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Laband, Paul: Das Staatsrecht des Deutschen Reiches. Bd. 3, Abt. 2. Freiburg (Breisgau) u. a., 1882.

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§. 99. Die Gerichtsbarkeit des Reichs.
haltene Zeitbeschränkung auf die Dauer von 5 Jahren ist aufge-
hoben worden durch das Reichsgesetz v. 5. Juni 1880 (R.G.Bl.
S. 145) und die auf Grund desselben erlassene Kaiserl. Verordn.
v. 23. Dezemb. 1880 (R.G.Bl. S. 192).

Hinsichtlich der der Gerichtsbarkeit unterworfenen Personen
ist die Konsulargerichtsbarkeit beschränkt auf die in den Konsular-
gerichtsbezirken wohnenden oder sich aufhaltenden Reichsangehörigen
und Schutzgenossen 1).

In sachlicher Beziehung erstreckt sich die Gerichtsbarkeit der
Konsulargerichte in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten auf alle Pro-
zesse, welche nach dem Gerichtsverf.Gesetz und der Konkursordnung
den Amtsgerichten und Landgerichten zugewiesen sind, in Straf-
sachen auf alle Fälle, welche zur Kompetenz der Schöffengerichte
und Strafkammern gehören 2). Ist die strafbare Handlung ein zur
Zuständigkeit des Reichsgerichts oder der Schwurgerichte gehöriges
Verbrechen, so hat der Konsul die zur Strafverfolgung erforder-
lichen Sicherheitsmaßregeln zu treffen, sowie die Untersuchungs-
handlungen, in Ansehung deren Gefahr im Verzug obwaltet, vor-
zunehmen 3).

b) Die Marine-Strafgerichte. Vergl. darüber oben
Bd. I S. 369 und Bd. III. 1. S. 134. 253 ff.

2. Die Gerichtsbarkeit des Reichsgerichts in an-
dern Angelegenheiten als in bürgerlichen Rechts-
streitigkeiten und Strafsachen
.
a) Das Reichsgericht entscheidet über die Berufung gegen Er-
kenntnisse des Patentamtes im Verfahren wegen Erklärung der
Nichtigkeit oder wegen Zurücknahme eines Patents 4).
b) Die disciplinarischen Befugnisse des Reichs-Ober-
handelsgerichts sind auf das Reichsgericht übergegangen 5).
c) Das Reichsgericht ist zuständig zur Entscheidung der ihm
1) Konsulargerichtsbark.Ges. §. 1 Abs. 2. Ueber den Begriff der Schutz-
genossen vgl. Bd. II. S. 272 ff.
2) Konsulargerichtsbark.Ges. §. 12 Abs. 1.
3) ebendas. §. 31.
4) Patentges. §. 32. (Vgl. Bd. II. S. 487.) Reichsges. v. 16. Juni 1879
§. 1. (R.G.Bl. S. 157.)
5) Reichsges. v. 16. Juni 1879 §. 1. (R.G.Bl. S. 157.) Vgl. auch Rechts-
anwalts-Ordn. §. 90. (Ehrengerichtshof. Siehe unten §. 103.)
Laband, Reichsstaatsrecht. III. 2. 5

§. 99. Die Gerichtsbarkeit des Reichs.
haltene Zeitbeſchränkung auf die Dauer von 5 Jahren iſt aufge-
hoben worden durch das Reichsgeſetz v. 5. Juni 1880 (R.G.Bl.
S. 145) und die auf Grund deſſelben erlaſſene Kaiſerl. Verordn.
v. 23. Dezemb. 1880 (R.G.Bl. S. 192).

Hinſichtlich der der Gerichtsbarkeit unterworfenen Perſonen
iſt die Konſulargerichtsbarkeit beſchränkt auf die in den Konſular-
gerichtsbezirken wohnenden oder ſich aufhaltenden Reichsangehörigen
und Schutzgenoſſen 1).

In ſachlicher Beziehung erſtreckt ſich die Gerichtsbarkeit der
Konſulargerichte in bürgerlichen Rechtsſtreitigkeiten auf alle Pro-
zeſſe, welche nach dem Gerichtsverf.Geſetz und der Konkursordnung
den Amtsgerichten und Landgerichten zugewieſen ſind, in Straf-
ſachen auf alle Fälle, welche zur Kompetenz der Schöffengerichte
und Strafkammern gehören 2). Iſt die ſtrafbare Handlung ein zur
Zuſtändigkeit des Reichsgerichts oder der Schwurgerichte gehöriges
Verbrechen, ſo hat der Konſul die zur Strafverfolgung erforder-
lichen Sicherheitsmaßregeln zu treffen, ſowie die Unterſuchungs-
handlungen, in Anſehung deren Gefahr im Verzug obwaltet, vor-
zunehmen 3).

b) Die Marine-Strafgerichte. Vergl. darüber oben
Bd. I S. 369 und Bd. III. 1. S. 134. 253 ff.

