[Spaltenumbruch]
der-Gaben, womit die Apostel und viele andere der ersten Christen beseliget worden, gesehen wird; so wird doch damit auch das angezeiget, was bey allen in der heiligen Taufe geschiehet. Es hat daraus ein ieder Getaufter sich anzuse- hen, als einen von dem heiligen Geiste gesalbe- ten des HErrn, der da wie schuldig, also auch durch die Kraft des heiligen Geistes vermögend ist, nach seinem Tauf-Bunde mit gutem Gewis- sen also einher zugehen, daß er nach dem alten Menschen immer mehr abnehme, nach dem neu- en aber zunehme und wachse.
14. Daß die Getauften gerecht gespro- chen, oder gerechtfertiget, und von ihren Sün- den absolviret werden, das wird v. 7. deutlich genug mit dem Worte dikaiothentes angezeiget. Und eben darum saget Paulus Röm. 6, 2. daß wir in den Tod Christi getaufet werden, nem- lich, daß uns derselbe, als ein Versöhnungs- Tod, zur Gerechtigkeit zugerechnet wird.
15. Mit der Rechtfertigung aber ist die Kindschaft GOttes unmittelbar verknüpfet, obgleich derselben nicht ausdrücklich dabey ge- dacht wird. Denn GOtt leget den gerechtge- machten das Erbtheil des ewigen Lebens bey: welches eigentlich den Kindern GOttes gehö- ret, nach Gal. 4, 7. Sinds aber Kinder, so sind es auch Erben GOttes durch Chri- stum. Und weil die Kinder von ihrem Erbtheil nur erst den Vorgenuß im Reiche der Gnaden haben; so erwarten sie der völligen Besitzung in der lebendigen Hoffnung Röm. 8, 17. 23. 24. Tit. 2, 13. 1 Pet. 1, 3.
16. Wir finden v. 7. eine kurtze und deut- liche Beschreibung der Rechtfertigung, und zwar erstlich nach ihrer wirckenden Haupt- Ursache, welche ist die Gnade GOttes: nach ihrer Beschaffenheit, da sie ist dikaiosis, eine solche Gerechtmachung, dadurch wir in Zurech- nung der Gerechtigkeit Christi und nicht-Zu- rechnung unserer Ungerechtigkeit, oder durch die Vergebung der Sünden, für gerecht erkannt und gesprochen werden: Und denn die Frucht der Rechtfertigung, welche ist die Erbschaft des ewigen Lebens.
17. Die Worte pisos o logos, welche Pau- lus in den Pastoral-Episteln öfters gebrauchet, als 1 Tim. 1, 15. c. 3, 1. c. 4, 9. 2 Tim. 2, 11. ge- hören alhier eigentlich zu den vorhergehenden und bisher erläuterten Worten. Welches auch daraus erhellet, weil darauf folget: kai peri tou'ton u. f. als damit gleichfals auf die vor- hergehende Stücke des logou pistou~, des so theu- ren und glaubwürdigen Worts, oder der gan- tzen Evangelischen Lehre, gesehen wird. Es hat demnach ein ieder Lehrer auch wegen dieses A- postolischen Bey- oder Nachsatzes den vorherge- henden gantzen Text sonderlich zur Gründung und Bevestigung im Glauben wohl anzuwen- den: wie denn hiebey billig zu setzen ist, was 1 Tim. 1. 15. stehet, pisos o logos, kai pases apodokhes axios, es ist ein treues und aller willigen Aufnahme werthes Wort.
[Spaltenumbruch]
V. 8.
Und solches will ich (befehle ich dir im Namen GOttes mit Apostolischer Auctorität) daß du veste lehrest (se diabebaiou~sthai, daß du es vortragest und einschärfest meta bebaioseos, oder eis [fremdsprachliches Material]e[fremdsprachliches Material]aiosin Hebr. 6, 16. also daß du es mit kräftiger Vorstellung recht bevestigest und bewehrest. Siehe 1 Tim. 1, 7.) auf daß die, so an GOtt gläubig sind worden (und im Glauben das Wort von der heilsamen Gnade, von der Erlösung Christi und von der durch ihn erworbenen und zuerlangenden Gerechtigkeit und Seligkeit, nach dem vorhergehenden gan- tzen Context angenommen haben,) in einem Stande guter Wercke erfunden werden (`ina phrontizosi, kalon ergain pro[fremdsprachliches Material]sasthai, daß sie darnach trachten, sich befleißigen, guten Wercken also vorzustehen, daß sie darinnen allen Ernst und Eifer nach c. 2, 14. beweisen.) Sol- ches (alles, welches du von dem bisher gezeigten Grunde und von der Ordnung des Heyls veste lehren solst) ist gut (eine an sich theure, fürtref- liche und göttliche Wahrheit) und nütze den Menschen (dergestalt, daß es ihnen auch nö- thig ist, so wol nach dem Grunde, als nach der Ordnung der Seligkeit: im Gegensatze auf das nichtige, eitele und unnütze Geschwätz ertichteter menschlichen Lehre v. 9.)
