[Spaltenumbruch]
Denn fehlet es an dem rechten Vorbilde der Leh- re; so hat das Vorbild oder der Erweis der guten Wercke keinen rechten Grund und keine richtige Vorschrift. Fehlet es aber an der Ubung guter Wercke in der Liebe, so ist auch kein Glaube da: ist aber kein Glaube da im Hertzen, so stehet das Vorbild der Lehre zwar in der heiligen Schrift und in den derselben gemässen guten Büchern; aber es hat keine Wurtzel im Hertzen des Lehrers, als der es nur aus bloß natürlichen Kräften in ei- ner bloß buchstäblichen Wissenschaft mit mensch- lichem Beyfall unter fleischlichem Vertrauen, oder in fleischlicher Sicherheit gefasset hat: und daher es weder recht lauterlich erkennet noch vorträ- get.
6. Das Wort akatagnosos, unver- werflich, dagegen man nichts aufbringen kan, schicket sich so wol zu der Person als zu der Lehre Titi: und auf die Person läßt es sich alhier am füglichsten ziehen, weil das Verbindungs Wört- lein und im Griechischen fehlet, dadurch es sonst mit dem vorhergehenden Worte würde zusam- men gehänget seyn.
7. Die beste Art, falsche Beschuldigungen und Lästerungen niederzuschlagen ist, wenn man von dem, dessen man beschuldiget wird, in allem das Gegentheil in der That erweiset. Dabey denn eine oft nöthige mündliche Apologie so viel mehrern Eingang findet. Siehe 1 Pet. 2, 12. 15. c. 3, 16.
V. 9. 10.
Den Knechten (von unterschiedlicher Gattung, und also überhaupt den Bedienten, nemlich sage V. 1. oder dieselbe ermahne V. 6.) daß sie ihren (to~is idiois, ihren eigenen, deren Herrschaft sie über sich erkennen) Herren un- terthänig seyn (und ihre Unterthänigkeit mit Gehorsam erweisen) in allen Dingen (welche nicht wider GOtt und wider ein gutes Gewissen streiten, nach Apost. Gesch. 4, 19. c. 5, 29.) gefällig seyn (also daß man nicht erst allemal hier und dazu, welches einem oblieget, sich aufs neue antreiben lasse, sondern auch ohne geheissen thue, was man weiß, daß des Herrn Willen ge- mäß ist,) nicht widerbellen (recht haben und es besser wissen wollen, oder bey einigem erlittenen Unrecht sich widerspenstig erzeigen siehe 1 Pet. 2, 18. da es heißt: unter thänig seyn mit aller Furcht den Herren, nicht allein den güti- gen, sondern auch den wunderlichen; (zu- mal denen die noch Heiden sind:) V. 10. nicht veruntrauen menosphizomenous, so gar nichts ent- wenden, daß sie auch hier und da von dem anver- traueten Gelde und Gute nichts arglistiger weise ab- brechen und in ihren Nutzen verwenden; wie es das ungetreue Gesinde bey dem Einkauf häuslicher Dinge zu machen pfleget) sondern alle gute Treue (pisin, zum beweis der Treue, wozu sie durch den Glauben GOtt verbunden sind) erzei- gen (so erweisen um GOttes und des Gewissens willen, auch in der Abwesenheit des HErrn, als wenn er zugegen wäre, und alles vor seinen Augen geschähe: welche Treue auch eine Frucht des Gei- [Spaltenumbruch]
stes ist nach Gal. 5, 22. alwo es durch das Wort Glaube übersetzet ist.) auf daß sie die Leh- re GOttes unsers Heilandes zieren in allen Stücken (also daß Juden und Heiden aus dem unsträflichen Leben der Christen insgemein, und insonderheit der christlichen Bedienten davon ei- nen guten Eindruck bekommen mögen: dahinge- gen das lasterhafte Leben der Bekenner auf die Be- kenntniß selbst fällt. Siehe 1 Tim. 6, 1. 2. Eph. 6, 5. Col. 3, 22.)
Anmerckungen.
