Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832.Die Hügel nahten allgemach; Die Sonne wies im Sinken Mir noch von Rohr das braune Dach, Ließ hell die Fenster blinken. Am Giebel tanzte, wie berauscht, Des Weines grüner Zeiger, Und als ich freudig hingelauscht, Hört' ich Gesang und Geiger. Bald kehrt' ich ein, und sezte mich Allein mit meinem Kruge; An mir vorüber drehte sich Der Tanz in raschem Fluge. Die Dirnen waren frisch und jung, Und hatten schlanke Leiber, Gar flink im Drehen, leicht im Sprung, Die Bursche -- waren Räuber. Die Hände klatschten und im Takt
Hell klirrt des Spornes Eisen; Das Lied frohlocket und es klagt Schwermüthig kühne Weisen. Die Huͤgel nahten allgemach; Die Sonne wies im Sinken Mir noch von Rohr das braune Dach, Ließ hell die Fenſter blinken. Am Giebel tanzte, wie berauſcht, Des Weines gruͤner Zeiger, Und als ich freudig hingelauſcht, Hoͤrt' ich Geſang und Geiger. Bald kehrt' ich ein, und ſezte mich Allein mit meinem Kruge; An mir voruͤber drehte ſich Der Tanz in raſchem Fluge. Die Dirnen waren friſch und jung, Und hatten ſchlanke Leiber, Gar flink im Drehen, leicht im Sprung, Die Burſche — waren Raͤuber. Die Haͤnde klatſchten und im Takt
Hell klirrt des Spornes Eiſen; Das Lied frohlocket und es klagt Schwermuͤthig kuͤhne Weiſen. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <lg type="poem"> <pb facs="#f0216" n="202"/> <lg n="15"> <l>Die Huͤgel nahten allgemach;</l><lb/> <l>Die Sonne wies im Sinken</l><lb/> <l>Mir noch von Rohr das braune Dach,</l><lb/> <l>Ließ hell die Fenſter blinken.</l><lb/> </lg> <lg n="16"> <l>Am Giebel tanzte, wie berauſcht,</l><lb/> <l>Des Weines gruͤner Zeiger,</l><lb/> <l>Und als ich freudig hingelauſcht,</l><lb/> <l>Hoͤrt' ich Geſang und Geiger.</l><lb/> </lg> <lg n="17"> <l>Bald kehrt' ich ein, und ſezte mich</l><lb/> <l>Allein mit meinem Kruge;</l><lb/> <l>An mir voruͤber drehte ſich</l><lb/> <l>Der Tanz in raſchem Fluge.</l><lb/> </lg> <lg n="18"> <l>Die Dirnen waren friſch und jung,</l><lb/> <l>Und hatten ſchlanke Leiber,</l><lb/> <l>Gar flink im Drehen, leicht im Sprung,</l><lb/> <l>Die Burſche — waren Raͤuber.</l><lb/> </lg> <lg n="19"> <l>Die Haͤnde klatſchten und im Takt</l><lb/> <l>Hell klirrt des Spornes Eiſen;</l><lb/> <l>Das Lied frohlocket und es klagt</l><lb/> <l>Schwermuͤthig kuͤhne Weiſen.</l><lb/> </lg> </lg> </div> </div> </body> </text> </TEI> [202/0216]
Die Huͤgel nahten allgemach;
Die Sonne wies im Sinken
Mir noch von Rohr das braune Dach,
Ließ hell die Fenſter blinken.
Am Giebel tanzte, wie berauſcht,
Des Weines gruͤner Zeiger,
Und als ich freudig hingelauſcht,
Hoͤrt' ich Geſang und Geiger.
Bald kehrt' ich ein, und ſezte mich
Allein mit meinem Kruge;
An mir voruͤber drehte ſich
Der Tanz in raſchem Fluge.
Die Dirnen waren friſch und jung,
Und hatten ſchlanke Leiber,
Gar flink im Drehen, leicht im Sprung,
Die Burſche — waren Raͤuber.
Die Haͤnde klatſchten und im Takt
Hell klirrt des Spornes Eiſen;
Das Lied frohlocket und es klagt
Schwermuͤthig kuͤhne Weiſen.
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| Zitationshilfe: | Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832, S. 202. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/216>, abgerufen am 10.08.2024. |


