setzen wieder, wo ich bin -- Traum und Mährchen, sie könnten vor Blasirtheit und vor Kerker retten, kommt, kommt!
Steigt herunter auf goldnen Wolken!
Es laufen Gedanken in mir herum, Darunter auch jenes Wort, Der Welten tiefes Mysterium, Hasch ich, so fliegt es fort!
Jch lausch' oft ganze Stunden lang, Ob es ein Geist mir nennt, Jch höre nur verworrnen Klang: "All Wissen hat bald ein End'!"
Und sprech ich laut, was ich empfand, Was mir durch's Herze zieht, So wird daraus solch bunter Tand, Ein klein armselig Lied.
Unglaubliches ist geschehen, und die Verände- rung ist groß: von den alten, längst gelesenen Bü- chern, die ich im ersten Gefängnisse hatte, sind mir einige verabreicht worden. Für Lektüre helfen sie
ſetzen wieder, wo ich bin — Traum und Mährchen, ſie könnten vor Blaſirtheit und vor Kerker retten, kommt, kommt!
Steigt herunter auf goldnen Wolken!
Es laufen Gedanken in mir herum, Darunter auch jenes Wort, Der Welten tiefes Myſterium, Haſch ich, ſo fliegt es fort!
Jch lauſch’ oft ganze Stunden lang, Ob es ein Geiſt mir nennt, Jch höre nur verworrnen Klang: „All Wiſſen hat bald ein End’!“
Und ſprech ich laut, was ich empfand, Was mir durch’s Herze zieht, So wird daraus ſolch bunter Tand, Ein klein armſelig Lied.
Unglaubliches iſt geſchehen, und die Verände- rung iſt groß: von den alten, längſt geleſenen Bü- chern, die ich im erſten Gefängniſſe hatte, ſind mir einige verabreicht worden. Für Lektüre helfen ſie
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ſetzen wieder, wo ich bin — Traum und Mährchen,
ſie könnten vor Blaſirtheit und vor Kerker retten,
kommt, kommt!
Steigt herunter auf goldnen Wolken!
Es laufen Gedanken in mir herum,
Darunter auch jenes Wort,
Der Welten tiefes Myſterium,
Haſch ich, ſo fliegt es fort!
Jch lauſch’ oft ganze Stunden lang,
Ob es ein Geiſt mir nennt,
Jch höre nur verworrnen Klang:
„All Wiſſen hat bald ein End’!“
Und ſprech ich laut, was ich empfand,
Was mir durch’s Herze zieht,
So wird daraus ſolch bunter Tand,
Ein klein armſelig Lied.
Unglaubliches iſt geſchehen, und die Verände-
rung iſt groß: von den alten, längſt geleſenen Bü-
chern, die ich im erſten Gefängniſſe hatte, ſind mir
einige verabreicht worden. Für Lektüre helfen ſie
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Laube, Heinrich: Das junge Europa. Bd. 3. Mannheim, 1837, S. 142. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laube_europa03_1837/150>, abgerufen am 10.08.2024.
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