der Seele lagen -- scheint Er einen Blick auf die näch- sten an Ihm stehenden Jünger und Jüngerinnen ge- than zu haben! -- "Fürchte dich nicht! Du kleine &q;Heerde; Bin ich gleich jetzt sehr beklommen; Hab' &q;ich gleich ein fürchterliches Weh' über so viele meiner &q;Zuhörer aussprechen müssen -- Fürchte dich nicht &q;kleine Heerde! Es hat dem Vater wohlgefallen, &q;euch das Reich zu geben. Nicht den Gewaltigen, &q;denen jetzt eine Zeitlang die Oberhand gelassen ist! Nicht &q;den glänzenden Namen! Nicht den Berühmten und &q;Gelehrten! -- Vater! Allmächtiger! In dessen Hand &q;allein alles steht! -- Vater! Du bist anbethenswür- &q;dig! Mit unumschränkter Freyheit theilest Du Deine &q;Gaben aus -- und besonders die größte deiner Gaben, &q;den Glauben an Mich! Einige edle Freunde der Wahr- &q;heit hast Du dennoch Mir an die Seite gestellt, die sich &q;Deiner und Meiner freuen! Ich danke Dir für dieß &q;theure Geschenke Deiner freyen Gnade! Als Dein Ge- &q;schenk erkenn' ich alles, was ich habe! Alles, wasJoh. XVII. 10. &q;Mein ist, ist Dein -- aber auch alles, was Dein &q;ist, ist Mein. Du allein kennest mich ganz! Ich al- &q;lein kenne Dich ganz und unmittelbar! Nur der kennt &q;Mich, den Du zu mir führst! Nur der kennt Dich, &q;dem Ich Dich offenbahre! Niemand kommt zu &q;dem Vater, als nur durch Mich; Nicht zur Er-Joh. XIV. 6. &q;kenntniß, nicht zur würdigen Anbethung, nicht zur &q;Gemeinschaft, nicht zum Genusse der Gottheit, als &q;durch meine Vermittelung! Wie einer mit Mir steht; &q;So steht Er mit der Gottheit. Mir nahe seyn,
&q;heißt
K 5
Glaubenseinfalt. Vater und Sohn.
der Seele lagen — ſcheint Er einen Blick auf die näch- ſten an Ihm ſtehenden Jünger und Jüngerinnen ge- than zu haben! — „Fürchte dich nicht! Du kleine &q;Heerde; Bin ich gleich jetzt ſehr beklommen; Hab’ &q;ich gleich ein fürchterliches Weh’ über ſo viele meiner &q;Zuhörer ausſprechen müſſen — Fürchte dich nicht &q;kleine Heerde! Es hat dem Vater wohlgefallen, &q;euch das Reich zu geben. Nicht den Gewaltigen, &q;denen jetzt eine Zeitlang die Oberhand gelaſſen iſt! Nicht &q;den glänzenden Namen! Nicht den Berühmten und &q;Gelehrten! — Vater! Allmächtiger! In deſſen Hand &q;allein alles ſteht! — Vater! Du biſt anbethenswür- &q;dig! Mit unumſchränkter Freyheit theileſt Du Deine &q;Gaben aus — und beſonders die größte deiner Gaben, &q;den Glauben an Mich! Einige edle Freunde der Wahr- &q;heit haſt Du dennoch Mir an die Seite geſtellt, die ſich &q;Deiner und Meiner freuen! Ich danke Dir für dieß &q;theure Geſchenke Deiner freyen Gnade! Als Dein Ge- &q;ſchenk erkenn’ ich alles, was ich habe! Alles, wasJoh. XVII. 10. &q;Mein iſt, iſt Dein — aber auch alles, was Dein &q;iſt, iſt Mein. Du allein kenneſt mich ganz! Ich al- &q;lein kenne Dich ganz und unmittelbar! Nur der kennt &q;Mich, den Du zu mir führſt! Nur der kennt Dich, &q;dem Ich Dich offenbahre! Niemand kommt zu &q;dem Vater, als nur durch Mich; Nicht zur Er-Joh. XIV. 6. &q;kenntniß, nicht zur würdigen Anbethung, nicht zur &q;Gemeinſchaft, nicht zum Genuſſe der Gottheit, als &q;durch meine Vermittelung! Wie einer mit Mir ſteht; &q;So ſteht Er mit der Gottheit. Mir nahe ſeyn,
&q;heißt
K 5
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><divn="3"><p><pbfacs="#f0181"n="153[173]"/><fwplace="top"type="header">Glaubenseinfalt. Vater und Sohn.</fw><lb/>
der Seele lagen —ſcheint Er einen Blick auf die näch-<lb/>ſten an Ihm ſtehenden Jünger und Jüngerinnen ge-<lb/>
