hinzielenden sozialen Ausgaben, die der Lehrerin an der hö- hern Mädchenschule zuerst häufig fern lagen, in das Bereich der Vereinsarbeit gerückt.
Von ganz besonderer Bedeutung aber - und das erklärt die eingehende Behandlung, die ich im Gegensatz zu der Ar- beit anderer großer Frauen-Berufsgenossenschaften dem Wirken des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins in meinen Aus- führungen zu teil werden lasse - war es, daß von vornher- ein die Lehrerinnen nicht um ihrer Eigeninteressen willen, nicht nur um ihren Stand angesehener zu machen, um ihre Berufsbildung zu vertiefen, sich zusammenschloßen. Von vorn- herein sahen ihre Führerinnen die Bedeutung der Lehrerinnenbewegung darin, daß durch die Hebung des Lehrerinnenstandes zugleich auf die Entwicklung der gesamten weiblichen Jugend Einfluß geübt wer- den könne. Dieser Einfluß mußte um so bedeutsamer wer- den, je umfassender die schon oben erwähnte Forderung vermehrter Einstellung von Lehrerinnen in öffentlichen und privaten Schulen zur Durchführung gelangte. Von der Sehn- sucht erfüllt, unserm deutschen Volke Frauen und Mütter zu schaffen, die - wie Luise Otto-Peters, die Gründerin des Allg. Dtsch. Frauenvereins, das einst als Ziel der Frauenbe- wegung hingestellt hatte - "gleich den Männern ihrer Hei- mat wert sich zeigen", traten die Lehrerinnen in den Kampf um eigene Höherentwicklung ein. Sich selbst wollten sie schulen, um dadurch zu Erzieherinnen zu werden, wie das heranwach- sende Frauengeschlecht sie brauchte. Das gesamte Gebiet der Frauenbildung unterzogen sie - oft in bewußtem Gegensatz zu den bis dahin allein herrschenden männlichen Anschauungen - einer Prüfung vom Standpunkt der Frau aus, da sie sich als Frauen berufen und befähigt fühlten, über die Her-
hinzielenden sozialen Ausgaben, die der Lehrerin an der hö- hern Mädchenschule zuerst häufig fern lagen, in das Bereich der Vereinsarbeit gerückt.
Von ganz besonderer Bedeutung aber – und das erklärt die eingehende Behandlung, die ich im Gegensatz zu der Ar- beit anderer großer Frauen-Berufsgenossenschaften dem Wirken des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins in meinen Aus- führungen zu teil werden lasse – war es, daß von vornher- ein die Lehrerinnen nicht um ihrer Eigeninteressen willen, nicht nur um ihren Stand angesehener zu machen, um ihre Berufsbildung zu vertiefen, sich zusammenschloßen. Von vorn- herein sahen ihre Führerinnen die Bedeutung der Lehrerinnenbewegung darin, daß durch die Hebung des Lehrerinnenstandes zugleich auf die Entwicklung der gesamten weiblichen Jugend Einfluß geübt wer- den könne. Dieser Einfluß mußte um so bedeutsamer wer- den, je umfassender die schon oben erwähnte Forderung vermehrter Einstellung von Lehrerinnen in öffentlichen und privaten Schulen zur Durchführung gelangte. Von der Sehn- sucht erfüllt, unserm deutschen Volke Frauen und Mütter zu schaffen, die – wie Luise Otto-Peters, die Gründerin des Allg. Dtsch. Frauenvereins, das einst als Ziel der Frauenbe- wegung hingestellt hatte – „gleich den Männern ihrer Hei- mat wert sich zeigen“, traten die Lehrerinnen in den Kampf um eigene Höherentwicklung ein. Sich selbst wollten sie schulen, um dadurch zu Erzieherinnen zu werden, wie das heranwach- sende Frauengeschlecht sie brauchte. Das gesamte Gebiet der Frauenbildung unterzogen sie – oft in bewußtem Gegensatz zu den bis dahin allein herrschenden männlichen Anschauungen – einer Prüfung vom Standpunkt der Frau aus, da sie sich als Frauen berufen und befähigt fühlten, über die Her-
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0056"n="46"/>
hinzielenden sozialen Ausgaben, die der Lehrerin an der hö-<lb/>
hern Mädchenschule zuerst häufig fern lagen, in das Bereich<lb/>
der Vereinsarbeit gerückt.</p><lb/><p>Von ganz besonderer Bedeutung aber – und das erklärt<lb/>
die eingehende Behandlung, die ich im Gegensatz zu der Ar-<lb/>
beit anderer großer Frauen-Berufsgenossenschaften dem Wirken<lb/>
des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins in meinen Aus-<lb/>
führungen zu teil werden lasse – war es, daß von vornher-<lb/>
ein die Lehrerinnen nicht um ihrer Eigeninteressen willen,<lb/>
nicht nur um ihren Stand angesehener zu machen, um ihre<lb/>
Berufsbildung zu vertiefen, sich zusammenschloßen. <hirendition="#g">Von vorn-<lb/>
herein sahen ihre Führerinnen die Bedeutung der<lb/>
Lehrerinnenbewegung darin, daß durch die Hebung<lb/>
