Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832.Ist ihr auch das Glück der Liebe Wie ein Traum vorübergangen, Werden doch in stiller Sehnsucht Täglich blässer ihre Wangen. Oft in heitern, schönen Nächten, Wenn der Mond, die Sterne scheinen, Wandelt Klara, sein gedenkend, An dem Strand mit leisem Weinen; Horchet in die Meeresweiten, In die stummen, regungslosen: Keine fernen Ruderschläge? -- Keine Lieder der Matrosen? -- Wirft das Meer in trüben Nächten Seine Wellen an's Gestade, Wandelt Klara still und einsam Ihres Grams geheime Pfade. Aber nicht vom stillen Meere, Nicht vom Meere, sturmgeschlagen, Harret sie auch manche Jahre, Wird der Theure hergetragen. Iſt ihr auch das Gluͤck der Liebe Wie ein Traum voruͤbergangen, Werden doch in ſtiller Sehnſucht Taͤglich blaͤſſer ihre Wangen. Oft in heitern, ſchoͤnen Naͤchten, Wenn der Mond, die Sterne ſcheinen, Wandelt Klara, ſein gedenkend, An dem Strand mit leiſem Weinen; Horchet in die Meeresweiten, In die ſtummen, regungsloſen: Keine fernen Ruderſchlaͤge? — Keine Lieder der Matroſen? — Wirft das Meer in truͤben Naͤchten Seine Wellen an's Geſtade, Wandelt Klara ſtill und einſam Ihres Grams geheime Pfade. Aber nicht vom ſtillen Meere, Nicht vom Meere, ſturmgeſchlagen, Harret ſie auch manche Jahre, Wird der Theure hergetragen. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <lg type="poem"> <pb facs="#f0283" n="269"/> <lg n="15"> <l>Iſt ihr auch das Gluͤck der Liebe</l><lb/> <l>Wie ein Traum voruͤbergangen,</l><lb/> <l>Werden doch in ſtiller Sehnſucht</l><lb/> <l>Taͤglich blaͤſſer ihre Wangen.</l><lb/> </lg> <lg n="16"> <l>Oft in heitern, ſchoͤnen Naͤchten,</l><lb/> <l>Wenn der Mond, die Sterne ſcheinen,</l><lb/> <l>Wandelt Klara, ſein gedenkend,</l><lb/> <l>An dem Strand mit leiſem Weinen;</l><lb/> </lg> <lg n="17"> <l>Horchet in die Meeresweiten,</l><lb/> <l>In die ſtummen, regungsloſen:</l><lb/> <l>Keine fernen Ruderſchlaͤge? —</l><lb/> <l>Keine Lieder der Matroſen? —</l><lb/> </lg> <lg n="18"> <l>Wirft das Meer in truͤben Naͤchten</l><lb/> <l>Seine Wellen an's Geſtade,</l><lb/> <l>Wandelt Klara ſtill und einſam</l><lb/> <l>Ihres Grams geheime Pfade.</l><lb/> </lg> <lg n="19"> <l>Aber nicht vom ſtillen Meere,</l><lb/> <l>Nicht vom Meere, ſturmgeſchlagen,</l><lb/> <l>Harret ſie auch manche Jahre,</l><lb/> <l>Wird der Theure hergetragen.</l><lb/> </lg> </lg> <milestone rendition="#hr" unit="section"/> </div> </div> </body> </text> </TEI> [269/0283]
Iſt ihr auch das Gluͤck der Liebe
Wie ein Traum voruͤbergangen,
Werden doch in ſtiller Sehnſucht
Taͤglich blaͤſſer ihre Wangen.
Oft in heitern, ſchoͤnen Naͤchten,
Wenn der Mond, die Sterne ſcheinen,
Wandelt Klara, ſein gedenkend,
An dem Strand mit leiſem Weinen;
Horchet in die Meeresweiten,
In die ſtummen, regungsloſen:
Keine fernen Ruderſchlaͤge? —
Keine Lieder der Matroſen? —
Wirft das Meer in truͤben Naͤchten
Seine Wellen an's Geſtade,
Wandelt Klara ſtill und einſam
Ihres Grams geheime Pfade.
Aber nicht vom ſtillen Meere,
Nicht vom Meere, ſturmgeſchlagen,
Harret ſie auch manche Jahre,
Wird der Theure hergetragen.
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| Zitationshilfe: | Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832, S. 269. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/283>, abgerufen am 10.08.2024. |


