war eine Schrift von Mathilde Weber-Tübingen über die Notwendigkeit weiblicher Aerzte als Begleitschrift hinzuge- fügt und Helene Langes schon im vorigen Abschnitt er- wähnte Schrift "Frauenbildung".
Mathilde Weber wies in ihrer Schrift darauf hin, wie dringend erwünscht es sei, den Frauen die Möglichkeit zu geben, weiblicheFrauenärzte um Rat und Hilfe auf- zusuchen, sie betonte mit warmen Worten, wieviele Frauen elend dahinsiechten, unter Qualen ihren Tod fänden, nur weil sie sich nicht rechtzeitig überwinden könnten, sich von einem männlichen Arzte untersuchen zu lassen. - Helene Lange berührte dieselbe Seite der Frage, ging dann auf den Lehr- beruf speziell ein, gab schließlich einen Ueberblick über den Stand des Frauenstudiums in den verschiedenen Kulturländern. Sie legte dar, wie - von Ungarn (wo damals ein Minister hindernd im Wege stand) und der Türkei abgesehen - Deutsch- land das einzige europäische Land sei, das den Frauen seine Hochschulen verschließe. Sie beklagte lebhaft, daß deutsche Frauen, um studieren zu können, genötigt seien, ins Ausland zu gehen, das - gerechter, weitherziger als das Land der Denker und Dichter - dem weiblichen Geschlechte die höchsten geistigen Güter der Nation nicht mißgünstig, neidisch vorenthalte.
Die Forderung der Frauen, zum Universitätsstudium zu- gelassen zu werden, entfesselte einen Sturm der Entrüstung. Ge- lehrte traten auf, ihre heiligsten Güter mit flammenden Worten zu verteidigen. Die Minderwertigkeit des Frauengehirns, die körperliche und geistige Schwäche der Frau, die verderblichen Folgen des Eindringens von Frauen auf den Hochschulen für unsere Studenten und umgekehrt wieder die Unmöglichkeit, gebildete Frauen mit diesen Studenten in einem Hörsaal in Be- rührung zu bringen, das alles wurde ausführlich dargelegt. Man
war eine Schrift von Mathilde Weber-Tübingen über die Notwendigkeit weiblicher Aerzte als Begleitschrift hinzuge- fügt und Helene Langes schon im vorigen Abschnitt er- wähnte Schrift „Frauenbildung“.
Mathilde Weber wies in ihrer Schrift darauf hin, wie dringend erwünscht es sei, den Frauen die Möglichkeit zu geben, weiblicheFrauenärzte um Rat und Hilfe auf- zusuchen, sie betonte mit warmen Worten, wieviele Frauen elend dahinsiechten, unter Qualen ihren Tod fänden, nur weil sie sich nicht rechtzeitig überwinden könnten, sich von einem männlichen Arzte untersuchen zu lassen. – Helene Lange berührte dieselbe Seite der Frage, ging dann auf den Lehr- beruf speziell ein, gab schließlich einen Ueberblick über den Stand des Frauenstudiums in den verschiedenen Kulturländern. Sie legte dar, wie – von Ungarn (wo damals ein Minister hindernd im Wege stand) und der Türkei abgesehen – Deutsch- land das einzige europäische Land sei, das den Frauen seine Hochschulen verschließe. Sie beklagte lebhaft, daß deutsche Frauen, um studieren zu können, genötigt seien, ins Ausland zu gehen, das – gerechter, weitherziger als das Land der Denker und Dichter – dem weiblichen Geschlechte die höchsten geistigen Güter der Nation nicht mißgünstig, neidisch vorenthalte.
Die Forderung der Frauen, zum Universitätsstudium zu- gelassen zu werden, entfesselte einen Sturm der Entrüstung. Ge- lehrte traten auf, ihre heiligsten Güter mit flammenden Worten zu verteidigen. Die Minderwertigkeit des Frauengehirns, die körperliche und geistige Schwäche der Frau, die verderblichen Folgen des Eindringens von Frauen auf den Hochschulen für unsere Studenten und umgekehrt wieder die Unmöglichkeit, gebildete Frauen mit diesen Studenten in einem Hörsaal in Be- rührung zu bringen, das alles wurde ausführlich dargelegt. Man
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0080"n="70"/>
war eine Schrift von <hirendition="#g">Mathilde Weber</hi>-Tübingen über<lb/>
die Notwendigkeit weiblicher Aerzte als Begleitschrift hinzuge-<lb/>
fügt und <hirendition="#g">Helene Langes</hi> schon im vorigen Abschnitt er-<lb/>
wähnte Schrift „Frauenbildung“.</p><lb/><p><hirendition="#g">Mathilde Weber</hi> wies in ihrer Schrift darauf hin,<lb/>
wie dringend erwünscht es sei, den Frauen die Möglichkeit<lb/>
zu geben, <hirendition="#g">weibliche</hi>Frauenärzte um Rat und Hilfe auf-<lb/>
zusuchen, sie betonte mit warmen Worten, wieviele Frauen<lb/>
elend dahinsiechten, unter Qualen ihren Tod fänden, nur weil<lb/>
sie sich nicht rechtzeitig überwinden könnten, sich von einem<lb/>
männlichen Arzte untersuchen zu lassen. –<hirendition="#g">Helene Lange</hi><lb/>
berührte dieselbe Seite der Frage, ging dann auf den Lehr-<lb/>
