimmrecht im allge-
meinen einwenden kann. Daß die Frauen nur dann Beachtung
ihrer Wünsche sich erzwingen werden, wenn sie auch das Wahl-
recht besitzen, steht ihm fest. Für hochwichtige, ethisch-soziale
Probleme, Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs, der Prostitution
und dergl. wünscht er geradezu den Einfluß der Frau. Daß
in einer auf Jesu Lehre gegründeten Gemeinde kein Unter-
schied gemacht werden dürfte zwischen Mann und Weib, hält
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
Weitere Informationen …
Texte der ersten Frauenbewegung, betreut von Anna Pfundt und Thomas Gloning, JLU Gießen: Bereitstellung der Texttranskription.
(2017-11-13T13:59:15Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Anna Pfundt: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2015-08-20T13:59:15Z)
Anna Pfundt: Konvertierung nach DTA-Basisformat.
(2015-08-06T11:00:00Z)
Weitere Informationen:
Verfahren der Texterfassung: OCR mit Nachkorrektur.
Bogensignaturen: gekennzeichnet;
Druckfehler: gekennzeichnet;
fremdsprachliches Material: keine Angabe;
Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe;
Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage;
i/j in Fraktur: keine Angabe;
I/J in Fraktur: wie Vorlage;
Kolumnentitel: keine Angabe;
Kustoden: wie Vorlage;
langes s (ſ): als s transkribiert;
Normalisierungen: keine Angabe;
rundes r (ꝛ): keine Angabe;
Seitenumbrüche markiert: ja;
Silbentrennung: wie Vorlage;
u/v bzw. U/V: keine Angabe;
Vokale mit übergest. e: keine Angabe;
Vollständigkeit: vollständig erfasst;
Zeichensetzung: keine Angabe;
Zeilenumbrüche markiert: ja;
Krukenberg, Elsbeth: Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung. Tübingen, 1905, S. 276. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/krukenberg_frauenbewegung_1905/286>, abgerufen am 11.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.