Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832.Der Maskenball. Wirres Durcheinanderwallen In den lichten Säulenhallen. Der Drommeten hell Gedröhne, Und der Geigen tolle Lieder Stürzen vom Gerüste nieder, Als ein Wildbach froher Töne; Von dem Strome leicht bezwungen Wird der Gäste bunte Menge, Wird vom seligen Gedränge Rascher Tänze schnell verschlungen. Blumen und Orangenbäume Blühen, duften rings im Saale, Mahnen, holde Frühlingsträume, Mich an ferne Blüthenthale, Wecken mit dem stillen Gruß Mir ein banges Hinverlangen, Hauchen ihren leisen Kuß Schönen Mädchen an die Wangen; Doch den Frohen, Ruhelosen, Weht nicht Sehnsucht in dem Hauche, Der Maskenball. Wirres Durcheinanderwallen In den lichten Saͤulenhallen. Der Drommeten hell Gedroͤhne, Und der Geigen tolle Lieder Stuͤrzen vom Geruͤſte nieder, Als ein Wildbach froher Toͤne; Von dem Strome leicht bezwungen Wird der Gaͤſte bunte Menge, Wird vom ſeligen Gedraͤnge Raſcher Taͤnze ſchnell verſchlungen. Blumen und Orangenbaͤume Bluͤhen, duften rings im Saale, Mahnen, holde Fruͤhlingstraͤume, Mich an ferne Bluͤthenthale, Wecken mit dem ſtillen Gruß Mir ein banges Hinverlangen, Hauchen ihren leiſen Kuß Schoͤnen Maͤdchen an die Wangen; Doch den Frohen, Ruheloſen, Weht nicht Sehnſucht in dem Hauche, <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <pb facs="#f0172" n="158"/> </div> <div n="2"> <head> <hi rendition="#b #g">Der Maskenball</hi> <hi rendition="#b">.</hi><lb/> </head> <milestone rendition="#hr" unit="section"/> <lg type="poem"> <l><hi rendition="#in">W</hi>irres Durcheinanderwallen</l><lb/> <l>In den lichten Saͤulenhallen.</l><lb/> <l>Der Drommeten hell Gedroͤhne,</l><lb/> <l>Und der Geigen tolle Lieder</l><lb/> <l>Stuͤrzen vom Geruͤſte nieder,</l><lb/> <l>Als ein Wildbach froher Toͤne;</l><lb/> <l>Von dem Strome leicht bezwungen</l><lb/> <l>Wird der Gaͤſte bunte Menge,</l><lb/> <l>Wird vom ſeligen Gedraͤnge</l><lb/> <l>Raſcher Taͤnze ſchnell verſchlungen.</l><lb/> <l>Blumen und Orangenbaͤume</l><lb/> <l>Bluͤhen, duften rings im Saale,</l><lb/> <l>Mahnen, holde Fruͤhlingstraͤume,</l><lb/> <l>Mich an ferne Bluͤthenthale,</l><lb/> <l>Wecken mit dem ſtillen Gruß</l><lb/> <l>Mir ein banges Hinverlangen,</l><lb/> <l>Hauchen ihren leiſen Kuß</l><lb/> <l>Schoͤnen Maͤdchen an die Wangen;</l><lb/> <l>Doch den Frohen, Ruheloſen,</l><lb/> <l>Weht nicht Sehnſucht in dem Hauche,</l><lb/> </lg> </div> </div> </body> </text> </TEI> [158/0172]
Der Maskenball.
Wirres Durcheinanderwallen
In den lichten Saͤulenhallen.
Der Drommeten hell Gedroͤhne,
Und der Geigen tolle Lieder
Stuͤrzen vom Geruͤſte nieder,
Als ein Wildbach froher Toͤne;
Von dem Strome leicht bezwungen
Wird der Gaͤſte bunte Menge,
Wird vom ſeligen Gedraͤnge
Raſcher Taͤnze ſchnell verſchlungen.
Blumen und Orangenbaͤume
Bluͤhen, duften rings im Saale,
Mahnen, holde Fruͤhlingstraͤume,
Mich an ferne Bluͤthenthale,
Wecken mit dem ſtillen Gruß
Mir ein banges Hinverlangen,
Hauchen ihren leiſen Kuß
Schoͤnen Maͤdchen an die Wangen;
Doch den Frohen, Ruheloſen,
Weht nicht Sehnſucht in dem Hauche,
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| Zitationshilfe: | Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832, S. 158. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/172>, abgerufen am 10.08.2024. |