2. Die Gerichtsbarkeit des Reichsgerichts in an-
dern Angelegenheiten als in bürgerlichen Rechts-
ſtreitigkeiten und Strafſachen
.
a) Das Reichsgericht entſcheidet über die Berufung gegen Er-
kenntniſſe des Patentamtes im Verfahren wegen Erklärung der
Nichtigkeit oder wegen Zurücknahme eines Patents 4).
b) Die disciplinariſchen Befugniſſe des Reichs-Ober-
handelsgerichts ſind auf das Reichsgericht übergegangen 5).
c) Das Reichsgericht iſt zuſtändig zur Entſcheidung der ihm
1) Konſulargerichtsbark.Geſ. §. 1 Abſ. 2. Ueber den Begriff der Schutz-
genoſſen vgl. Bd. II. S. 272 ff.
2) Konſulargerichtsbark.Geſ. §. 12 Abſ. 1.
3) ebendaſ. §. 31.
4) Patentgeſ. §. 32. (Vgl. Bd. II. S. 487.) Reichsgeſ. v. 16. Juni 1879
§. 1. (R.G.Bl. S. 157.)
5) Reichsgeſ. v. 16. Juni 1879 §. 1. (R.G.Bl. S. 157.) Vgl. auch Rechts-
anwalts-Ordn. §. 90. (Ehrengerichtshof. Siehe unten §. 103.)
Laband, Reichsſtaatsrecht. III. 2. 5
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[65/0075] §. 99. Die Gerichtsbarkeit des Reichs. haltene Zeitbeſchränkung auf die Dauer von 5 Jahren iſt aufge- hoben worden durch das Reichsgeſetz v. 5. Juni 1880 (R.G.Bl. S. 145) und die auf Grund deſſelben erlaſſene Kaiſerl. Verordn. v. 23. Dezemb. 1880 (R.G.Bl. S. 192). Hinſichtlich der der Gerichtsbarkeit unterworfenen Perſonen iſt die Konſulargerichtsbarkeit beſchränkt auf die in den Konſular- gerichtsbezirken wohnenden oder ſich aufhaltenden Reichsangehörigen und Schutzgenoſſen 1). In ſachlicher Beziehung erſtreckt ſich die Gerichtsbarkeit der Konſulargerichte in bürgerlichen Rechtsſtreitigkeiten auf alle Pro- zeſſe, welche nach dem Gerichtsverf.Geſetz und der Konkursordnung den Amtsgerichten und Landgerichten zugewieſen ſind, in Straf- ſachen auf alle Fälle, welche zur Kompetenz der Schöffengerichte und Strafkammern gehören 2). Iſt die ſtrafbare Handlung ein zur Zuſtändigkeit des Reichsgerichts oder der Schwurgerichte gehöriges Verbrechen, ſo hat der Konſul die zur Strafverfolgung erforder- lichen Sicherheitsmaßregeln zu treffen, ſowie die Unterſuchungs- handlungen, in Anſehung deren Gefahr im Verzug obwaltet, vor- zunehmen 3). b) Die Marine-Strafgerichte. Vergl. darüber oben Bd. I S. 369 und Bd. III. 1. S. 134. 253 ff. 2. Die Gerichtsbarkeit des Reichsgerichts in an- dern Angelegenheiten als in bürgerlichen Rechts- ſtreitigkeiten und Strafſachen. a) Das Reichsgericht entſcheidet über die Berufung gegen Er- kenntniſſe des Patentamtes im Verfahren wegen Erklärung der Nichtigkeit oder wegen Zurücknahme eines Patents 4). b) Die disciplinariſchen Befugniſſe des Reichs-Ober- handelsgerichts ſind auf das Reichsgericht übergegangen 5). c) Das Reichsgericht iſt zuſtändig zur Entſcheidung der ihm 1) Konſulargerichtsbark.Geſ. §. 1 Abſ. 2. Ueber den Begriff der Schutz- genoſſen vgl. Bd. II. S. 272 ff. 2) Konſulargerichtsbark.Geſ. §. 12 Abſ. 1. 3) ebendaſ. §. 31. 4) Patentgeſ. §. 32. (Vgl. Bd. II. S. 487.) Reichsgeſ. v. 16. Juni 1879 §. 1. (R.G.Bl. S. 157.) 5) Reichsgeſ. v. 16. Juni 1879 §. 1. (R.G.Bl. S. 157.) Vgl. auch Rechts- anwalts-Ordn. §. 90. (Ehrengerichtshof. Siehe unten §. 103.) Laband, Reichsſtaatsrecht. III. 2. 5

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Zitationshilfe: Laband, Paul: Das Staatsrecht des Deutschen Reiches. Bd. 3, Abt. 2. Freiburg (Breisgau) u. a., 1882, S. 65. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laband_staatsrecht0302_1882/75>, abgerufen am 15.04.2021.