Des Berges Gipfel war erschwungen, Der trotzig in die Tiefe schaut. Natur, von deinem Reiz durchdrungen, Wie schlug mein Herz so frei, so laut!
Behaglich streckte dort das Land sich In Ebnen aus, weit, endlos weit, Mit Thürmen, Wald und Flur, und wand sich Der Ströme Zier ums bunte Kleid;
Hier stieg es plötzlich und entschlossen Empor, stets kühner himmelan, Mit Eis und Schnee das Haupt umgossen, Vertrat den Wolken ihre Bahn.
Bald hing mein Auge freudetrunken Hier an den Felsen, schroff und wild; Bald war die Seele still versunken Dort in der Ferne Räthselbild.
7.
Des Berges Gipfel war erſchwungen, Der trotzig in die Tiefe ſchaut. Natur, von deinem Reiz durchdrungen, Wie ſchlug mein Herz ſo frei, ſo laut!
Behaglich ſtreckte dort das Land ſich In Ebnen aus, weit, endlos weit, Mit Thuͤrmen, Wald und Flur, und wand ſich Der Stroͤme Zier ums bunte Kleid;
Hier ſtieg es ploͤtzlich und entſchloſſen Empor, ſtets kuͤhner himmelan, Mit Eis und Schnee das Haupt umgoſſen, Vertrat den Wolken ihre Bahn.
Bald hing mein Auge freudetrunken Hier an den Felſen, ſchroff und wild; Bald war die Seele ſtill verſunken Dort in der Ferne Raͤthſelbild.
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><divn="3"><pbfacs="#f0162"n="148"/></div><divn="3"><head><hirendition="#b">7.</hi><lb/></head><lgtype="poem"><lgn="1"><l><hirendition="#in">D</hi>es Berges Gipfel war erſchwungen,</l><lb/><l>Der trotzig in die Tiefe ſchaut.</l><lb/><l>Natur, von deinem Reiz durchdrungen,</l><lb/><l>Wie ſchlug mein Herz ſo frei, ſo laut!</l><lb/></lg><lgn="2"><l>Behaglich ſtreckte dort das Land ſich</l><lb/><l>In Ebnen aus, weit, endlos weit,</l><lb/><l>Mit Thuͤrmen, Wald und Flur, und wand ſich</l><lb/><l>Der Stroͤme Zier ums bunte Kleid;</l><lb/></lg><lgn="3"><l>Hier ſtieg es ploͤtzlich und entſchloſſen</l><lb/><l>Empor, ſtets kuͤhner himmelan,</l><lb/><l>Mit Eis und Schnee das Haupt umgoſſen,</l><lb/><l>Vertrat den Wolken ihre Bahn.</l><lb/></lg><lgn="4"><l>Bald hing mein Auge freudetrunken</l><lb/><l>Hier an den Felſen, ſchroff und wild;</l><lb/><l>Bald war die Seele ſtill verſunken</l><lb/><l>Dort in der Ferne Raͤthſelbild.</l><lb/></lg></lg></div></div></div></body></text></TEI>
[148/0162]
7.
Des Berges Gipfel war erſchwungen,
Der trotzig in die Tiefe ſchaut.
Natur, von deinem Reiz durchdrungen,
Wie ſchlug mein Herz ſo frei, ſo laut!
Behaglich ſtreckte dort das Land ſich
In Ebnen aus, weit, endlos weit,
Mit Thuͤrmen, Wald und Flur, und wand ſich
Der Stroͤme Zier ums bunte Kleid;
Hier ſtieg es ploͤtzlich und entſchloſſen
Empor, ſtets kuͤhner himmelan,
Mit Eis und Schnee das Haupt umgoſſen,
Vertrat den Wolken ihre Bahn.
Bald hing mein Auge freudetrunken
Hier an den Felſen, ſchroff und wild;
Bald war die Seele ſtill verſunken
Dort in der Ferne Raͤthſelbild.
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend
gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien
von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem
DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.
Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832, S. 148. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/162>, abgerufen am 10.08.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.