Anmerckungen.
1. Man siehet hieraus, welches die für- nehmsten Lehren eines getreuen Lehrers seyn sol- len, nemlich die von dem Grunde und von der Ordnung des Heyls. Und sind dieselbe, wie zum öftern, also auch nicht schläferich und kalt- sinnig, sondern recht lebhaft und mit Beweisung des Geistes und der Kraft 1 Cor. 2, 4. zur rech- ten Bevestigung und Uberzeugung vorzutra- gen.
2. Jnsonderheit siehet man, wie daß die Lehre von guten Wercken, oder von den Pflich- ten des Christenthums im Laufe der Erneue- rung, also vorzutragen sey, daß die Kraft und Treue der Ausübung aus dem Evangelischen Grunde der Gnade und des Glaubens herge- führet werde. Denn sonst entstehet nur ein Pharisäisches äusserliches Wesen daraus.
3. Diese Erinnerung an die Lehrer erin- nert denn auch die Zuhörer ihrer Schuldigkeit, daß sie vor allen Dingen itzt gedachte Lehren wohl fassen, und sie in der thätigen Ubung an sich al- so erweisen sollen, als wie die Schafe mit ihrer guten Wolle darthun, daß sie sich auf einer gu- ten Weide befinden.
V. 9.
Der thörichten Fragen aber (da ein Thore aus Fürwitz in göttlichen Dingen mehr fragen kan, als zehen Kluge beantworten kön- nen; da es Dinge betrift, darüber man sich der Fragen enthalten soll, worüber uns auch nicht oblieget zu disputiren und zu critisiren; als die theils unnützlich, theils dem menschlichen Ver- stande, sie nach ihrer Tiefe, Länge und Breite
recht
E e
Cap. 3. v. 7-9. an den Titum.
[Spaltenumbruch]
der-Gaben, womit die Apoſtel und viele andere der erſten Chriſten beſeliget worden, geſehen wird; ſo wird doch damit auch das angezeiget, was bey allen in der heiligen Taufe geſchiehet. Es hat daraus ein ieder Getaufter ſich anzuſe- hen, als einen von dem heiligen Geiſte geſalbe- ten des HErrn, der da wie ſchuldig, alſo auch durch die Kraft des heiligen Geiſtes vermoͤgend iſt, nach ſeinem Tauf-Bunde mit gutem Gewiſ- ſen alſo einher zugehen, daß er nach dem alten Menſchen immer mehr abnehme, nach dem neu- en aber zunehme und wachſe.
14. Daß die Getauften gerecht geſpro- chen, oder gerechtfertiget, und von ihren Suͤn- den abſolviret werden, das wird v. 7. deutlich genug mit dem Worte δικαιωθέντες angezeiget. Und eben darum ſaget Paulus Roͤm. 6, 2. daß wir in den Tod Chriſti getaufet werden, nem- lich, daß uns derſelbe, als ein Verſoͤhnungs- Tod, zur Gerechtigkeit zugerechnet wird.
15. Mit der Rechtfertigung aber iſt die Kindſchaft GOttes unmittelbar verknuͤpfet, obgleich derſelben nicht ausdruͤcklich dabey ge- dacht wird. Denn GOtt leget den gerechtge- machten das Erbtheil des ewigen Lebens bey: welches eigentlich den Kindern GOttes gehoͤ- ret, nach Gal. 4, 7. Sinds aber Kinder, ſo ſind es auch Erben GOttes durch Chri- ſtum. Und weil die Kinder von ihrem Erbtheil nur erſt den Vorgenuß im Reiche der Gnaden haben; ſo erwarten ſie der voͤlligen Beſitzung in der lebendigen Hoffnung Roͤm. 8, 17. 23. 24. Tit. 2, 13. 1 Pet. 1, 3.
