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Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 2. Halle, 1792.

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Sieben und zwanzigstes Kapitel.

Urlaub. Kirchlicher Zustand im Weimarischen. Abentheuer
des Hofrath Schnauberts in Jena.



Es war mitten im Winter 1786, als mich mein
Vetter, Herr Dietsch, der Weinhändler, zu sich
auf den Kronprinzen kommen ließ und mir sagte:
er habe Vollmacht von meinem Vater, Kaution für
mich zu stellen und mir Urlaub auszuwirken. Ich
kann nicht sagen, daß mich diese Nachricht sehr er-
freut hätte. Ich hatte damals viele Herren, welche
mich alle sehr ordentlich honorirten. Besonders muß
ich die Herren Ideler, Schwerin, Bülow,
Klose, Gärtner, Brau, von Fährentheil
und andere meiner damaligen Scholaren in diesem
Stück rühmen. Fürs andre war es Winter, und das
Reisen um diese Zeit sehr beschwerlich. Dann hatte ich
auch gar wenig Lust, die Pfälzer Mosjehs je wieder
zu sehn und mich von den schwarzen Hans-Narren
in meinem Vaterlande bekritteln zu lassen. Aber diese
und mehr andre Gründe wichen dem Willen meines
ehrlichen Vaters, den ich zwar immer, leider nur nicht
auf die rechte Art, geehrt, und geliebt habe.


Zweiter Theil. X
Sieben und zwanzigſtes Kapitel.

Urlaub. Kirchlicher Zuſtand im Weimariſchen. Abentheuer
des Hofrath Schnauberts in Jena.



Es war mitten im Winter 1786, als mich mein
Vetter, Herr Dietſch, der Weinhaͤndler, zu ſich
auf den Kronprinzen kommen ließ und mir ſagte:
er habe Vollmacht von meinem Vater, Kaution fuͤr
mich zu ſtellen und mir Urlaub auszuwirken. Ich
kann nicht ſagen, daß mich dieſe Nachricht ſehr er-
freut haͤtte. Ich hatte damals viele Herren, welche
mich alle ſehr ordentlich honorirten. Beſonders muß
ich die Herren Ideler, Schwerin, Buͤlow,
Kloſe, Gaͤrtner, Brau, von Faͤhrentheil
und andere meiner damaligen Scholaren in dieſem
Stuͤck ruͤhmen. Fuͤrs andre war es Winter, und das
Reiſen um dieſe Zeit ſehr beſchwerlich. Dann hatte ich
auch gar wenig Luſt, die Pfaͤlzer Mosjehs je wieder
zu ſehn und mich von den ſchwarzen Hans-Narren
in meinem Vaterlande bekritteln zu laſſen. Aber dieſe
und mehr andre Gruͤnde wichen dem Willen meines
ehrlichen Vaters, den ich zwar immer, leider nur nicht
auf die rechte Art, geehrt, und geliebt habe.


Zweiter Theil. X
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[311[321]/0323] Sieben und zwanzigſtes Kapitel. Urlaub. Kirchlicher Zuſtand im Weimariſchen. Abentheuer des Hofrath Schnauberts in Jena. Es war mitten im Winter 1786, als mich mein Vetter, Herr Dietſch, der Weinhaͤndler, zu ſich auf den Kronprinzen kommen ließ und mir ſagte: er habe Vollmacht von meinem Vater, Kaution fuͤr mich zu ſtellen und mir Urlaub auszuwirken. Ich kann nicht ſagen, daß mich dieſe Nachricht ſehr er- freut haͤtte. Ich hatte damals viele Herren, welche mich alle ſehr ordentlich honorirten. Beſonders muß ich die Herren Ideler, Schwerin, Buͤlow, Kloſe, Gaͤrtner, Brau, von Faͤhrentheil und andere meiner damaligen Scholaren in dieſem Stuͤck ruͤhmen. Fuͤrs andre war es Winter, und das Reiſen um dieſe Zeit ſehr beſchwerlich. Dann hatte ich auch gar wenig Luſt, die Pfaͤlzer Mosjehs je wieder zu ſehn und mich von den ſchwarzen Hans-Narren in meinem Vaterlande bekritteln zu laſſen. Aber dieſe und mehr andre Gruͤnde wichen dem Willen meines ehrlichen Vaters, den ich zwar immer, leider nur nicht auf die rechte Art, geehrt, und geliebt habe. Zweiter Theil. X

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Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 2. Halle, 1792, S. 311[321]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben02_1792/323>, abgerufen am 14.04.2021.