des Lehrerinnenstandes zugleich auf die Entwicklung<lb/>
der gesamten weiblichen Jugend Einfluß geübt wer-<lb/>
den könne</hi>. Dieser Einfluß mußte um so bedeutsamer wer-<lb/>
den, je umfassender die schon oben erwähnte Forderung<lb/>
vermehrter Einstellung von Lehrerinnen in öffentlichen und<lb/>
privaten Schulen zur Durchführung gelangte. Von der Sehn-<lb/>
sucht erfüllt, unserm deutschen Volke Frauen und Mütter zu<lb/>
schaffen, die – wie <hirendition="#g">Luise Otto-Peters</hi>, die Gründerin des<lb/>
Allg. Dtsch. Frauenvereins, das einst als Ziel der Frauenbe-<lb/>
wegung hingestellt hatte –„gleich den Männern ihrer Hei-<lb/>
mat wert sich zeigen“, traten die Lehrerinnen in den Kampf<lb/>
um eigene Höherentwicklung ein. Sich selbst wollten sie schulen,<lb/>
um dadurch zu Erzieherinnen zu werden, wie das heranwach-<lb/>
sende Frauengeschlecht sie brauchte. Das gesamte Gebiet der<lb/>
Frauenbildung unterzogen sie – oft in bewußtem Gegensatz<lb/>
zu den bis dahin allein herrschenden männlichen Anschauungen<lb/>– einer Prüfung <hirendition="#g">vom Standpunkt der Frau aus</hi>, da sie<lb/>
sich als <hirendition="#g">Frauen</hi> berufen und befähigt fühlten, über die Her-<lb/></p></div></body></text></TEI>
[46/0056]
hinzielenden sozialen Ausgaben, die der Lehrerin an der hö-
hern Mädchenschule zuerst häufig fern lagen, in das Bereich
der Vereinsarbeit gerückt.
Von ganz besonderer Bedeutung aber – und das erklärt
die eingehende Behandlung, die ich im Gegensatz zu der Ar-
beit anderer großer Frauen-Berufsgenossenschaften dem Wirken
des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins in meinen Aus-
führungen zu teil werden lasse – war es, daß von vornher-
ein die Lehrerinnen nicht um ihrer Eigeninteressen willen,
nicht nur um ihren Stand angesehener zu machen, um ihre
Berufsbildung zu vertiefen, sich zusammenschloßen. Von vorn-
herein sahen ihre Führerinnen die Bedeutung der
Lehrerinnenbewegung darin, daß durch die Hebung
des Lehrerinnenstandes zugleich auf die Entwicklung
der gesamten weiblichen Jugend Einfluß geübt wer-
den könne. Dieser Einfluß mußte um so bedeutsamer wer-
den, je umfassender die schon oben erwähnte Forderung
vermehrter Einstellung von Lehrerinnen in öffentlichen und
privaten Schulen zur Durchführung gelangte. Von der Sehn-
sucht erfüllt, unserm deutschen Volke Frauen und Mütter zu
schaffen, die – wie Luise Otto-Peters, die Gründerin des
Allg. Dtsch. Frauenvereins, das einst als Ziel der Frauenbe-
wegung hingestellt hatte – „gleich den Männern ihrer Hei-
mat wert sich zeigen“, traten die Lehrerinnen in den Kampf
um eigene Höherentwicklung ein. Sich selbst wollten sie schulen,
um dadurch zu Erzieherinnen zu werden, wie das heranwach-
sende Frauengeschlecht sie brauchte. Das gesamte Gebiet der
Frauenbildung unterzogen sie – oft in bewußtem Gegensatz
zu den bis dahin allein herrschenden männlichen Anschauungen
– einer Prüfung vom Standpunkt der Frau aus, da sie
sich als Frauen berufen und befähigt fühlten, über die Her-
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
Weitere Informationen …
Texte der ersten Frauenbewegung, betreut von Anna Pfundt und Thomas Gloning, JLU Gießen: Bereitstellung der Texttranskription.
(2017-11-13T13:59:15Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Anna Pfundt: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2015-08-20T13:59:15Z)
Anna Pfundt: Konvertierung nach DTA-Basisformat.
(2015-08-06T11:00:00Z)
Weitere Informationen:
Verfahren der Texterfassung: OCR mit Nachkorrektur.
Bogensignaturen: gekennzeichnet;
Druckfehler: gekennzeichnet;
fremdsprachliches Material: keine Angabe;
Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe;
Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage;
i/j in Fraktur: keine Angabe;
I/J in Fraktur: wie Vorlage;
Kolumnentitel: keine Angabe;
Kustoden: wie Vorlage;
langes s (ſ): als s transkribiert;
Normalisierungen: keine Angabe;
rundes r (ꝛ): keine Angabe;
Seitenumbrüche markiert: ja;
Silbentrennung: wie Vorlage;
u/v bzw. U/V: keine Angabe;
Vokale mit übergest. e: keine Angabe;
Vollständigkeit: vollständig erfasst;
Zeichensetzung: keine Angabe;
Zeilenumbrüche markiert: ja;
Krukenberg, Elsbeth: Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung. Tübingen, 1905, S. 46. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/krukenberg_frauenbewegung_1905/56>, abgerufen am 11.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.