16. Wir finden v. 7. eine kurtze und deut- liche Beſchreibung der Rechtfertigung, und zwar erſtlich nach ihrer wirckenden Haupt- Urſache, welche iſt die Gnade GOttes: nach ihrer Beſchaffenheit, da ſie iſt δικαίωσις, eine ſolche Gerechtmachung, dadurch wir in Zurech- nung der Gerechtigkeit Chriſti und nicht-Zu- rechnung unſerer Ungerechtigkeit, oder durch die Vergebung der Suͤnden, fuͤr gerecht erkannt und geſprochen werden: Und denn die Frucht der Rechtfertigung, welche iſt die Erbſchaft des ewigen Lebens.
17. Die Worte πιςὸς ὁ λόγος, welche Pau- lus in den Paſtoral-Epiſteln oͤfters gebrauchet, als 1 Tim. 1, 15. c. 3, 1. c. 4, 9. 2 Tim. 2, 11. ge- hoͤren alhier eigentlich zu den vorhergehenden und bisher erlaͤuterten Worten. Welches auch daraus erhellet, weil darauf folget: καὶ περὶ του´των u. f. als damit gleichfals auf die vor- hergehende Stuͤcke des λόγου πιστου῀, des ſo theu- ren und glaubwuͤrdigen Worts, oder der gan- tzen Evangeliſchen Lehre, geſehen wird. Es hat demnach ein ieder Lehrer auch wegen dieſes A- poſtoliſchen Bey- oder Nachſatzes den vorherge- henden gantzen Text ſonderlich zur Gruͤndung und Beveſtigung im Glauben wohl anzuwen- den: wie denn hiebey billig zu ſetzen iſt, was 1 Tim. 1. 15. ſtehet, πιςὸς ὸ λόγος, καὶ πάσης ἀποδοχῆς ἄξιος, es iſt ein treues und aller willigen Aufnahme werthes Wort.
[Spaltenumbruch]
V. 8.
Und ſolches will ich (befehle ich dir im Namen GOttes mit Apoſtoliſcher Auctoritaͤt) daß du veſte lehreſt (σὲ διαβεβαιου῀σθαι, daß du es vortrageſt und einſchaͤrfeſt μετὰ βεβαιώσεως, oder ἐις [fremdsprachliches Material]ε[fremdsprachliches Material]αίωσιν Hebr. 6, 16. alſo daß du es mit kraͤftiger Vorſtellung recht beveſtigeſt und bewehreſt. Siehe 1 Tim. 1, 7.) auf daß die, ſo an GOtt glaͤubig ſind worden (und im Glauben das Wort von der heilſamen Gnade, von der Erloͤſung Chriſti und von der durch ihn erworbenen und zuerlangenden Gerechtigkeit und Seligkeit, nach dem vorhergehenden gan- tzen Context angenommen haben,) in einem Stande guter Wercke erfunden werden (῾ίνα ϕροντίζωσι, καλῶν ἔργαιν προ[fremdsprachliches Material]ςασθαι, daß ſie darnach trachten, ſich befleißigen, guten Wercken alſo vorzuſtehen, daß ſie darinnen allen Ernſt und Eifer nach c. 2, 14. beweiſen.) Sol- ches (alles, welches du von dem bisher gezeigten Grunde und von der Ordnung des Heyls veſte lehren ſolſt) iſt gut (eine an ſich theure, fuͤrtref- liche und goͤttliche Wahrheit) und nuͤtze den Menſchen (dergeſtalt, daß es ihnen auch noͤ- thig iſt, ſo wol nach dem Grunde, als nach der Ordnung der Seligkeit: im Gegenſatze auf das nichtige, eitele und unnuͤtze Geſchwaͤtz ertichteter menſchlichen Lehre v. 9.)
Anmerckungen.
1. Man ſiehet hieraus, welches die fuͤr- nehmſten Lehren eines getreuen Lehrers ſeyn ſol- len, nemlich die von dem Grunde und von der Ordnung des Heyls. Und ſind dieſelbe, wie zum oͤftern, alſo auch nicht ſchlaͤferich und kalt- ſinnig, ſondern recht lebhaft und mit Beweiſung des Geiſtes und der Kraft 1 Cor. 2, 4. zur rech- ten Beveſtigung und Uberzeugung vorzutra- gen.
2. Jnſonderheit ſiehet man, wie daß die Lehre von guten Wercken, oder von den Pflich- ten des Chriſtenthums im Laufe der Erneue- rung, alſo vorzutragen ſey, daß die Kraft und Treue der Ausuͤbung aus dem Evangeliſchen Grunde der Gnade und des Glaubens herge- fuͤhret werde. Denn ſonſt entſtehet nur ein Phariſaͤiſches aͤuſſerliches Weſen daraus.