1. Die Worte GOtt unser Heiland können zwar gar recht von dem Dreyeinigen GOtt gesaget werden: sie sehen doch aber inson- derheit und am eigentlichsten auf den Sohn GOttes. Denn dieser führet in der heiligen Dreyeinigkeit, nach angenommener menschlichen Natur, mit einer besonderen Zueignung den Na- men eines Heilandes Luc. 2, 11. Joh. 4, 42. Apost. Gesch. 5, 31. c. 13, 23. Eph. 5, 22. Phil. 3, 20. Tit. 2, 13. c. 3, 6. u. s. w. So wird er auch hin und wieder ausdrücklich GOtt genen- net: siehe Joh. 1, 1. c. 20, 28. Apost. Gesch. 20, 28. Rom. 9, 5. 1 Tim. 3, 16. Tit. 2, 13. 1 Joh. 5, 20. u. s. w. Und dazu ist die Lehre, die geschmücket werden soll, eigentlich das Evangeli- um Christi und von Christo, welches er selbst ver- kündiget und seinen Aposteln zur Verkündigung in der gantzen Welt aufgetragen hat: welches auch marturion das Zeugniß Christi, oder von Christo 1 Tim. 2, 6. 2 Tim. 1, 8. auch kerugma, die Predigt Christi, oder von Christo Rom. 16, 25. Tit. 1, 3. u. s. w. genennet wird. Und eben also stehen diese Worte von Christo Luc. 1, 47. Tit. 1, 3. Jud. v. 25. Daß demnach dieser Ort zu denen gehöret, woraus die Gottheit Christi dem ausdrücklichen Worte nach kan erwiesen werden.
2. Sollen so gar Knechte und Mägde die Christliche Religion mit ihrem Leben zieren; wie vielmehr sind denn die Lehrer dazu verbunden? da nicht allein ihre Person, sondern auch ihr Amt es damit zu thun hat.
3. Es ist kein geringer Character von der Wahrheit und Fürtreflichkeit der Christlichen Re- ligion, daß sie in dem menschlichen und bürgerli- chen Leben alle Alter, alle Geschlechter, und alle Stände reguliret und also dirigiret, daß, ie mehr man ihrer Anweisung folget, ie ordentlicher und gesegneter ist das Leben. Und also heißt es auch hier die Gottseligkeit ist zu allen Din- gen nütze. 1 Tim. 4, 8.
V. 11.
Denn es ist erschienen (als ein herrliches Licht in der Finsterniß aufgegangen) die heilsa- me Gnade GOttes (des Dreyeinigen und mit einer besondern Zueignung des Sohns GOt- tes) allen Menschen ohne Außnahme; und al- so auch den Dienst-Boten wie allen übrigen Menschen, nach dem vorher V. 1, u. f. bezeich- neten Unterscheid des besondern Alters der Ge- schlechter und der Stände, mit der Verbindung,
daß
C c 3
C. 2. v. 8-11. an den Titum.
[Spaltenumbruch]
Denn fehlet es an dem rechten Vorbilde der Leh- re; ſo hat das Vorbild oder der Erweis der guten Wercke keinen rechten Grund und keine richtige Vorſchrift. Fehlet es aber an der Ubung guter Wercke in der Liebe, ſo iſt auch kein Glaube da: iſt aber kein Glaube da im Hertzen, ſo ſtehet das Vorbild der Lehre zwar in der heiligen Schrift und in den derſelben gemaͤſſen guten Buͤchern; aber es hat keine Wurtzel im Hertzen des Lehrers, als der es nur aus bloß natuͤrlichen Kraͤften in ei- ner bloß buchſtaͤblichen Wiſſenſchaft mit menſch- lichem Beyfall unter fleiſchlichem Vertrauen, oder in fleiſchlicher Sicherheit gefaſſet hat: und daher es weder recht lauterlich erkennet noch vortraͤ- get.
6. Das Wort ἀκατάγνωςος, unver- werflich, dagegen man nichts aufbringen kan, ſchicket ſich ſo wol zu der Perſon als zu der Lehre Titi: und auf die Perſon laͤßt es ſich alhier am fuͤglichſten ziehen, weil das Verbindungs Woͤrt- lein und im Griechiſchen fehlet, dadurch es ſonſt mit dem vorhergehenden Worte wuͤrde zuſam- men gehaͤnget ſeyn.
7. Die beſte Art, falſche Beſchuldigungen und Laͤſterungen niederzuſchlagen iſt, wenn man von dem, deſſen man beſchuldiget wird, in allem das Gegentheil in der That erweiſet. Dabey denn eine oft noͤthige muͤndliche Apologie ſo viel mehrern Eingang findet. Siehe 1 Pet. 2, 12. 15. c. 3, 16.
