Gesellschaft aufbricht, begleite ich sie in's Vorzimmer -- ich war den Abend sehr sanft und zurückhaltend gewesen -- der Diener, die Equipage fehlt, ich hänge ihr den Mantel um, und berühre ihre schön gewölbten Schultern kaum mit der Fingerspitze, so viel Ueberwindung es mich kostet. Sie hat nämlich die in Paris ungewöhnliche Manier, sehr verschlossen, bis an den Hals verhüllt, sich zu kleiden, obwohl man am schönen Wuchse, der vollen Hand, dem weißen, schönen Halse, den Umrissen unter der feinen Hülle sehen konnte, daß just ihre Büste sehr schön sein müsse. Jch sage, der Diener warte viel- leicht ungeschickt am Wagen, ich bringe sie hin- unter, ihre Equipage fehlt, sie will kein Aufsehn machen, entschließt sich, steigt in die meine.
Du magst denken, daß ich die Situation zu benutzen suchte, sie wehrte, ich wurde stürmisch, das Widerstrebende lockt am meisten, ich riß ihr den Kragen von der Achsel, und fand Nacken, Schul- ter, Brust voll und duftend vom schönsten Leben --
Aber, Monsieur, sagte sie lächelnd, fahren wir doch zu mir nach Hause, dort können wir ja die Liebkosung viel bequemer haben. Es geschah; sämmt-
Geſellſchaft aufbricht, begleite ich ſie in’s Vorzimmer — ich war den Abend ſehr ſanft und zuruͤckhaltend geweſen — der Diener, die Equipage fehlt, ich haͤnge ihr den Mantel um, und beruͤhre ihre ſchoͤn gewoͤlbten Schultern kaum mit der Fingerſpitze, ſo viel Ueberwindung es mich koſtet. Sie hat naͤmlich die in Paris ungewoͤhnliche Manier, ſehr verſchloſſen, bis an den Hals verhuͤllt, ſich zu kleiden, obwohl man am ſchoͤnen Wuchſe, der vollen Hand, dem weißen, ſchoͤnen Halſe, den Umriſſen unter der feinen Huͤlle ſehen konnte, daß juſt ihre Buͤſte ſehr ſchoͤn ſein muͤſſe. Jch ſage, der Diener warte viel- leicht ungeſchickt am Wagen, ich bringe ſie hin- unter, ihre Equipage fehlt, ſie will kein Aufſehn machen, entſchließt ſich, ſteigt in die meine.
Du magſt denken, daß ich die Situation zu benutzen ſuchte, ſie wehrte, ich wurde ſtuͤrmiſch, das Widerſtrebende lockt am meiſten, ich riß ihr den Kragen von der Achſel, und fand Nacken, Schul- ter, Bruſt voll und duftend vom ſchoͤnſten Leben —
Aber, Monſieur, ſagte ſie laͤchelnd, fahren wir doch zu mir nach Hauſe, dort koͤnnen wir ja die Liebkoſung viel bequemer haben. Es geſchah; ſaͤmmt-
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[202/0210]
Geſellſchaft aufbricht, begleite ich ſie in’s Vorzimmer
— ich war den Abend ſehr ſanft und zuruͤckhaltend
geweſen — der Diener, die Equipage fehlt, ich
haͤnge ihr den Mantel um, und beruͤhre ihre ſchoͤn
gewoͤlbten Schultern kaum mit der Fingerſpitze, ſo
viel Ueberwindung es mich koſtet. Sie hat naͤmlich
die in Paris ungewoͤhnliche Manier, ſehr verſchloſſen,
bis an den Hals verhuͤllt, ſich zu kleiden, obwohl
man am ſchoͤnen Wuchſe, der vollen Hand, dem
weißen, ſchoͤnen Halſe, den Umriſſen unter der
feinen Huͤlle ſehen konnte, daß juſt ihre Buͤſte ſehr
ſchoͤn ſein muͤſſe. Jch ſage, der Diener warte viel-
leicht ungeſchickt am Wagen, ich bringe ſie hin-
unter, ihre Equipage fehlt, ſie will kein Aufſehn
machen, entſchließt ſich, ſteigt in die meine.
Du magſt denken, daß ich die Situation zu
benutzen ſuchte, ſie wehrte, ich wurde ſtuͤrmiſch, das
Widerſtrebende lockt am meiſten, ich riß ihr den
Kragen von der Achſel, und fand Nacken, Schul-
ter, Bruſt voll und duftend vom ſchoͤnſten Leben —
Aber, Monſieur, ſagte ſie laͤchelnd, fahren wir
doch zu mir nach Hauſe, dort koͤnnen wir ja die
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Laube, Heinrich: Das junge Europa. Bd. 3. Mannheim, 1837, S. 202. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laube_europa03_1837/210>, abgerufen am 10.08.2024.
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