rennen und Wahlen angenommen und der Zeit überlassen, was nach diesen verschie- denen Aufgährungen in dem Faß nützli- ches übrig bleiben mag. --
Hier, meine Freundin, muß ich selbst wieder das Wort nehmen, und ihnen von dem, was auf die unglückliche Verände- rung in dem Schicksal meiner geliebten Dame gefolget ist, eine zusammenhan- gende Geschichte zu liefern.
Das Haus meiner Schwester war itzt der einzige Ort, wohin wir in diesen Um- ständen Zuflucht nehmen konnten. Man durfte ihr weder von Rache, noch von Behauptung ihrer Rechte sprechen; und der Gedanke auf ihre Güter zu gehen, war in diesen Umständen auch nicht zu fassen. Jhr Kummer war so groß, daß sie hoffte, er würde sie tödten; ich glaube auch, daß es geschehen wäre, wenn wir uns länger in dem Hause aufgehalten hätten, wo die unglückliche Heurath vollzogen wor-
den
rennen und Wahlen angenommen und der Zeit uͤberlaſſen, was nach dieſen verſchie- denen Aufgaͤhrungen in dem Faß nuͤtzli- ches uͤbrig bleiben mag. —
Hier, meine Freundin, muß ich ſelbſt wieder das Wort nehmen, und ihnen von dem, was auf die ungluͤckliche Veraͤnde- rung in dem Schickſal meiner geliebten Dame gefolget iſt, eine zuſammenhan- gende Geſchichte zu liefern.
Das Haus meiner Schweſter war itzt der einzige Ort, wohin wir in dieſen Um- ſtaͤnden Zuflucht nehmen konnten. Man durfte ihr weder von Rache, noch von Behauptung ihrer Rechte ſprechen; und der Gedanke auf ihre Guͤter zu gehen, war in dieſen Umſtaͤnden auch nicht zu faſſen. Jhr Kummer war ſo groß, daß ſie hoffte, er wuͤrde ſie toͤdten; ich glaube auch, daß es geſchehen waͤre, wenn wir uns laͤnger in dem Hauſe aufgehalten haͤtten, wo die ungluͤckliche Heurath vollzogen wor-
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rennen und Wahlen angenommen und der
Zeit uͤberlaſſen, was nach dieſen verſchie-
denen Aufgaͤhrungen in dem Faß nuͤtzli-
ches uͤbrig bleiben mag. —
Hier, meine Freundin, muß ich ſelbſt
wieder das Wort nehmen, und ihnen von
dem, was auf die ungluͤckliche Veraͤnde-
rung in dem Schickſal meiner geliebten
Dame gefolget iſt, eine zuſammenhan-
gende Geſchichte zu liefern.
Das Haus meiner Schweſter war itzt
der einzige Ort, wohin wir in dieſen Um-
ſtaͤnden Zuflucht nehmen konnten. Man
durfte ihr weder von Rache, noch von
Behauptung ihrer Rechte ſprechen; und
der Gedanke auf ihre Guͤter zu gehen, war
in dieſen Umſtaͤnden auch nicht zu faſſen.
Jhr Kummer war ſo groß, daß ſie hoffte,
er wuͤrde ſie toͤdten; ich glaube auch, daß
es geſchehen waͤre, wenn wir uns laͤnger
in dem Hauſe aufgehalten haͤtten, wo
die ungluͤckliche Heurath vollzogen wor-
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[La Roche, Sophie von]: Geschichte des Fräuleins von Sternheim. Bd. 2. Hrsg. v. Christoph Martin Wieland. Leipzig, 1771, S. 60. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laroche_geschichte02_1771/66>, abgerufen am 25.09.2024.
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