Laube, Heinrich: Das junge Europa. Bd. 3. Mannheim, 1837.Es singen drei Gefangene: Es zogen wohl drei Schwäne Vom Süden nach dem Nord, Sie suchten alte Freunde -- Die Freunde waren fort. Es zogen wohl drei Schwäne Vom Norden nach dem Süd, Sie suchten die alten Ufer -- Die waren verwüstet, verblüht. Sie hatten nicht mehr Heimath, Nicht Freunde in der Welt -- Da haben an den Felsen Sie sich die Köpfe zerschellt. Und wenn wir einst befreiet, So kennt uns Niemand mehr, Es bleibt uns nur zu sterben, Die Welt ist wüst und leer. Der Sommer scheidet, kalter Wind Fällt auf die Dächer nieder -- Des blauen Himmels Farben sind Jn Grau verblichen wieder. Als ich die Welt zum Letzten sah, Da war sie hell und milde, Es ſingen drei Gefangene: Es zogen wohl drei Schwäne Vom Süden nach dem Nord, Sie ſuchten alte Freunde — Die Freunde waren fort. Es zogen wohl drei Schwäne Vom Norden nach dem Süd, Sie ſuchten die alten Ufer — Die waren verwüſtet, verblüht. Sie hatten nicht mehr Heimath, Nicht Freunde in der Welt — Da haben an den Felſen Sie ſich die Köpfe zerſchellt. Und wenn wir einſt befreiet, So kennt uns Niemand mehr, Es bleibt uns nur zu ſterben, Die Welt iſt wüſt und leer. Der Sommer ſcheidet, kalter Wind Fällt auf die Dächer nieder — Des blauen Himmels Farben ſind Jn Grau verblichen wieder. Als ich die Welt zum Letzten ſah, Da war ſie hell und milde, <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <pb facs="#f0156" n="148"/> <p>Es ſingen drei Gefangene:</p><lb/> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l>Es zogen wohl drei Schwäne</l><lb/> <l>Vom Süden nach dem Nord,</l><lb/> <l>Sie ſuchten alte Freunde —</l><lb/> <l>Die Freunde waren fort.</l> </lg><lb/> <lg n="2"> <l>Es zogen wohl drei Schwäne</l><lb/> <l>Vom Norden nach dem Süd,</l><lb/> <l>Sie ſuchten die alten Ufer —</l><lb/> <l>Die waren verwüſtet, verblüht.</l> </lg><lb/> <lg n="3"> <l>Sie hatten nicht mehr Heimath,</l><lb/> <l>Nicht Freunde in der Welt —</l><lb/> <l>Da haben an den Felſen</l><lb/> <l>Sie ſich die Köpfe zerſchellt.</l> </lg><lb/> <lg n="4"> <l>Und wenn wir einſt befreiet,</l><lb/> <l>So kennt uns Niemand mehr,</l><lb/> <l>Es bleibt uns nur zu ſterben,</l><lb/> <l>Die Welt iſt wüſt und leer.</l> </lg><lb/> <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/> <lg n="5"> <l>Der Sommer ſcheidet, kalter Wind</l><lb/> <l>Fällt auf die Dächer nieder —</l><lb/> <l>Des blauen Himmels Farben ſind</l><lb/> <l>Jn Grau verblichen wieder.</l> </lg><lb/> <lg n="6"> <l>Als ich die Welt zum Letzten ſah,</l><lb/> <l>Da war ſie hell und milde,</l><lb/> </lg> </lg> </div> </div> </body> </text> </TEI> [148/0156]
Es ſingen drei Gefangene:
Es zogen wohl drei Schwäne
Vom Süden nach dem Nord,
Sie ſuchten alte Freunde —
Die Freunde waren fort.
Es zogen wohl drei Schwäne
Vom Norden nach dem Süd,
Sie ſuchten die alten Ufer —
Die waren verwüſtet, verblüht.
Sie hatten nicht mehr Heimath,
Nicht Freunde in der Welt —
Da haben an den Felſen
Sie ſich die Köpfe zerſchellt.
Und wenn wir einſt befreiet,
So kennt uns Niemand mehr,
Es bleibt uns nur zu ſterben,
Die Welt iſt wüſt und leer.
Der Sommer ſcheidet, kalter Wind
Fällt auf die Dächer nieder —
Des blauen Himmels Farben ſind
Jn Grau verblichen wieder.
Als ich die Welt zum Letzten ſah,
Da war ſie hell und milde,
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| Zitationshilfe: | Laube, Heinrich: Das junge Europa. Bd. 3. Mannheim, 1837, S. 148. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laube_europa03_1837/156>, abgerufen am 10.08.2024. |