V. 9. 10.
Den Knechten (von unterſchiedlicher Gattung, und alſo uͤberhaupt den Bedienten, nemlich ſage V. 1. oder dieſelbe ermahne V. 6.) daß ſie ihren (το῀ις ἰδίοις, ihren eigenen, deren Herrſchaft ſie uͤber ſich erkennen) Herren un- terthaͤnig ſeyn (und ihre Unterthaͤnigkeit mit Gehorſam erweiſen) in allen Dingen (welche nicht wider GOtt und wider ein gutes Gewiſſen ſtreiten, nach Apoſt. Geſch. 4, 19. c. 5, 29.) gefaͤllig ſeyn (alſo daß man nicht erſt allemal hier und dazu, welches einem oblieget, ſich aufs neue antreiben laſſe, ſondern auch ohne geheiſſen thue, was man weiß, daß des Herrn Willen ge- maͤß iſt,) nicht widerbellen (recht haben und es beſſer wiſſen wollen, oder bey einigem erlittenen Unrecht ſich widerſpenſtig erzeigen ſiehe 1 Pet. 2, 18. da es heißt: unter thaͤnig ſeyn mit aller Furcht den Herren, nicht allein den guͤti- gen, ſondern auch den wunderlichen; (zu- mal denen die noch Heiden ſind:) V. 10. nicht veruntrauen μὴνοσφιζομένους, ſo gar nichts ent- wenden, daß ſie auch hier und da von dem anver- tꝛaueten Gelde und Gute nichts aꝛgliſtigeꝛ weiſe ab- brechen und in ihren Nutzen verwenden; wie es das ungetreue Geſinde bey dem Einkauf haͤuslicher Dinge zu machen pfleget) ſondern alle gute Treue (πίςιν, zum beweis der Treue, wozu ſie durch den Glauben GOtt verbunden ſind) erzei- gen (ſo erweiſen um GOttes und des Gewiſſens willen, auch in der Abweſenheit des HErrn, als wenn er zugegen waͤre, und alles vor ſeinen Augen geſchaͤhe: welche Treue auch eine Frucht des Gei- [Spaltenumbruch]
ſtes iſt nach Gal. 5, 22. alwo es durch das Wort Glaube uͤberſetzet iſt.) auf daß ſie die Leh- re GOttes unſers Heilandes zieren in allen Stuͤcken (alſo daß Juden und Heiden aus dem unſtraͤflichen Leben der Chriſten insgemein, und inſonderheit der chriſtlichen Bedienten davon ei- nen guten Eindruck bekommen moͤgen: dahinge- gen das laſterhafte Leben der Bekenner auf die Be- kenntniß ſelbſt faͤllt. Siehe 1 Tim. 6, 1. 2. Eph. 6, 5. Col. 3, 22.)
Anmerckungen.
1. Die Worte GOtt unſer Heiland koͤnnen zwar gar recht von dem Dreyeinigen GOtt geſaget werden: ſie ſehen doch aber inſon- derheit und am eigentlichſten auf den Sohn GOttes. Denn dieſer fuͤhret in der heiligen Dreyeinigkeit, nach angenommener menſchlichen Natur, mit einer beſonderen Zueignung den Na- men eines Heilandes Luc. 2, 11. Joh. 4, 42. Apoſt. Geſch. 5, 31. c. 13, 23. Eph. 5, 22. Phil. 3, 20. Tit. 2, 13. c. 3, 6. u. ſ. w. So wird er auch hin und wieder ausdruͤcklich GOtt genen- net: ſiehe Joh. 1, 1. c. 20, 28. Apoſt. Geſch. 20, 28. Rom. 9, 5. 1 Tim. 3, 16. Tit. 2, 13. 1 Joh. 5, 20. u. ſ. w. Und dazu iſt die Lehre, die geſchmuͤcket werden ſoll, eigentlich das Evangeli- um Chriſti und von Chriſto, welches er ſelbſt ver- kuͤndiget und ſeinen Apoſteln zur Verkuͤndigung in der gantzen Welt aufgetragen hat: welches auch μαρτύριον das Zeugniß Chriſti, oder von Chriſto 1 Tim. 2, 6. 2 Tim. 1, 8. auch κήρυγμα, die Predigt Chriſti, oder von Chriſto Rom. 16, 25. Tit. 1, 3. u. ſ. w. genennet wird. Und eben alſo ſtehen dieſe Worte von Chriſto Luc. 1, 47. Tit. 1, 3. Jud. v. 25. Daß demnach dieſer Ort zu denen gehoͤret, woraus die Gottheit Chriſti dem ausdruͤcklichen Worte nach kan erwieſen werden.
2. Sollen ſo gar Knechte und Maͤgde die Chriſtliche Religion mit ihrem Leben zieren; wie vielmehr ſind denn die Lehrer dazu verbunden? da nicht allein ihre Perſon, ſondern auch ihr Amt es damit zu thun hat.
