Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832.Der Raubschütz. Nach einer Sage. Der alte Müller Jakob sizt Allein beim Glase Wein; Schwarzmitternacht, nur manchmal blizt Ein Wetterstrahl herein; Das Mühlrad saust, es braust der Wind; Doch schlafen ruhig Weib und Kind. Der Alte thut manch raschen Zug, Er denkt an Zeit und Tod. Wie draußen jagt des Sturmes Flug, So jagen Lust und Noth, Die längst begrabnen, neuerwacht, Ihm durch die Brust in dieser Nacht. Die Thür geht auf, er fährt empor:
Wer kommt zu solcher Stund? Ein Weidmann mit dem Feuerrohr, Mit seinem Stöberhund, Hahnfeder, Gemsbart auf dem Hut, Das grüne Wamms befleckt mit Blut. Der Raubschütz. Nach einer Sage. Der alte Muͤller Jakob ſizt Allein beim Glaſe Wein; Schwarzmitternacht, nur manchmal blizt Ein Wetterſtrahl herein; Das Muͤhlrad ſauſt, es brauſt der Wind; Doch ſchlafen ruhig Weib und Kind. Der Alte thut manch raſchen Zug, Er denkt an Zeit und Tod. Wie draußen jagt des Sturmes Flug, So jagen Luſt und Noth, Die laͤngſt begrabnen, neuerwacht, Ihm durch die Bruſt in dieſer Nacht. Die Thuͤr geht auf, er faͤhrt empor:
Wer kommt zu ſolcher Stund? Ein Weidmann mit dem Feuerrohr, Mit ſeinem Stoͤberhund, Hahnfeder, Gemsbart auf dem Hut, Das gruͤne Wamms befleckt mit Blut. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <pb facs="#f0199" n="185"/> </div> </div> <div n="2"> <head> <hi rendition="#b #g">Der Raubschütz</hi> <hi rendition="#b">.</hi><lb/> </head> <p><hi rendition="#g">Nach einer Sage</hi>.</p><lb/> <milestone rendition="#hr" unit="section"/> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l><hi rendition="#in">D</hi>er alte Muͤller Jakob ſizt</l><lb/> <l>Allein beim Glaſe Wein;</l><lb/> <l>Schwarzmitternacht, nur manchmal blizt</l><lb/> <l>Ein Wetterſtrahl herein;</l><lb/> <l>Das Muͤhlrad ſauſt, es brauſt der Wind;</l><lb/> <l>Doch ſchlafen ruhig Weib und Kind.</l><lb/> </lg> <lg n="2"> <l>Der Alte thut manch raſchen Zug,</l><lb/> <l>Er denkt an Zeit und Tod.</l><lb/> <l>Wie draußen jagt des Sturmes Flug,</l><lb/> <l>So jagen Luſt und Noth,</l><lb/> <l>Die laͤngſt begrabnen, neuerwacht,</l><lb/> <l>Ihm durch die Bruſt in dieſer Nacht.</l><lb/> </lg> <lg n="3"> <l>Die Thuͤr geht auf, er faͤhrt empor:</l><lb/> <l>Wer kommt zu ſolcher Stund?</l><lb/> <l>Ein Weidmann mit dem Feuerrohr,</l><lb/> <l>Mit ſeinem Stoͤberhund,</l><lb/> <l>Hahnfeder, Gemsbart auf dem Hut,</l><lb/> <l>Das gruͤne Wamms befleckt mit Blut.</l><lb/> </lg> </lg> </div> </div> </body> </text> </TEI> [185/0199]
Der Raubschütz.
Nach einer Sage.
Der alte Muͤller Jakob ſizt
Allein beim Glaſe Wein;
Schwarzmitternacht, nur manchmal blizt
Ein Wetterſtrahl herein;
Das Muͤhlrad ſauſt, es brauſt der Wind;
Doch ſchlafen ruhig Weib und Kind.
Der Alte thut manch raſchen Zug,
Er denkt an Zeit und Tod.
Wie draußen jagt des Sturmes Flug,
So jagen Luſt und Noth,
Die laͤngſt begrabnen, neuerwacht,
Ihm durch die Bruſt in dieſer Nacht.
Die Thuͤr geht auf, er faͤhrt empor:
Wer kommt zu ſolcher Stund?
Ein Weidmann mit dem Feuerrohr,
Mit ſeinem Stoͤberhund,
Hahnfeder, Gemsbart auf dem Hut,
Das gruͤne Wamms befleckt mit Blut.
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| Zitationshilfe: | Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832, S. 185. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/199>, abgerufen am 10.08.2024. |