3. Dieſe Erinnerung an die Lehrer erin- nert denn auch die Zuhoͤrer ihrer Schuldigkeit, daß ſie vor allen Dingen itzt gedachte Lehren wohl faſſen, und ſie in der thaͤtigen Ubung an ſich al- ſo erweiſen ſollen, als wie die Schafe mit ihrer guten Wolle darthun, daß ſie ſich auf einer gu- ten Weide befinden.
V. 9.
Der thoͤrichten Fragen aber (da ein Thore aus Fuͤrwitz in goͤttlichen Dingen mehr fragen kan, als zehen Kluge beantworten koͤn- nen; da es Dinge betrift, daruͤber man ſich der Fragen enthalten ſoll, woruͤber uns auch nicht oblieget zu diſputiren und zu critiſiren; als die theils unnuͤtzlich, theils dem menſchlichen Ver- ſtande, ſie nach ihrer Tiefe, Laͤnge und Breite
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[217/0219]
Cap. 3. v. 7-9. an den Titum.
der-Gaben, womit die Apoſtel und viele andere
der erſten Chriſten beſeliget worden, geſehen
wird; ſo wird doch damit auch das angezeiget,
was bey allen in der heiligen Taufe geſchiehet.
Es hat daraus ein ieder Getaufter ſich anzuſe-
hen, als einen von dem heiligen Geiſte geſalbe-
ten des HErrn, der da wie ſchuldig, alſo auch
durch die Kraft des heiligen Geiſtes vermoͤgend
iſt, nach ſeinem Tauf-Bunde mit gutem Gewiſ-
ſen alſo einher zugehen, daß er nach dem alten
Menſchen immer mehr abnehme, nach dem neu-
en aber zunehme und wachſe.
14. Daß die Getauften gerecht geſpro-
chen, oder gerechtfertiget, und von ihren Suͤn-
den abſolviret werden, das wird v. 7. deutlich
genug mit dem Worte δικαιωθέντες angezeiget.
Und eben darum ſaget Paulus Roͤm. 6, 2. daß
wir in den Tod Chriſti getaufet werden, nem-
lich, daß uns derſelbe, als ein Verſoͤhnungs-
Tod, zur Gerechtigkeit zugerechnet wird.
15. Mit der Rechtfertigung aber iſt die
Kindſchaft GOttes unmittelbar verknuͤpfet,
obgleich derſelben nicht ausdruͤcklich dabey ge-
dacht wird. Denn GOtt leget den gerechtge-
machten das Erbtheil des ewigen Lebens bey:
welches eigentlich den Kindern GOttes gehoͤ-
ret, nach Gal. 4, 7. Sinds aber Kinder, ſo
ſind es auch Erben GOttes durch Chri-
ſtum. Und weil die Kinder von ihrem Erbtheil
nur erſt den Vorgenuß im Reiche der Gnaden
haben; ſo erwarten ſie der voͤlligen Beſitzung in
der lebendigen Hoffnung Roͤm. 8, 17. 23. 24.
Tit. 2, 13. 1 Pet. 1, 3.
16. Wir finden v. 7. eine kurtze und deut-
liche Beſchreibung der Rechtfertigung, und
zwar erſtlich nach ihrer wirckenden Haupt-
Urſache, welche iſt die Gnade GOttes: nach
ihrer Beſchaffenheit, da ſie iſt δικαίωσις, eine
ſolche Gerechtmachung, dadurch wir in Zurech-
nung der Gerechtigkeit Chriſti und nicht-Zu-
rechnung unſerer Ungerechtigkeit, oder durch die
Vergebung der Suͤnden, fuͤr gerecht erkannt
und geſprochen werden: Und denn die Frucht
der Rechtfertigung, welche iſt die Erbſchaft
des ewigen Lebens.
17. Die Worte πιςὸς ὁ λόγος, welche Pau-
lus in den Paſtoral-Epiſteln oͤfters gebrauchet,
als 1 Tim. 1, 15. c. 3, 1. c. 4, 9. 2 Tim. 2, 11. ge-
hoͤren alhier eigentlich zu den vorhergehenden
und bisher erlaͤuterten Worten. Welches auch
daraus erhellet, weil darauf folget: καὶ περὶ
του´των u. f. als damit gleichfals auf die vor-
hergehende Stuͤcke des λόγου πιστου῀, des ſo theu-
ren und glaubwuͤrdigen Worts, oder der gan-
tzen Evangeliſchen Lehre, geſehen wird. Es hat
demnach ein ieder Lehrer auch wegen dieſes A-
poſtoliſchen Bey- oder Nachſatzes den vorherge-
henden gantzen Text ſonderlich zur Gruͤndung
und Beveſtigung im Glauben wohl anzuwen-
den: wie denn hiebey billig zu ſetzen iſt, was
1 Tim. 1. 15. ſtehet, πιςὸς ὸ λόγος, καὶ πάσης
ἀποδοχῆς ἄξιος, es iſt ein treues und aller
willigen Aufnahme werthes Wort.
