Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832.Laßt wandeln ihn am Wiesenhang Im goldnen Morgenscheine, Und ihm ertöne Vogelsang Im aufgeblühten Haine. Gebt ihm ein Häuschen still und traut, Umrankt von grünen Bäumen, Und eine schöne junge Braut, Gebt ihm in seinen Träumen! Beim Hüttchen auf der Abendbank Da sitzen selig beide, Heimkehrt mit frohem Glockenklang Die Heerde von der Weide. Nun hört er nicht der Pferde Huf, Und nicht die Geißel knallen, Hört nicht der Schiffer langen Ruf Im fernen Wald verhallen. Er sieht nicht, wie vom Strand hinab Den armen Kameraden Sammt seinem Roß in's Wellengrab Fortreißt der arge Faden. *) *) Faden, das Hauptseil, an dem die Donauschiffe gezogen
werden. Laßt wandeln ihn am Wieſenhang Im goldnen Morgenſcheine, Und ihm ertoͤne Vogelſang Im aufgebluͤhten Haine. Gebt ihm ein Haͤuschen ſtill und traut, Umrankt von gruͤnen Baͤumen, Und eine ſchoͤne junge Braut, Gebt ihm in ſeinen Traͤumen! Beim Huͤttchen auf der Abendbank Da ſitzen ſelig beide, Heimkehrt mit frohem Glockenklang Die Heerde von der Weide. Nun hoͤrt er nicht der Pferde Huf, Und nicht die Geißel knallen, Hoͤrt nicht der Schiffer langen Ruf Im fernen Wald verhallen. Er ſieht nicht, wie vom Strand hinab Den armen Kameraden Sammt ſeinem Roß in's Wellengrab Fortreißt der arge Faden. *) *) Faden, das Hauptſeil, an dem die Donauſchiffe gezogen
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Laßt wandeln ihn am Wieſenhang
Im goldnen Morgenſcheine,
Und ihm ertoͤne Vogelſang
Im aufgebluͤhten Haine.
Gebt ihm ein Haͤuschen ſtill und traut,
Umrankt von gruͤnen Baͤumen,
Und eine ſchoͤne junge Braut,
Gebt ihm in ſeinen Traͤumen!
Beim Huͤttchen auf der Abendbank
Da ſitzen ſelig beide,
Heimkehrt mit frohem Glockenklang
Die Heerde von der Weide.
Nun hoͤrt er nicht der Pferde Huf,
Und nicht die Geißel knallen,
Hoͤrt nicht der Schiffer langen Ruf
Im fernen Wald verhallen.
Er ſieht nicht, wie vom Strand hinab
Den armen Kameraden
Sammt ſeinem Roß in's Wellengrab
Fortreißt der arge Faden. *)
*) Faden, das Hauptſeil, an dem die Donauſchiffe gezogen
werden.
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| Zitationshilfe: | Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832, S. 28. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/42>, abgerufen am 10.08.2024. |