3. Es iſt kein geringer Character von der Wahrheit und Fuͤrtreflichkeit der Chriſtlichen Re- ligion, daß ſie in dem menſchlichen und buͤrgerli- chen Leben alle Alter, alle Geſchlechter, und alle Staͤnde reguliret und alſo dirigiret, daß, ie mehr man ihrer Anweiſung folget, ie ordentlicher und geſegneter iſt das Leben. Und alſo heißt es auch hier die Gottſeligkeit iſt zu allen Din- gen nuͤtze. 1 Tim. 4, 8.
V. 11.
Denn es iſt erſchienen (als ein herrliches Licht in der Finſterniß aufgegangen) die heilſa- me Gnade GOttes (des Dreyeinigen und mit einer beſondern Zueignung des Sohns GOt- tes) allen Menſchen ohne Außnahme; und al- ſo auch den Dienſt-Boten wie allen uͤbrigen Menſchen, nach dem vorher V. 1, u. f. bezeich- neten Unterſcheid des beſondern Alters der Ge- ſchlechter und der Staͤnde, mit der Verbindung,
daß
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[205/0207]
C. 2. v. 8-11. an den Titum.
Denn fehlet es an dem rechten Vorbilde der Leh-
re; ſo hat das Vorbild oder der Erweis der guten
Wercke keinen rechten Grund und keine richtige
Vorſchrift. Fehlet es aber an der Ubung guter
Wercke in der Liebe, ſo iſt auch kein Glaube da:
iſt aber kein Glaube da im Hertzen, ſo ſtehet das
Vorbild der Lehre zwar in der heiligen Schrift
und in den derſelben gemaͤſſen guten Buͤchern;
aber es hat keine Wurtzel im Hertzen des Lehrers,
als der es nur aus bloß natuͤrlichen Kraͤften in ei-
ner bloß buchſtaͤblichen Wiſſenſchaft mit menſch-
lichem Beyfall unter fleiſchlichem Vertrauen, oder
in fleiſchlicher Sicherheit gefaſſet hat: und daher
es weder recht lauterlich erkennet noch vortraͤ-
get.
6. Das Wort ἀκατάγνωςος, unver-
werflich, dagegen man nichts aufbringen kan,
ſchicket ſich ſo wol zu der Perſon als zu der Lehre
Titi: und auf die Perſon laͤßt es ſich alhier am
fuͤglichſten ziehen, weil das Verbindungs Woͤrt-
lein und im Griechiſchen fehlet, dadurch es ſonſt
mit dem vorhergehenden Worte wuͤrde zuſam-
men gehaͤnget ſeyn.
7. Die beſte Art, falſche Beſchuldigungen
und Laͤſterungen niederzuſchlagen iſt, wenn man
von dem, deſſen man beſchuldiget wird, in allem
das Gegentheil in der That erweiſet. Dabey
denn eine oft noͤthige muͤndliche Apologie ſo viel
mehrern Eingang findet. Siehe 1 Pet. 2, 12. 15.
c. 3, 16.
V. 9. 10.
Den Knechten (von unterſchiedlicher
Gattung, und alſo uͤberhaupt den Bedienten,
nemlich ſage V. 1. oder dieſelbe ermahne V. 6.)
daß ſie ihren (το῀ις ἰδίοις, ihren eigenen, deren
Herrſchaft ſie uͤber ſich erkennen) Herren un-
terthaͤnig ſeyn (und ihre Unterthaͤnigkeit mit
Gehorſam erweiſen) in allen Dingen (welche
nicht wider GOtt und wider ein gutes Gewiſſen
ſtreiten, nach Apoſt. Geſch. 4, 19. c. 5, 29.)
