Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[La Roche, Sophie von]: Geschichte des Fräuleins von Sternheim. Bd. 2. Hrsg. v. Christoph Martin Wieland. Leipzig, 1771.

Bild:
<< vorherige Seite

Eigenthümerinn dieses Grunds auf ewig
mit der Hoffnung entzweyet ist. Lady
Summers war bey uns, als ich dieses sag-
te, und streckte bey den letzten Worten ihre
Hand aus, mir den Mund zuzuhalten;
"das sollen Sie nicht sagen, sprach sie;
"wollen Sie eigenmächtig die künftigen
"Tage zu den vergangenen werfen? Die
"Vorsicht wird Jhrer nicht vergessen,
"meine liebe, machen Sie nur keine ei-
"gensinnigen Foderungen an Sie." --
Dieser Vorwurf machte mich aus Em-
pfindlichkeit erröthen, ich küßte die Hand
der Lady, mit welcher sie meinen Mund
hatte zuhalten wollen, und fragte sie
zärtlich: "theure Lady, wenn Sie mich
eigensinnig in meinen Foderungen ge-
funden? -- Jn Jhrer beständigen
Traurigkeit über das Vergangene, wo
Sie Zurückfoderungen aus dem Reiche
der Todten machen, war ihre Ant-
wort." -- O meine geliebte würdige La-
dy Summers, warum, ach -- war-
um -- Diese Ausrufung entfloh mir,
weil ich; gerührt über ihre Güte, innig

bedauerte,

Eigenthuͤmerinn dieſes Grunds auf ewig
mit der Hoffnung entzweyet iſt. Lady
Summers war bey uns, als ich dieſes ſag-
te, und ſtreckte bey den letzten Worten ihre
Hand aus, mir den Mund zuzuhalten;
„das ſollen Sie nicht ſagen, ſprach ſie;
„wollen Sie eigenmaͤchtig die kuͤnftigen
„Tage zu den vergangenen werfen? Die
„Vorſicht wird Jhrer nicht vergeſſen,
„meine liebe, machen Sie nur keine ei-
„genſinnigen Foderungen an Sie.“ —
Dieſer Vorwurf machte mich aus Em-
pfindlichkeit erroͤthen, ich kuͤßte die Hand
der Lady, mit welcher ſie meinen Mund
hatte zuhalten wollen, und fragte ſie
zaͤrtlich: „theure Lady, wenn Sie mich
eigenſinnig in meinen Foderungen ge-
funden? — Jn Jhrer beſtaͤndigen
Traurigkeit uͤber das Vergangene, wo
Sie Zuruͤckfoderungen aus dem Reiche
der Todten machen, war ihre Ant-
wort.“ — O meine geliebte wuͤrdige La-
dy Summers, warum, ach — war-
um — Dieſe Ausrufung entfloh mir,
weil ich; geruͤhrt uͤber ihre Guͤte, innig

bedauerte,
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0181" n="175"/>
Eigenthu&#x0364;merinn die&#x017F;es Grunds auf ewig<lb/>
mit der Hoffnung entzweyet i&#x017F;t. Lady<lb/>
Summers war bey uns, als ich die&#x017F;es &#x017F;ag-<lb/>
te, und &#x017F;treckte bey den letzten Worten ihre<lb/>
Hand aus, mir den Mund zuzuhalten;<lb/>
&#x201E;das &#x017F;ollen Sie nicht &#x017F;agen, &#x017F;prach &#x017F;ie;<lb/>
&#x201E;wollen Sie eigenma&#x0364;chtig die ku&#x0364;nftigen<lb/>
&#x201E;Tage zu den vergangenen werfen? Die<lb/>
&#x201E;Vor&#x017F;icht wird Jhrer nicht verge&#x017F;&#x017F;en,<lb/>
&#x201E;meine liebe, machen Sie nur keine ei-<lb/>
&#x201E;gen&#x017F;innigen Foderungen an Sie.&#x201C; &#x2014;<lb/>
Die&#x017F;er Vorwurf machte mich aus Em-<lb/>
pfindlichkeit erro&#x0364;then, ich ku&#x0364;ßte die Hand<lb/>
der Lady, mit welcher &#x017F;ie meinen Mund<lb/>
hatte zuhalten wollen, und fragte &#x017F;ie<lb/>
za&#x0364;rtlich: &#x201E;theure Lady, wenn Sie mich<lb/>
eigen&#x017F;innig in meinen Foderungen ge-<lb/>
funden? &#x2014; Jn Jhrer be&#x017F;ta&#x0364;ndigen<lb/>
Traurigkeit u&#x0364;ber das Vergangene, wo<lb/>
Sie Zuru&#x0364;ckfoderungen aus dem Reiche<lb/>
der Todten machen, war ihre Ant-<lb/>
wort.&#x201C; &#x2014; O meine geliebte wu&#x0364;rdige La-<lb/>
dy Summers, warum, ach &#x2014; war-<lb/>
um &#x2014; Die&#x017F;e Ausrufung entfloh mir,<lb/>
weil ich; geru&#x0364;hrt u&#x0364;ber ihre Gu&#x0364;te, innig<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">bedauerte,</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[175/0181] Eigenthuͤmerinn dieſes Grunds auf ewig mit der Hoffnung entzweyet iſt. Lady Summers war bey uns, als ich dieſes ſag- te, und ſtreckte bey den letzten Worten ihre Hand aus, mir den Mund zuzuhalten; „das ſollen Sie nicht ſagen, ſprach ſie; „wollen Sie eigenmaͤchtig die kuͤnftigen „Tage zu den vergangenen werfen? Die „Vorſicht wird Jhrer nicht vergeſſen, „meine liebe, machen Sie nur keine ei- „genſinnigen Foderungen an Sie.“ — Dieſer Vorwurf machte mich aus Em- pfindlichkeit erroͤthen, ich kuͤßte die Hand der Lady, mit welcher ſie meinen Mund hatte zuhalten wollen, und fragte ſie zaͤrtlich: „theure Lady, wenn Sie mich eigenſinnig in meinen Foderungen ge- funden? — Jn Jhrer beſtaͤndigen Traurigkeit uͤber das Vergangene, wo Sie Zuruͤckfoderungen aus dem Reiche der Todten machen, war ihre Ant- wort.“ — O meine geliebte wuͤrdige La- dy Summers, warum, ach — war- um — Dieſe Ausrufung entfloh mir, weil ich; geruͤhrt uͤber ihre Guͤte, innig bedauerte,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/laroche_geschichte02_1771
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/laroche_geschichte02_1771/181
Zitationshilfe: [La Roche, Sophie von]: Geschichte des Fräuleins von Sternheim. Bd. 2. Hrsg. v. Christoph Martin Wieland. Leipzig, 1771, S. 175. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laroche_geschichte02_1771/181>, abgerufen am 17.06.2021.