than zu haben! —<hirendition="#fr">„Fürchte dich nicht! Du kleine<lb/>&q;Heerde;</hi> Bin ich gleich jetzt ſehr beklommen; Hab’<lb/>&q;ich gleich ein fürchterliches Weh’ über ſo viele meiner<lb/>&q;Zuhörer ausſprechen müſſen —<hirendition="#fr">Fürchte dich nicht<lb/>&q;kleine Heerde! Es hat dem Vater wohlgefallen,<lb/>&q;euch das Reich zu geben.</hi> Nicht den Gewaltigen,<lb/>&q;denen jetzt eine Zeitlang die Oberhand gelaſſen iſt! Nicht<lb/>&q;den glänzenden Namen! Nicht den Berühmten und<lb/>&q;Gelehrten! — Vater! Allmächtiger! In deſſen Hand<lb/>&q;allein alles ſteht! — Vater! Du biſt anbethenswür-<lb/>&q;dig! Mit unumſchränkter Freyheit theileſt Du Deine<lb/>&q;Gaben aus — und beſonders die größte deiner Gaben,<lb/>&q;den Glauben an Mich! Einige edle Freunde der Wahr-<lb/>&q;heit haſt Du dennoch Mir an die Seite geſtellt, die ſich<lb/>&q;Deiner und Meiner freuen! Ich danke Dir für dieß<lb/>&q;theure Geſchenke Deiner freyen Gnade! Als Dein Ge-<lb/>&q;ſchenk erkenn’ ich alles, was ich habe! <hirendition="#fr">Alles, was</hi><noteplace="right">Joh.<lb/><hirendition="#aq">XVII.</hi> 10.</note><lb/><hirendition="#fr">&q;Mein iſt, iſt Dein</hi>— aber auch <hirendition="#fr">alles, was Dein<lb/>&q;iſt, iſt Mein.</hi> Du allein kenneſt mich ganz! Ich al-<lb/>&q;lein kenne Dich ganz und unmittelbar! Nur <hirendition="#fr">der</hi> kennt<lb/><hirendition="#fr">&q;Mich,</hi> den <hirendition="#fr">Du</hi> zu mir führſt! Nur <hirendition="#fr">der</hi> kennt Dich,<lb/>&q;dem <hirendition="#fr">Ich</hi> Dich offenbahre! <hirendition="#fr">Niemand kommt zu<lb/>&q;dem Vater, als nur durch Mich;</hi> Nicht zur Er-<noteplace="right">Joh.<lb/><hirendition="#aq">XIV.</hi> 6.</note><lb/>&q;kenntniß, nicht zur würdigen Anbethung, nicht zur<lb/>&q;Gemeinſchaft, nicht zum Genuſſe der Gottheit, als<lb/>&q;durch <hirendition="#fr">meine</hi> Vermittelung! Wie einer mit <hirendition="#fr">Mir</hi>ſteht;<lb/>&q;So ſteht Er mit der <hirendition="#fr">Gottheit. Mir nahe</hi>ſeyn,<lb/><fwplace="bottom"type="sig">K 5</fw><fwplace="bottom"type="catch">&q;heißt</fw><lb/></p></div></div></div></body></text></TEI>
[153[173]/0181]
Glaubenseinfalt. Vater und Sohn.
der Seele lagen — ſcheint Er einen Blick auf die näch-
ſten an Ihm ſtehenden Jünger und Jüngerinnen ge-
than zu haben! — „Fürchte dich nicht! Du kleine
&q;Heerde; Bin ich gleich jetzt ſehr beklommen; Hab’
&q;ich gleich ein fürchterliches Weh’ über ſo viele meiner
&q;Zuhörer ausſprechen müſſen — Fürchte dich nicht
&q;kleine Heerde! Es hat dem Vater wohlgefallen,
&q;euch das Reich zu geben. Nicht den Gewaltigen,
&q;denen jetzt eine Zeitlang die Oberhand gelaſſen iſt! Nicht
&q;den glänzenden Namen! Nicht den Berühmten und
&q;Gelehrten! — Vater! Allmächtiger! In deſſen Hand
&q;allein alles ſteht! — Vater! Du biſt anbethenswür-
&q;dig! Mit unumſchränkter Freyheit theileſt Du Deine
&q;Gaben aus — und beſonders die größte deiner Gaben,
&q;den Glauben an Mich! Einige edle Freunde der Wahr-
&q;heit haſt Du dennoch Mir an die Seite geſtellt, die ſich
&q;Deiner und Meiner freuen! Ich danke Dir für dieß
&q;theure Geſchenke Deiner freyen Gnade! Als Dein Ge-
&q;ſchenk erkenn’ ich alles, was ich habe! Alles, was
&q;Mein iſt, iſt Dein — aber auch alles, was Dein
&q;iſt, iſt Mein. Du allein kenneſt mich ganz! Ich al-
&q;lein kenne Dich ganz und unmittelbar! Nur der kennt
&q;Mich, den Du zu mir führſt! Nur der kennt Dich,
&q;dem Ich Dich offenbahre! Niemand kommt zu
&q;dem Vater, als nur durch Mich; Nicht zur Er-
&q;kenntniß, nicht zur würdigen Anbethung, nicht zur
&q;Gemeinſchaft, nicht zum Genuſſe der Gottheit, als
&q;durch meine Vermittelung! Wie einer mit Mir ſteht;
&q;So ſteht Er mit der Gottheit. Mir nahe ſeyn,
&q;heißt
Joh.
XVII. 10.
Joh.
XIV. 6.
K 5
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
Weitere Informationen …
Matthias Boenig, Yannic Bracke, Benjamin Fiechter, Susanne Haaf, Linda Kirsten, Xi Zhang:
Arbeitsschritte im Digitalisierungsworkflow: Vorbereitung der Bildvorlagen für die Textdigitalisierung; Bearbeitung, Konvertierung und ggf. Nachstrukturierung der durch die Grepect GmbH bereitgestellten Texttranskription
Lavater, Johann Caspar: Betrachtungen über die wichtigsten Stellen der Evangelien. Bd. 1: Matthäus und Markus. Dessau/Leipzig, 1783, S. 153[173]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lavater_betrachtungen01_1783/181>, abgerufen am 25.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.