Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832.Sind ja selber junge Rosen, Die entflogen ihrem Strauche; Flatternd in geliebten Tänzen, Dem Gewinde bald entbunden, Bald zu anmuthvollen Kränzen Von der Freude frisch gewunden; Können sinnend nicht verweilen, Müssen im Vergnügen eilen, Denn des Welkens Klage naht. Nie zu sühnender Verrath An der Blüthe Augenblicken Wäre jede trübe Säumniß. Seht, da schwebt mit trautem Nicken, Ein süß neckendes Geheimniß, Eine holde Maske her. Ach, wer bist du? sage, wer? -- Lind und weich von heller Seide Ist dein schlanker Leib umfangen, Und vom amarantnen Kleide Leicht und luftig überhangen, Und du strahlst im Glanz des Goldes, Polenmädchen! wunderholdes! Schalkhaft kühn dein Käppchen sizt, Trotzend auf so schöne Stelle; Sind ja ſelber junge Roſen, Die entflogen ihrem Strauche; Flatternd in geliebten Taͤnzen, Dem Gewinde bald entbunden, Bald zu anmuthvollen Kraͤnzen Von der Freude friſch gewunden; Koͤnnen ſinnend nicht verweilen, Muͤſſen im Vergnuͤgen eilen, Denn des Welkens Klage naht. Nie zu ſuͤhnender Verrath An der Bluͤthe Augenblicken Waͤre jede truͤbe Saͤumniß. Seht, da ſchwebt mit trautem Nicken, Ein ſuͤß neckendes Geheimniß, Eine holde Maske her. Ach, wer biſt du? ſage, wer? — Lind und weich von heller Seide Iſt dein ſchlanker Leib umfangen, Und vom amarantnen Kleide Leicht und luftig uͤberhangen, Und du ſtrahlſt im Glanz des Goldes, Polenmaͤdchen! wunderholdes! Schalkhaft kuͤhn dein Kaͤppchen ſizt, Trotzend auf ſo ſchoͤne Stelle; <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <lg type="poem"> <pb facs="#f0173" n="159"/> <l>Sind ja ſelber junge Roſen,</l><lb/> <l>Die entflogen ihrem Strauche;</l><lb/> <l>Flatternd in geliebten Taͤnzen,</l><lb/> <l>Dem Gewinde bald entbunden,</l><lb/> <l>Bald zu anmuthvollen Kraͤnzen</l><lb/> <l>Von der Freude friſch gewunden;</l><lb/> <l>Koͤnnen ſinnend nicht verweilen,</l><lb/> <l>Muͤſſen im Vergnuͤgen eilen,</l><lb/> <l>Denn des Welkens Klage naht.</l><lb/> <l>Nie zu ſuͤhnender Verrath</l><lb/> <l>An der Bluͤthe Augenblicken</l><lb/> <l>Waͤre jede truͤbe Saͤumniß.</l><lb/> <l>Seht, da ſchwebt mit trautem Nicken,</l><lb/> <l>Ein ſuͤß neckendes Geheimniß,</l><lb/> <l>Eine holde Maske her.</l><lb/> <l>Ach, wer biſt du? ſage, wer? —</l><lb/> <l>Lind und weich von heller Seide</l><lb/> <l>Iſt dein ſchlanker Leib umfangen,</l><lb/> <l>Und vom amarantnen Kleide</l><lb/> <l>Leicht und luftig uͤberhangen,</l><lb/> <l>Und du ſtrahlſt im Glanz des Goldes,</l><lb/> <l>Polenmaͤdchen! wunderholdes!</l><lb/> <l>Schalkhaft kuͤhn dein Kaͤppchen ſizt,</l><lb/> <l>Trotzend auf ſo ſchoͤne Stelle;</l><lb/> </lg> </div> </div> </body> </text> </TEI> [159/0173]
Sind ja ſelber junge Roſen,
Die entflogen ihrem Strauche;
Flatternd in geliebten Taͤnzen,
Dem Gewinde bald entbunden,
Bald zu anmuthvollen Kraͤnzen
Von der Freude friſch gewunden;
Koͤnnen ſinnend nicht verweilen,
Muͤſſen im Vergnuͤgen eilen,
Denn des Welkens Klage naht.
Nie zu ſuͤhnender Verrath
An der Bluͤthe Augenblicken
Waͤre jede truͤbe Saͤumniß.
Seht, da ſchwebt mit trautem Nicken,
Ein ſuͤß neckendes Geheimniß,
Eine holde Maske her.
Ach, wer biſt du? ſage, wer? —
Lind und weich von heller Seide
Iſt dein ſchlanker Leib umfangen,
Und vom amarantnen Kleide
Leicht und luftig uͤberhangen,
Und du ſtrahlſt im Glanz des Goldes,
Polenmaͤdchen! wunderholdes!
Schalkhaft kuͤhn dein Kaͤppchen ſizt,
Trotzend auf ſo ſchoͤne Stelle;
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| Zitationshilfe: | Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832, S. 159. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/173>, abgerufen am 10.08.2024. |