gefaͤllig ſeyn (alſo daß man nicht erſt allemal
hier und dazu, welches einem oblieget, ſich aufs
neue antreiben laſſe, ſondern auch ohne geheiſſen
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maͤß iſt,) nicht widerbellen (recht haben und
es beſſer wiſſen wollen, oder bey einigem erlittenen
Unrecht ſich widerſpenſtig erzeigen ſiehe 1 Pet. 2,
18. da es heißt: unter thaͤnig ſeyn mit aller
Furcht den Herren, nicht allein den guͤti-
gen, ſondern auch den wunderlichen; (zu-
mal denen die noch Heiden ſind:) V. 10. nicht
veruntrauen μὴνοσφιζομένους, ſo gar nichts ent-
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brechen und in ihren Nutzen verwenden; wie es das
ungetreue Geſinde bey dem Einkauf haͤuslicher
Dinge zu machen pfleget) ſondern alle gute
Treue (πίςιν, zum beweis der Treue, wozu ſie
durch den Glauben GOtt verbunden ſind) erzei-
gen (ſo erweiſen um GOttes und des Gewiſſens
willen, auch in der Abweſenheit des HErrn, als
wenn er zugegen waͤre, und alles vor ſeinen Augen
geſchaͤhe: welche Treue auch eine Frucht des Gei-
ſtes iſt nach Gal. 5, 22. alwo es durch das Wort
Glaube uͤberſetzet iſt.) auf daß ſie die Leh-
re GOttes unſers Heilandes zieren in allen
Stuͤcken (alſo daß Juden und Heiden aus dem
unſtraͤflichen Leben der Chriſten insgemein, und
inſonderheit der chriſtlichen Bedienten davon ei-
nen guten Eindruck bekommen moͤgen: dahinge-
gen das laſterhafte Leben der Bekenner auf die Be-
kenntniß ſelbſt faͤllt. Siehe 1 Tim. 6, 1. 2. Eph.
6, 5. Col. 3, 22.)
Anmerckungen.
1. Die Worte GOtt unſer Heiland
koͤnnen zwar gar recht von dem Dreyeinigen
GOtt geſaget werden: ſie ſehen doch aber inſon-
derheit und am eigentlichſten auf den Sohn
GOttes. Denn dieſer fuͤhret in der heiligen
Dreyeinigkeit, nach angenommener menſchlichen
Natur, mit einer beſonderen Zueignung den Na-
men eines Heilandes Luc. 2, 11. Joh. 4, 42.
Apoſt. Geſch. 5, 31. c. 13, 23. Eph. 5, 22. Phil.
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auch hin und wieder ausdruͤcklich GOtt genen-
net: ſiehe Joh. 1, 1. c. 20, 28. Apoſt. Geſch.
20, 28. Rom. 9, 5. 1 Tim. 3, 16. Tit. 2, 13.
1 Joh. 5, 20. u. ſ. w. Und dazu iſt die Lehre, die
geſchmuͤcket werden ſoll, eigentlich das Evangeli-
um Chriſti und von Chriſto, welches er ſelbſt ver-
kuͤndiget und ſeinen Apoſteln zur Verkuͤndigung
in der gantzen Welt aufgetragen hat: welches
auch μαρτύριον das Zeugniß Chriſti, oder von
Chriſto 1 Tim. 2, 6. 2 Tim. 1, 8. auch κήρυγμα,
die Predigt Chriſti, oder von Chriſto Rom. 16,
25. Tit. 1, 3. u. ſ. w. genennet wird. Und eben
alſo ſtehen dieſe Worte von Chriſto Luc. 1, 47.
Tit. 1, 3. Jud. v. 25. Daß demnach dieſer Ort
zu denen gehoͤret, woraus die Gottheit Chriſti dem
ausdruͤcklichen Worte nach kan erwieſen werden.
2. Sollen ſo gar Knechte und Maͤgde die
Chriſtliche Religion mit ihrem Leben zieren; wie
vielmehr ſind denn die Lehrer dazu verbunden?
da nicht allein ihre Perſon, ſondern auch ihr Amt
es damit zu thun hat.
3. Es iſt kein geringer Character von der
Wahrheit und Fuͤrtreflichkeit der Chriſtlichen Re-
ligion, daß ſie in dem menſchlichen und buͤrgerli-
chen Leben alle Alter, alle Geſchlechter, und alle
Staͤnde reguliret und alſo dirigiret, daß, ie
mehr man ihrer Anweiſung folget, ie ordentlicher
und geſegneter iſt das Leben. Und alſo heißt es
auch hier die Gottſeligkeit iſt zu allen Din-
gen nuͤtze. 1 Tim. 4, 8.
V. 11.
Denn es iſt erſchienen (als ein herrliches
Licht in der Finſterniß aufgegangen) die heilſa-
me Gnade GOttes (des Dreyeinigen und
mit einer beſondern Zueignung des Sohns GOt-
tes) allen Menſchen ohne Außnahme; und al-
ſo auch den Dienſt-Boten wie allen uͤbrigen
Menſchen, nach dem vorher V. 1, u. f. bezeich-
neten Unterſcheid des beſondern Alters der Ge-
ſchlechter und der Staͤnde, mit der Verbindung,
daß
C c 3
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Lange, Joachim: Des Apostolischen Lichts und Rechts. Bd. 2. Halle, 1729, S. 205. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lange_licht02_1729/207>, abgerufen am 26.09.2024.
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