beruf speziell ein, gab schließlich einen Ueberblick über den<lb/>
Stand des Frauenstudiums in den verschiedenen Kulturländern.<lb/>
Sie legte dar, wie – von Ungarn (wo damals ein Minister<lb/>
hindernd im Wege stand) und der Türkei abgesehen – Deutsch-<lb/>
land das einzige europäische Land sei, das den Frauen seine<lb/>
Hochschulen verschließe. Sie beklagte lebhaft, daß deutsche<lb/>
Frauen, um studieren zu können, genötigt seien, ins Ausland<lb/>
zu gehen, das – gerechter, weitherziger als das Land der<lb/>
Denker und Dichter – dem weiblichen Geschlechte die höchsten<lb/>
geistigen Güter der Nation nicht mißgünstig, neidisch vorenthalte.</p><lb/><p>Die Forderung der Frauen, zum Universitätsstudium zu-<lb/>
gelassen zu werden, entfesselte einen Sturm der Entrüstung. Ge-<lb/>
lehrte traten auf, ihre heiligsten Güter mit flammenden Worten<lb/>
zu verteidigen. Die Minderwertigkeit des Frauengehirns, die<lb/>
körperliche und geistige Schwäche der Frau, die verderblichen<lb/>
Folgen des Eindringens von Frauen auf den Hochschulen für<lb/>
unsere Studenten und umgekehrt wieder die Unmöglichkeit,<lb/>
gebildete Frauen mit diesen Studenten in einem Hörsaal in Be-<lb/>
rührung zu bringen, das alles wurde ausführlich dargelegt. Man<lb/></p></div></body></text></TEI>
[70/0080]
war eine Schrift von Mathilde Weber-Tübingen über
die Notwendigkeit weiblicher Aerzte als Begleitschrift hinzuge-
fügt und Helene Langes schon im vorigen Abschnitt er-
wähnte Schrift „Frauenbildung“.
Mathilde Weber wies in ihrer Schrift darauf hin,
wie dringend erwünscht es sei, den Frauen die Möglichkeit
zu geben, weiblicheFrauenärzte um Rat und Hilfe auf-
zusuchen, sie betonte mit warmen Worten, wieviele Frauen
elend dahinsiechten, unter Qualen ihren Tod fänden, nur weil
sie sich nicht rechtzeitig überwinden könnten, sich von einem
männlichen Arzte untersuchen zu lassen. – Helene Lange
berührte dieselbe Seite der Frage, ging dann auf den Lehr-
beruf speziell ein, gab schließlich einen Ueberblick über den
Stand des Frauenstudiums in den verschiedenen Kulturländern.
Sie legte dar, wie – von Ungarn (wo damals ein Minister
hindernd im Wege stand) und der Türkei abgesehen – Deutsch-
land das einzige europäische Land sei, das den Frauen seine
Hochschulen verschließe. Sie beklagte lebhaft, daß deutsche
Frauen, um studieren zu können, genötigt seien, ins Ausland
zu gehen, das – gerechter, weitherziger als das Land der
Denker und Dichter – dem weiblichen Geschlechte die höchsten
geistigen Güter der Nation nicht mißgünstig, neidisch vorenthalte.
Die Forderung der Frauen, zum Universitätsstudium zu-
gelassen zu werden, entfesselte einen Sturm der Entrüstung. Ge-
lehrte traten auf, ihre heiligsten Güter mit flammenden Worten
zu verteidigen. Die Minderwertigkeit des Frauengehirns, die
körperliche und geistige Schwäche der Frau, die verderblichen
Folgen des Eindringens von Frauen auf den Hochschulen für
unsere Studenten und umgekehrt wieder die Unmöglichkeit,
gebildete Frauen mit diesen Studenten in einem Hörsaal in Be-
rührung zu bringen, das alles wurde ausführlich dargelegt. Man
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
Weitere Informationen …
Texte der ersten Frauenbewegung, betreut von Anna Pfundt und Thomas Gloning, JLU Gießen: Bereitstellung der Texttranskription.
(2017-11-13T13:59:15Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Anna Pfundt: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2015-08-20T13:59:15Z)
Anna Pfundt: Konvertierung nach DTA-Basisformat.
(2015-08-06T11:00:00Z)
Weitere Informationen:
Verfahren der Texterfassung: OCR mit Nachkorrektur.
Bogensignaturen: gekennzeichnet;
Druckfehler: gekennzeichnet;
fremdsprachliches Material: keine Angabe;
Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe;
Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage;
i/j in Fraktur: keine Angabe;
I/J in Fraktur: wie Vorlage;
Kolumnentitel: keine Angabe;
Kustoden: wie Vorlage;
langes s (ſ): als s transkribiert;
Normalisierungen: keine Angabe;
rundes r (ꝛ): keine Angabe;
Seitenumbrüche markiert: ja;
Silbentrennung: wie Vorlage;
u/v bzw. U/V: keine Angabe;
Vokale mit übergest. e: keine Angabe;
Vollständigkeit: vollständig erfasst;
Zeichensetzung: keine Angabe;
Zeilenumbrüche markiert: ja;
Krukenberg, Elsbeth: Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung. Tübingen, 1905, S. 70. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/krukenberg_frauenbewegung_1905/80>, abgerufen am 11.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.