Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 5. Leipzig, 1802.

Bild:
<< vorherige Seite
Zwey und dreyßigstes Kapitel.

Meine jetzige Lage.



Die taugt nun freylich nicht viel: quälende Sor-
gen drücken mich zu Boden, und Aussichten zur
Verbesserung meines Zustandes zeigen sich auch
nicht. Ich habe bey jedem Project, das ich mach-
te, immer gefehlt, und eben daher bin ich es mü-
de, neue Projekte zur Besserung meines Zustandes
zu machen, und lasse es gehen, wie es geht.
Nichts rührt mich mehr, und wenn ich auf Etwas
hoffte, und es mir dann, wie fast immer, fehl
schlägt, so kann ich recht herzlich drüber lachen.
Auf Freundschaften habe ich sonst viel gehalten:
aber die Erfahrung hat mich gelehrt, daß Freund-
schaften gerade nicht mehr und nicht weniger sind,
als höfliche Gesellschaften, z. B. in einem Gar-
ten, Kneipe u. s. w. die man vergißt, sobald man
heraus ist, und sie folglich nicht mehr nöthig hat.
Man thut Unrecht, wenn man mehr von Freun-
den fordert, als sie nach der Natur der Freund-
schaft leisten können. Mutua utilitas ist das Fun-

Laukh. Leben 5ter Theil. X
Zwey und dreyßigſtes Kapitel.

Meine jetzige Lage.



Die taugt nun freylich nicht viel: quaͤlende Sor-
gen druͤcken mich zu Boden, und Ausſichten zur
Verbeſſerung meines Zuſtandes zeigen ſich auch
nicht. Ich habe bey jedem Project, das ich mach-
te, immer gefehlt, und eben daher bin ich es muͤ-
de, neue Projekte zur Beſſerung meines Zuſtandes
zu machen, und laſſe es gehen, wie es geht.
Nichts ruͤhrt mich mehr, und wenn ich auf Etwas
hoffte, und es mir dann, wie faſt immer, fehl
ſchlaͤgt, ſo kann ich recht herzlich druͤber lachen.
Auf Freundſchaften habe ich ſonſt viel gehalten:
aber die Erfahrung hat mich gelehrt, daß Freund-
ſchaften gerade nicht mehr und nicht weniger ſind,
als hoͤfliche Geſellſchaften, z. B. in einem Gar-
ten, Kneipe u. ſ. w. die man vergißt, ſobald man
heraus iſt, und ſie folglich nicht mehr noͤthig hat.
Man thut Unrecht, wenn man mehr von Freun-
den fordert, als ſie nach der Natur der Freund-
ſchaft leiſten koͤnnen. Mutua utilitas iſt das Fun-

Laukh. Leben 5ter Theil. X
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0321" n="313"/>
      <div n="1">
        <head>Zwey und dreyßig&#x017F;tes Kapitel.</head><lb/>
        <p><hi rendition="#g">Meine jetzige Lage</hi>.</p><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <p><hi rendition="#in">D</hi>ie taugt nun freylich nicht viel: qua&#x0364;lende Sor-<lb/>
gen dru&#x0364;cken mich zu Boden, und Aus&#x017F;ichten zur<lb/>
Verbe&#x017F;&#x017F;erung meines Zu&#x017F;tandes zeigen &#x017F;ich auch<lb/>
nicht. Ich habe bey jedem Project, das ich mach-<lb/>
te, immer gefehlt, und eben daher bin ich es mu&#x0364;-<lb/>
de, neue Projekte zur Be&#x017F;&#x017F;erung meines Zu&#x017F;tandes<lb/>
zu machen, und la&#x017F;&#x017F;e es gehen, wie es geht.<lb/>
Nichts ru&#x0364;hrt mich mehr, und wenn ich auf Etwas<lb/>
hoffte, und es mir dann, wie fa&#x017F;t immer, fehl<lb/>
&#x017F;chla&#x0364;gt, &#x017F;o kann ich recht herzlich dru&#x0364;ber lachen.<lb/>
Auf Freund&#x017F;chaften habe ich &#x017F;on&#x017F;t viel gehalten:<lb/>
aber die Erfahrung hat mich gelehrt, daß Freund-<lb/>
&#x017F;chaften gerade nicht mehr und nicht weniger &#x017F;ind,<lb/>
als ho&#x0364;fliche Ge&#x017F;ell&#x017F;chaften, z. B. in einem Gar-<lb/>
ten, Kneipe u. &#x017F;. w. die man vergißt, &#x017F;obald man<lb/>
heraus i&#x017F;t, und &#x017F;ie folglich nicht mehr no&#x0364;thig hat.<lb/>
Man thut Unrecht, wenn man mehr von Freun-<lb/>
den fordert, als &#x017F;ie nach der Natur der Freund-<lb/>
&#x017F;chaft lei&#x017F;ten ko&#x0364;nnen. <hi rendition="#aq">Mutua utilitas</hi> i&#x017F;t das Fun-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">Laukh. Leben 5ter Theil. X</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[313/0321] Zwey und dreyßigſtes Kapitel. Meine jetzige Lage. Die taugt nun freylich nicht viel: quaͤlende Sor- gen druͤcken mich zu Boden, und Ausſichten zur Verbeſſerung meines Zuſtandes zeigen ſich auch nicht. Ich habe bey jedem Project, das ich mach- te, immer gefehlt, und eben daher bin ich es muͤ- de, neue Projekte zur Beſſerung meines Zuſtandes zu machen, und laſſe es gehen, wie es geht. Nichts ruͤhrt mich mehr, und wenn ich auf Etwas hoffte, und es mir dann, wie faſt immer, fehl ſchlaͤgt, ſo kann ich recht herzlich druͤber lachen. Auf Freundſchaften habe ich ſonſt viel gehalten: aber die Erfahrung hat mich gelehrt, daß Freund- ſchaften gerade nicht mehr und nicht weniger ſind, als hoͤfliche Geſellſchaften, z. B. in einem Gar- ten, Kneipe u. ſ. w. die man vergißt, ſobald man heraus iſt, und ſie folglich nicht mehr noͤthig hat. Man thut Unrecht, wenn man mehr von Freun- den fordert, als ſie nach der Natur der Freund- ſchaft leiſten koͤnnen. Mutua utilitas iſt das Fun- Laukh. Leben 5ter Theil. X

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben05_1802
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben05_1802/321
Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 5. Leipzig, 1802, S. 313. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben05_1802/321>, abgerufen am 20.08.2022.