V. 8.
Und ſolches will ich (befehle ich dir im
Namen GOttes mit Apoſtoliſcher Auctoritaͤt)
daß du veſte lehreſt (σὲ διαβεβαιου῀σθαι, daß du
es vortrageſt und einſchaͤrfeſt μετὰ βεβαιώσεως,
oder ἐις _ ε_ αίωσιν Hebr. 6, 16. alſo daß du es
mit kraͤftiger Vorſtellung recht beveſtigeſt und
bewehreſt. Siehe 1 Tim. 1, 7.) auf daß die,
ſo an GOtt glaͤubig ſind worden (und im
Glauben das Wort von der heilſamen Gnade,
von der Erloͤſung Chriſti und von der durch ihn
erworbenen und zuerlangenden Gerechtigkeit
und Seligkeit, nach dem vorhergehenden gan-
tzen Context angenommen haben,) in einem
Stande guter Wercke erfunden werden
(῾ίνα ϕροντίζωσι, καλῶν ἔργαιν προ_ ςασθαι, daß
ſie darnach trachten, ſich befleißigen, guten
Wercken alſo vorzuſtehen, daß ſie darinnen allen
Ernſt und Eifer nach c. 2, 14. beweiſen.) Sol-
ches (alles, welches du von dem bisher gezeigten
Grunde und von der Ordnung des Heyls veſte
lehren ſolſt) iſt gut (eine an ſich theure, fuͤrtref-
liche und goͤttliche Wahrheit) und nuͤtze den
Menſchen (dergeſtalt, daß es ihnen auch noͤ-
thig iſt, ſo wol nach dem Grunde, als nach der
Ordnung der Seligkeit: im Gegenſatze auf das
nichtige, eitele und unnuͤtze Geſchwaͤtz ertichteter
menſchlichen Lehre v. 9.)
Anmerckungen.
1. Man ſiehet hieraus, welches die fuͤr-
nehmſten Lehren eines getreuen Lehrers ſeyn ſol-
len, nemlich die von dem Grunde und von der
Ordnung des Heyls. Und ſind dieſelbe, wie
zum oͤftern, alſo auch nicht ſchlaͤferich und kalt-
ſinnig, ſondern recht lebhaft und mit Beweiſung
des Geiſtes und der Kraft 1 Cor. 2, 4. zur rech-
ten Beveſtigung und Uberzeugung vorzutra-
gen.
2. Jnſonderheit ſiehet man, wie daß die
Lehre von guten Wercken, oder von den Pflich-
ten des Chriſtenthums im Laufe der Erneue-
rung, alſo vorzutragen ſey, daß die Kraft und
Treue der Ausuͤbung aus dem Evangeliſchen
Grunde der Gnade und des Glaubens herge-
fuͤhret werde. Denn ſonſt entſtehet nur ein
Phariſaͤiſches aͤuſſerliches Weſen daraus.
3. Dieſe Erinnerung an die Lehrer erin-
nert denn auch die Zuhoͤrer ihrer Schuldigkeit,
daß ſie vor allen Dingen itzt gedachte Lehren wohl
faſſen, und ſie in der thaͤtigen Ubung an ſich al-
ſo erweiſen ſollen, als wie die Schafe mit ihrer
guten Wolle darthun, daß ſie ſich auf einer gu-
ten Weide befinden.
V. 9.
Der thoͤrichten Fragen aber (da ein
Thore aus Fuͤrwitz in goͤttlichen Dingen mehr
fragen kan, als zehen Kluge beantworten koͤn-
nen; da es Dinge betrift, daruͤber man ſich der
Fragen enthalten ſoll, woruͤber uns auch nicht
oblieget zu diſputiren und zu critiſiren; als die
theils unnuͤtzlich, theils dem menſchlichen Ver-
ſtande, ſie nach ihrer Tiefe, Laͤnge und Breite
recht
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Lange, Joachim: Des Apostolischen Lichts und Rechts. Bd. 2. Halle, 1729, S. 217. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lange_licht02_1729/219>, abgerufen am 26.09.2024.
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